Neurergus strauchii (Türkischer Bergbachmolch) (Steindachner, 1887)

 

Steckbrief:

Größe: 13-20 cm

Verbreitung: Östliches Anatolien in der Türkei westlich bis zum Kubbe-Pass auf 1.000-1.900 m NN. Drei Unterarten (N. s. strauchii, N. s. barani, N. s. muzurensis), N. s. barani westlich des Euphrat, N. s. muzurensis nördlich des Murat und N. s. strauchii östlich des Euphrat und südlich des Murat in Richtung Osten bis südlich des Vansees.

Lebensraum: Vegetationsfreie bis -arme Bergbäche von wenigen Metern Breite, umgeben von offenem Gelände wie (beweidetes) Grünland und felsigen Bereichen.

Lebensweise: Vornehmlich nachtaktiv, Fortpflanzung im Frühjahr (April/Mai) nach Überwinterung an Land, Entwicklung der Larven bis zum Herbst, teilweise aber auch als Larven überwinternd.

Nahrung: Insekten und deren Larven, Schnecken, Würmer, Bachflohkrebse, Asseln.

Gefährdung/Schutz: "Vulnerable" (Gefährdet). Als Gefährdungen werden Wasserentnahme, Klimawandel (zunehmende Trockenheit), Überweidung in den Landlebensräumen, Entnahme für den Tiermarkt und Töten der Tiere aus Aberglauben angeführt.

Quellen:

Bogaerts, S., Janssen, H., Macke, J., Schultschik, G., Ernst, K., Maillet, F., Bork, C., Pasmans, F. & P. Wisniewski (2012). ''Conservation biology, husbandry, and captive breeding of the endemic Anatolia newt, Neurergus strauchii Steindachner (1887) (Amphibia: Caudata: Salamandridae).'' - Amph. Rept. Conserv 6: 9-29.

Fleck, J. (1982): Erst-Nachzucht des Türkischen Bergbachmolchs Neurergus strauchii (Amphibia: Caudata: Salamandridae). - Salamandra 18 (3): 138-149.

Olgun, K., Avci, A., Bozkurt, E., Üzüm, N., Olgun, H. & C. Ilgaz (2016): A new subspecies of Anatolia newt, Neurergus strauchii (Steindachner, 1887) (Urodela: Salamandridae), from Tunceli, eastern Turkey. - Russian Journal of Herpetology 23 (4): 271-277.

Schmidtler, J. J. & J. F. Schmidtler (1975): Untersuchungen an westpersischen Bergbachmolchen der Gattung Neurergus (Caudata, Salamandridae). - Salamandra 11 (2): 84-98.

 

Eigene Erfahrungen:

Im Januar 2020 erhielt ich eine Gruppe von N. s. strauchii bestehend aus fünf Nachzuchten (2 Männchen, 3 Weibchen) aus dem Jahre 2018, deren Vorfahren aus der Region des Vansees im Osten der Türkei stammen. Die Tiere waren noch nicht ganz ausgewachsen und somit noch nicht zur Reproduktion bereit. Ich richtete ihnen ein Aquaterrarium, mit der Möglichkeit, zwischen Land- und Wasserteil zu wechseln, ein. Die meiste Zeit hielten sich die Molche im Wasser auf und entwickelten sich im Laufe des Jahres gut. Sie fraßen gierig Rote Mückenlarven, Tubifex und Regenwürmer. Im Herbst 2020 setzte ich die Tiere an Land, um sie in der Folge etwa 8 Wochen in einem kühlen Kellerraum bei ca. 14 °C zu überwintern. Auch in dieser Zeit stellten sie die Nahrungsaufnahme nicht komplett ein, sondern nahmen Regenwürmer an. Im Frühjahr 2021 kamen die Molche in ein Aquarium, das in der Einrichtung den Becken von N. kaiseri nachempfunden ist. Über Steinaufbauten besaßen die Tiere jederzeit die Möglichkeit, das Wasser zu verlassen. Erfreulicherweise ließen sich direkt nach der Überführung ins Wasser Balz- und Paarungsaktivitäten beobachten. Im Laufe der kommenden Wochen legten die drei Weibchen hunderte Eier, die sie meist an die Unterseite von Steinen, aber auch an allen möglichen anderen Gegenständen und den Aquarienscheiben platzierten. Zahlreiche Eier verpilzten, aus einigen schlüpften jedoch kleine, dunkel gefärbte Larven. Gegen Ende der Reproduktionsphase verlor ich leider drei Adulttiere (1 Männchen, 2 Weibchen), die sich in der Wasserphase eine Infektion eingefangen hatten. Möglicherweise wurde diese durch die verpilzten Eier ausgelöst, die sich nur unvollständig aus dem Aquarium entfernen ließen. Das verbliebene Pärchen setzte ich schnell an Land, um einer weiteren Infektion vorzubeugen, was glücklicherweise gelang.

