Natrix natrix (Ringelnatter) (Linnaeus, 1758) und Natrix helvetica (Barrenringelnatter) (Lacépède, 1789)

Verbreitung in Deutschland: Ringelnattern sind in ganz Deutschland verbreitet und in fast allen Regionen anzutreffen (Waitzmann & Sowig 2007). Größere Verbreitungslücken existieren in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und in Sachsen-Anhalt vor allem im Bereich der norddeutschen Tiefebene (Online). Bundesweit wird die Art auf der Vorwarnliste geführt (Kühnel et al. 2009).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Prinzipiell können Ringelnattern in ganz Baden-Württemberg angetroffen werden. Größere Verbreitungslücken existieren im nördlichen Oberschwaben, auf der Schwäbischen Alb und in Bereichen der Oberen Gäue und des Schwarzwaldes. Verbreitungszentren sind die eher warmen Regionen des Bodenseebeckens, der Oberrheinebene, des Albvorlandes und der Keuperwaldberge. In Baden-Württemberg kommen die ehemals als zwei Unterarten der Ringelnatter beschriebenen Taxa N. n. natrix und N. n. helvetica (Barren-Ringelnatter) vor. Letztere ist in der Oberrheinebene und im Schwarzwald beheimatet, während erstere die Regionen östlich des Schwarzwaldes besiedelt (Waitzmann & Sowig 2007). Nach neuesten Erkenntnissen genetischer Untersuchungen werden diese Unterarten nun als eigenständige Arten N. natrix und N. helvetica aufgefasst (Kindler et al. 2017). Dieser Ansicht soll hier erst gefolgt werden, wenn sich die Artbegriffe durchgesetzt haben.

Habitatansprüche: Ringelnattern waren ehemals Arten der natürlichen Flussauen. Heutzutage sind sie am häufigsten in naturnahen Feuchtgebieten mit besonnt liegenden Gewässern, extensiv genutzten Feuchtwiesen und Nieder- oder Hochmooren anzutreffen. Daneben besiedeln Ringelnattern auch Sekundärlebensräume wie Kiesgruben oder Steinbrüche. Sie können auch in völlig trockenen und deutlich von Gewässern entfernten Habitaten wie etwa Halbtrockenrasen und Wacholderheiden auftreten (Waitzmann & Sowig 2007).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Gefährdet (Waitzmann & Sowig 2007). Ringelnattern gelten in Baden-Württemberg als gefährdet, weil ihre Lebensräume durch intensivierte Nutzung (Landwirtschaft, Freizeitnutzung, Verkehr) verloren gehen. Viele Vorkommen werden dadurch isoliert. Zum Schutz der Arten sollte auf Rekultivierungsmaßnahmen von Materialentnahmestellen verzichtet werden, Fließgewässer sollten nicht mehr reguliert werden und, am wichtigsten, es muss ein Biotopverbundnetz geschaffen werden, das die vereinzelten Vorkommen der Ringelnatter miteinander verbindet.

Eignung als Indikatorart: Ringelnattern können als Indikator für extensiv genutzte Feuchtgebiete gelten.

Bestimmung: Aufgrund der halbmondartigen, gelben Flecken am Kopf sind Ringelnattern gut zu identifizieren. Allein Jungtiere der Äskulapnatter (Zamenis longissimus) verfügen über eine ähnliche Gelbfärbung, ihr Körper ist jedoch komplett anders gefärbt. Barrenringelnattern besitzen eine feine Fleckung des Körpers, die bei N. natrix deutlich reduziert ist oder komplett fehlt. Es existieren allerdings in der Übergangszone auch intermediäre Exemplare.

Quellen für diese Seite:

Kindler, C.; Chèvre, M.; Ursenbacher, S.; Böhme, W.; Hille, A.; Jablonski, D.; Vamberger, M. & U. Fritz (2017): Hybridization patterns in two contact zones of grass snakes reveal a new Central European snake species. - Nature Scientific Reports 7: 7378 (12 S.).

Kühnel, K.-D.; Geiger, A.; Laufer, H.; Podloucky, R. & M. Schlüpmann (2009): Rote Liste und Gesamtartenliste der Lurche (Amphibia) und Kriechtiere (Reptilia) Deutschlands [Stand Dezember 2008]. In: Haupt, H.; Ludwig, G.; Gruttke, H.; Binot-Hafke, M.; Otto, C. & A. Pauly (Red.) (2009): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 1: Wirbeltiere. Bundesamt für Naturschutz: Naturschutz und biologische Vielfalt 70 (1).

Waitzmann, M. & P. Sowig (2007): Ringelnatter - Natrix natrix (Linnaeus, 1758). In: Laufer, H.; Fritz, K. & P. Sowig (Hrsg.): Die Reptilien und Amphibien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag (Stuttgart), 667-686.

 

Jungtier der Ringelnatter (Natrix natrix) aus Oberschwaben (Altusried), September 2007.

 

Jungtier der Barrenringelnatter (Natrix helvetica) am nördlichen Oberrhein (Malsch), Juli 2013.

 

Adulte Ringelnatter unter einem Reptilien-Blech im Albvorland (NSG Schaichtal), Mai 2008.

 

Semiadulte Ringelnatter aus einer Kiesgrube in Oberschwaben (Baltringen), April 2009.

 

Kurz vor der Häutung stehende N. natrix an einem Waldgewässer im Albvorland (NSG Schaichtal), Juli 2008.

 

Totstellreflex der Ringelnatter in Oberschwaben (Baltringen), April 2009.

 

Kiesgrube in Oberschwaben (Baltringen), Lebensraum der Ringelnatter.

 

Weiteres Habitat der Ringelnatter im württembergischen Allgäu (Kißlegg); ein Weiher in einem ehemaligen Torfstichgebiet mit besonnten Gewässerufern.

 

Schematische Verbreitung von Ringelnattern in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise Stand 2020

 

Zamenis longissimus, Coronella austriaca, Vipera berus, Vipera aspis, Anguis fragilis, Zootoca vivipara, Lacerta agilis, Lacerta bilineata, Podarcis muralis, Emys orbicularis                                                

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