Adscita mannii (Südwestdeutsches Grünwidderchen) (Lederer, 1853)

Verbreitung in Deutschland: Die grundsätzlich mediterran verbreitete Art erreicht in Südwestdeutschland ihre nördlichsten Vorkommen und ist hier ausschließlich vom Kaiserstuhl nachgewiesen. Adscita mannii kommt außerdem im benachbarten Elsass vor.

Verbreitung in Baden-Württemberg: Durch Genitaluntersuchung gesicherte Nachweise des Südwestdeutschen Grünwidderchens existieren nur für den Kaiserstuhl. Ein weiterer Nachweis aus den 1950er- Jahren mit Bestätigung durch Genitaluntersuchung liegt im südlichen Tauberland, wo die Art seitdem aber nicht mehr bestätigt werden konnte. Möglicherweise handelte es sich hierbei um einen Fehler beim Etikettieren (Ebert & Lussi 1994). Die jüngsten Nachweise vom Kaiserstuhl stammen aus dem Jahre 2006, sodass die A. mannii hier möglicherweise bereits ausgestorben ist.

Habitatansprüche: In Mitteleuropa werden ausschließlich Kalkmagerrasen besiedelt, die in ihrer Ausprägung Volltrockenrasen entsprechen. Die Vegetation ist entsprechend schütter und mager, die Böden flachgründig. Die Larven leben an derartigen Stellen vor allem an Sonnenröschen-Arten (Helianthemum spp.) (Ebert & Lussi 1994).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Vom Aussterben bedroht (Ebert et al. 2005). Noch im Grundlagenwerk schreiben die Autoren: "Nur so konnte dieses vermutlich einzige Vorkommen in Deutschland und damit gleichzeitig nördlichste des gesamten Verbreitungsgebietes dieser Art vor der Ausrottung bewahrt und nach menschlichem Ermessen jetzt als gesichert bezeichnet werden" (Ebert & Lussi 1994). Nur 25 Jahre später muss festgestellt werden, dass diese Einschätzung wohl falsch war, denn die letzten Nachweise des Südwestdeutschen Widderchens vom Kaiserstuhl liegen bereits 13 Jahre zurück. Vergleicht man die aktuellen Vorkommensorte von A. mannii im westlich angrenzenden Elsass mit dem Kaiserstuhl, fällt auf, dass die Vegetationsstruktur am Kaiserstuhl deutlich wüchsiger und weniger lückig ist. Diese während der letzten Jahrzehnte stattgefundene, schleichende Veränderung aufgrund von geänderter Nutzung und erhöhten atmosphärischen Nährstoffeinträgen könnte zum Verschwinden dieser einzigartigen Art vom Kaiserstuhl und damit aus ganz Deutschland geführt haben.

Eignung als Indikatorart: A. mannii ist ein sehr guter Indikator für sehr magere und lückige Volltrockenrasen.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Ebert, G. & H. G. Lussi (1994): Procridinae. In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 3: Nachtfalter I. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 153-195.

Imbeck-Löffler, P. (2017): Tagfalter und Widderchen der Region Basel. - Reihe "Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel-Landschaft", Band 101, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal, 592 S.

 

Männchen des Südwestdeutschen Widderchens (Adscita mannii) saugend an Kugelblume im Elsass, Mai 2019.

 

Ruhendes Weibchen des Südwestdeutschen Grünwidderchens auf Kleinem Wiesenknopf im Elsass, Mai 2019.

 

Habitat von A. mannii im Elsass; flachgründige und lückige Volltrockenrasen mit schütterer Vegetationsstruktur.

 

Schematische Verbreitung von A. mannii in Baden-Württemberg:

Grauer Bereich: Ehemaliges Vorkommen mit Letztnachweis

Rhagades pruni, Adscita globulariae, Adscita notata, Adscita geryon, Adscita mannii, Adscita statices, Zygaena purpuralis, Zygaena minos, Zygaena fausta, Zygaena carniolica, Zygaena loti, Zygaena osterodensis, Zygaena viciae, Zygaena ephialtes, Zygaena transalpina, Zygaena angelicae, Zygaena filipendulae, Zygaena lonicerae, Zygaena trifolii

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