Aus den Eiern schlüpften Dutzende Larven, die ich teilweise gemeinschaftlich, teilweise isoliert in einer Aufzuchtanlage für Froschlarven aufzog. Die Larven sind beim Schlupf etwas größer als die Larven von N. kaiseri und können entsprechend bereits große Daphnien verspeisen. Im Laufe des Jahres kam es immer wieder zu Verlusten und die Larven wuchsen trotz regelmäßiger Nahrungsaufnahme (anfangs Daphnien, später Tubifex und Rote Mückenlarven) verhältnismäßig langsam. Im Herbst 2021 setzte dann die Metamorphose bei den ersten Jungtieren ein, bis zum Ende des Jahres konnte ich ca. 30 Jungmolche aufziehen. Die Jungmolche drängten teilweise an Land, wo ich sie in mit feuchter Erde, Laub und Moos bestückten Plastikboxen aufzog. Hier fraßen sie u. a. Weiße Asseln. Einen kleinen Teil der Jungmolche möchte ich behalten, um wieder eine reproduzierende Gruppe dieser ausgesprochen hübschen Art erhalten zu können.

 

Weibchen von N. strauchii bei der Eiablage.

 

Frisch abgelegte Eier des Türkischen Bergbachmolchs.

 

Junglarven von N. strauchii beim Verspeisen von Roten Mückenlarven. Im Vergleich zu Larven von N. kaiseri wirken sie deutlich dunkler.

 

Ältere Larve des Türkischen Bergbachmolchs, bei der sich bereits die charakteristische Fleckung entwickelt.

 

Weitere, ältere Larve mit bereits ausgeprägter Zeichnung und Fleckung.

 

Links kurz vor der Metamorphose stehende Larve, rechts bereits metamorphosierter Jungmolch von N. strauchii.

 

An Land gegangener Jungmolch von N. strauchii.

 

Zweckmäßig eingerichtetes Aquarium zur Aufzucht von N. strauchii.

 

Einzelaufzuchtanlage für Froschlarven, die sich aber auch für die Aufzucht von Molchlarven nutzen lässt. Jede Box enthält eine Larve, Wasser kann durch gießen gewechselt werden. Verbrauchtes Wasser fließt durch einen Schlitz am Oberrand der Einzelboxen in die Kammer unten rechts, von wo es mittels Pumpe entfernt werden kann.

 

Blick von oben in die Boxen, in denen ich Larven von N. kaiseri und N. strauchii aufzog. In der Kiesschicht können sich die Larven ebenso verstecken wie unter dem größeren Stein.

 

Detaiblick in zwei Aufzuchtboxen. Die Einzelboxen messen etwa 7x5x7 cm und sind nach oben hin offen. Haben die Larven eine gewisse Größe erreicht, können sie wieder zusammen aufgezogen werden (sobald die kannibalische Phase vorüber ist).

 

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