Zygaena osterodensis (Platterbsen-Widderchen) (Reiss, 1921)

Verbreitung in Deutschland: Zygaena osterodensis ist nur noch in Süddeutschland verbreitet. In Norddeutschland fehlt die Art in weiten Bereichen, so etwa in der Norddeutschen Tiefebene. In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen gilt das Platterbsen-Widderchen als ausgestorben. Aktuelle Nachweise liegen damit nur noch aus Bayern und Baden-Württemberg vor (Reinhardt et al. 2020).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Das Platterbsen-Widderchen ist in Baden-Württemberg stark rückläufig und aus einigen Naturräumen bereits verschwunden. Die besten Populationen bestehen auf der Schwäbischen Alb mitsamt Baar- und Hegaualb. Hierbei dringen die südwestlichsten Populationen teilweise bis in den Südschwarzwald vor. Daneben existierten reliktäre Populationen am Kaiserstuhl und eventuell noch im Tauberland, deren Bestätigung jedoch bereits einige Jahre ausbleibt (Hofmann 1994). Verschollen ist Z. osterodensis aus dem Albvorland (Schönbuch), aus dem Nordschwarzwald und aus dem Kraichgau. Keinerlei Vorkommen sind außerdem aus weiten Bereichen der Oberrheinebene, des Schwarzwaldes, Oberschwabens mit Bodenseebecken und den Keuperwaldbergen bekannt geworden.

Habitatansprüche: Bei Z. osterodensis handelt es sich um eine höchst anspruchsvolle Art lichter Waldbestände und saumreicher, gut strukturierter Waldränder. Ferner werden auch lichte Waldinseln, breite Waldwege und versaumte, waldnahe Halbtrockenrasen besiedelt. Im Übergangsbereich von Offenland zu Wald frisst auch die Raupe an verschiedenen Platterbsen-Arten (Lathyrus vernus, Lathyrus pratensis) (Hofmann 1994). Larvalhabitate finden sich nach Wagner (2006) an der besonnten und eher mageren, nur schwach verfilzten Grenze Lichtung/breiter Wegsaum oder innerhalb der Wälder an lichten Stellen.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet (Ebert et al. 2005). Die Lichtwaldart ist in Baden-Württemberg stark gefährdet, da saumreiche Wälder, Vorwaldstadien, lichte Waldbereiche und Offenstellen im Wald immer seltener werden. Vor allem die aktuell angewandte Hochwaldnutzung führt zu einer dicht schließenden Baumkrone, die kaum noch Licht auf den Waldboden lässt. Die Eutrophierung durch die Luft führt weiterhin dazu, dass die ehemals mageren Saumbereiche von Brennnessel und Brombeere überwachsen werden. Um Z. osterodensis in Baden-Württemberg zu erhalten, muss bereichsweise wieder eine nieder- oder mittelwaldartige Nutzung eingeführt werden. Kahlschläge müssen wieder häufiger und in ausreichend großen Dimensionen (> 1 ha) durchgeführt werden. Anfallendes Kronen- und Astmaterial ist vollständig aus den Flächen zu entfernen. Außerdem sollten unbedingt Aufforstungen von Wiesen und anderen Offenbereichen im Wald unterbleiben. Aufgrund der bundesweiten Gefährdung und Seltenheit von Z. osterodensis hat das Land Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung zum Erhalt der Art.

Eignung als Indikatorart: Z. osterodensis ist ein sehr guter Indikator für Lichwaldbereiche und saumreiche Waldränder.

Bestimmung: Die Art kann mit den beiden anderen Widderchen des Streifentyps (Z. purpuralis und Z. minos) verwechselt werden. Das beste Unterscheidungsmerkmal sind die fadenförmigen, ungekolbten Fühler des Platterbsen-Widderchens. Es ist außerdem deutlich kleiner und zierlicher als die anderen beiden Arten.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Hofmann, A. (1994): Zygaeninae. In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 3: Nachtfalter I. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 196-335.

Reinhardt R., Harpke A., Caspari, S., Dolek, M., Kühn, E., Musche, M., Trusch, R., Wiemers, M. & J. Settele (Hrsg.) (2020): Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands. - Ulmer Verlag (Stuttgart), 428 S.

Wagner, W. (2006): Präimaginalökologie mitteleuropäischer Zygaena-Arten - schwerpunktmäßig untersucht auf Magerrasen der Schwäbischen Alb. - In: Fartmann, T. & G. Hermann (Hrsg.) (2006): Larvalökologie von Tagfaltern und Widderchen in Mitteleuropa. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde. Heft 68 (3/4): 171-196.

 

Platterbsen-Widderchen (Zygaena osterodensis) an einem Waldrand auf der Schwäbischen Alb (Salmendingen), Juli 2009.

 

Das Platterbsen-Widderchen in einem Steinbruch am Albtrauf (Öschingen), Juni 2011.

 

Kopula von Z. osterodensis auf der Schwäbischen Alb (Schopfloch), Juli 2013.

 

Weitere Kopula des Platterbsen-Widderchens im Südschwarzwald (Vöhrenbach), Juni 2020.

 

Fünf Z. osterodensis bei der Nektaraufnahme und Kopula auf der Schwäbischen Alb (Ingstetten), Juni 2020.

 

Z. osterodensis und Z. lonicerae im Größenvergleich auf einer Sturmwurffläche auf der Schwäbischen Alb (Sonnenbühl-Undingen), Juli 2011.

 

Larve des Platterbsen-Widderchens im Südschwarzwald (Vöhrenbach), Mai 2019.

 

Schlupfreife Puppe des Platterbsen-Widderchens im Albvorland (Mössingen-Talheim), Juni 2019.

 

Einblick in das Larvalhabitat von Z. osterodensis im Südschwarzwald (Vöhrenbach), im Vordergrund die sich sonnende Raupe, Mai 2019.

 

Übersicht über das Larvalhabitat von Z. osterodensis im Südschwarzwald (Vöhrenbach), Mai 2019.

 

Habitat von Z. osterodensis im Albvorland (Mössingen-Talheim); als Larvalhabitat dienen sporadisch genutzte Böschungen des ansonsten beweideten Grünlands.

 

Habitat von Z. osterodensis auf der Westalb (Mahlstetten).

 

Ehemaliger Steinbruch am Albtrauf bei Öschingen, hier fliegt auch Z. osterodensis.

 

Weiteres Habitat des Platterbsen-Widderchen auf der Schwäbischen Alb (Pfronstetten); Waldrandbereiche, die aus Verkehrssicherungsgründen auf den Stock gesetzt wurden.

 

Habitat von Z. osterodensis auf der Schwäbischen Alb (Sonnenbühl-Undingen): Lichte Sturmwurfflächen mit breiten Waldwegschneisen.

 

Schematische Verbreitung von Z. osterodensis in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Ehemalige Vorkommen (letztes Nachweisdatum)

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise Stand 2022

Rhagades pruni, Jordanita globulariae, Jordanita notata, Adscita geryon, Adscita mannii, Adscita statices, Zygaena purpuralis, Zygaena minos, Zygaena fausta, Zygaena carniolica, Zygaena loti, Zygaena osterodensis, Zygaena viciae, Zygaena ephialtes, Zygaena transalpina, Zygaena angelicae, Zygaena filipendulae, Zygaena lonicerae, Zygaena trifolii

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