Zygaena osterodensis (Platterbsen-Widderchen) (Reiss, 1921)

 

Verbreitung in Deutschland: Zygaena osterodensis ist primär in Süddeutschland verbreitet. In Norddeutschland fehlt die Art in weiten Bereichen, so etwa in der Norddeutschen Tiefebene.

Verbreitung in Baden-Württemberg: Das Platterbsen-Widderchen ist in Baden-Württemberg stark rückläufig und aus einigen Naturräumen bereits verschwunden. Die besten Populationen bestehen auf der Schwäbischen Alb mitsamt Baar- und Hegaualb. Daneben existieren eher reliktäre Populationen am Kaiserstuhl und im Tauberland (Hofmann 1994). Verschollen ist Z. osterodensis aus dem Albvorland (Schönbuch), aus dem Nordschwarzwald und aus dem Kraichgau. Keinerlei Vorkommen sind außerdem aus weiten Bereichen der Oberrheinebene, des Schwarzwaldes, Oberschwabens mit Bodenseebecken und den Keuperwaldbergen bekannt.

Habitatansprüche: Bei Z. osterodensis handelt es sich um eine höchst anspruchsvolle Art lichter Waldbestände und saumreicher, gut strukturierter Waldränder. Ferner werden auch lichte Waldinseln, breite Waldwege und versaumte, waldnahe Halbtrockenrasen besiedelt. Im Übergangsbereich von Offenland zu Wald frisst auch die Raupe an verschiedenen Platterbsen-Arten (Lathyrus vernus, Lathyrus pratensis) (Hofmann 1994). Larvalhabitate finden sich nach Wagner (2006) an der besonnten und eher mageren, nur schwach verfilzten Grenze Lichtung/breiter Wegsaum oder innerhalb der Wälder an lichten Stellen.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet (Ebert et al. 2005). Die Lichtwaldart ist in Baden-Württemberg stark gefährdet, da saumreiche Wälder, Vorwaldstadien, lichte Waldbereiche und Offenstellen im Wald immer seltener werden. Vor allem die aktuell angewandte Hochwaldnutzung führt zu einer dicht schließenden Baumkrone, die kaum noch Licht auf den Waldboden lässt. Die Eutrophierung durch die Luft führt weiterhin dazu, dass die ehemals mageren Saumbereiche von Brennnessel und Brombeere überwachsen werden. Um Z. osterodensis in Baden-Württemberg zu erhalten, müsste bereichsweise wieder eine nieder- oder mittelwaldartige Nutzung eingeführt werden. Kahlschläge sollten wieder häufiger durchgeführt und die Genehmigungspflicht gelockert werden. Außerdem sollten unbedingt Aufforstungen von Wiesen und anderen Offenbereichen im Wald unterbleiben. Aufgrund der bundesweiten Gefährdung und Seltenheit von Z. osterodensis hat das Land Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung zum Erhalt der Art.

Eignung als Indikatorart: Z. osterodensis ist ein sehr guter Indikator für Lichwaldbereiche und saumreiche Waldränder.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Hofmann, A. (1994): Zygaeninae. In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 3: Nachtfalter I. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 196-335.

Wagner, W. (2006): Präimaginalökologie mitteleuropäischer Zygaena-Arten - schwerpunktmäßig untersucht auf Magerrasen der Schwäbischen Alb. - In: Fartmann, T. & G. Hermann (Hrsg.) (2006): Larvalökologie von Tagfaltern und Widderchen in Mitteleuropa. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde. Heft 68 (3/4): 171-196.

 

 

Zygaena osterodensis an einem Waldrand auf der Schwäbischen Alb (Salmendingen), Juli 2009.

 

 

Das Platterbsen-Widderchen in einem Steinbruch am Albtrauf (Öschingen), Juni 2011.

 

 

Kopula von Z. osterodensis auf der Schwäbischen Alb (Schopfloch), Juli 2013.

 

 

Z. osterodensis und Z. lonicerae im Größenvergleich auf einer Sturmwurffläche auf der Schwäbischen Alb (Sonnenbühl-Undingen), Juli 2011.

 

 

Habitat von Z. osterodensis auf der Westalb (Mahlstetten).

 

 

Ehemaliger Steinbruch am Albtrauf bei Öschingen, hier fliegt auch Z. osterodensis.

 

 

Habitat von Z. osterodensis auf der Schwäbischen Alb (Sonnenbühl-Undingen): Lichte Sturmwurfflächen mit breiten Waldwegschneisen.

 

 

Schematische Verbreitung von Z. osterodensis in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Ehemalige Vorkommen (letztes Nachweisdatum)

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Zygaena minos, Zygaena purpuralis

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