Carcharodus flocciferus (Heilziest-Dickkopffalter) (Zeller, 1847)

 

Verbreitung in Deutschland: Carcharodus flocciferus ist heutzutage nur noch in Bayern und Baden-Württemberg anzutreffen. Früher war die Art nachweislich auch lokal in Rheinland-Pfalz und in Hessen verbreitet, ist dort jedoch bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erloschen (Albrecht 2003, Ebert & Rennwald 1991b, Settele et al. 2005). In Bayern existieren aktuell drei räumlich voneinander getrennte Vorkommensgebiete im Chiemsee-Gebiet, im Ammer-Loisach-Land und im sich in Baden-Württemberg fortsetzenden Westallgäuer Hügelland (Albrecht & Kraus 2013). Bundesweit gilt die Art aktuell als stark gefährdet (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Heilziest-Dickkopffalter ist in der heutigen Zeit in Baden-Württemberg auf ein kleines Vorkommensgebiet im Westallgäuer Hügelland beschränkt. Die ehemaligen Nachweise im nördlichen Oberschwaben (NSG Osterried, Donautal) bedürfen ebenso der Bestätigung wie die Vorkommen am Bodensee. Aufgrund der schwierigen Nachweisbarkeit der Art darf die Hoffnung auf Wiedernachweise in diesen Regionen noch nicht komplett aufgegeben werden, es ist allerdings äußerst unwahrscheinlich. Darüber hinaus existieren eher zweifelhafte Nachweise von der Schwäbischen Alb, aus dem Albvorland und aus der nördlichen Oberrheinebene (Ebert & Rennwald 1991b).

Habitatansprüche: C. flocciferus besiedelt wechseltrockene Streuwiesen mit guten Beständen der Wirtspflanze Heilziest (Betonica officinalis). Sehr wichtig sind in den Habitaten gut besonnte, kurzrasige und lückige Stellen, die zur Eiablage genutzt werden und für die Reproduktion der Art unerlässlich sind. Nicht genutzt werden dagegen stark verkrautete und eingewachsene Bestände des Heilziests (Albrecht et al. 1999, Albrecht & Kraus 2013).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Vom Aussterben bedroht (Ebert et al. 2005). Der Heilziest-Dickkopffalter ist in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht. Die besiedelten Habitate, in der Regel einschürig genutzte Streuwiesen, verlieren durch eine Reihe von Faktoren wie Nutzungsaufgabe, Eutrophierung, falsche Mahdzeitpunkte oder Entwässerung ihren kurzrasigen und lückigen Charakter. Die Wirtspflanzen wachsen ein und sind dadurch für die Larvalentwicklung der Art uninteressant. Zum Erhalt dieses sehr speziellen Lebensraums und damit auch des Heilziest-Dickkopffalter muss die einschürige Streumahd aufrecht erhalten werden und bei Anzeichen der Verschlechterung (zunehmende Verschilfung und Verkrautung) eine partielle Sommermahd vorgenommen werden, um der Fläche Nährstoffe zu entziehen und dem Heilziest wieder bessere Wuchsbedingungen zu bieten.

Eignung als Indikatorart: C. flocciferus ist ein sehr guter Indikator für wechseltrockene, kurzrasige und extrem magere Streuwiesen mit guten Heilziest-Beständen.

Quellen für diese Seite:

Albrecht, M. (2003): Zum ehemaligen Vorkommen des Heilziest-Dickkopffalters (Carcharodus floccifera Zeller, 1847) im Rhein-Main-Gebiet (Lepidoptera, Hesperiidae).  - Nachrichten des entomologischen Vereins Apollo N.F. 24 (4): 215-220.

Albrecht, M. & W. Kraus (2013): Heilziest-Dickkopffalter - Carcharodus flocciferus (Zeller, 1847). In: Bräu, M., Bolz, R., Kolbeck, H., Nunner, A., Voith, J. & W. Wolf (Hrsg.): Tagfalter in Bayern. - Ulmer-Verlag (Stuttgart), 72-74.

Albrecht, M., Treiber, R. & M. Goldschalt (1999): Der Heilziest-Dickkopffalter (Carcharodus floccifera Zeller, 1847) (Lepidoptera, Hesperiidae). Morphologie, Verbreitung, Ökologie, Biologie, Verhalten, Lebenszyklus, Gefährdung und Schutz einer interessanten Tagfalterart. - Nachrichten des entomologischen Vereins Apollo, N.F., Supplementum 18: 1-256.

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991b): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2, Tagfalter 2. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 535 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

 

Weibchen des Heilziest-Dickkopffalter (Carcharodus flocciferus) im Westallgäuer Hügelland, Juli 2013.

 

 

Weiterer Heilziest-Dickkopffalter, gut erkennbar sind die auffälligen weißen Flecken auf der Hinterflügel-Oberseite im Westallgäuer Hügelland, Juli 2013.

 

 

Balz des Heilziest-Dickkopffalters im Westallgäuer Hügelland, Juni 2015.

 

 

Eier des Heilziest-Dickkopffalters in die Mittelrippe eines bodennahen Grundblattes abgelegt, Oberschwaben (Neukirch), Juni 2015.

 

 

Weitere mit Eiern belegte Grundblätter, Oberschwaben (Neukirch), Juni 2015.

 

 

Überwinterte Raupe des Heilziest-Dickkopffalters in der leicht geöffneten Blatttüte, Grenzgebiet Bayern/Baden-Württemberg, April 2014.

 

 

Charakteristische geschlossene Blatttüte von C. flocciferus, Grenzgebiet Bayern/Baden-Württemberg, April 2014.

 

 

Belegte Pflanze von Betonia officinalis mit typischem rundlichem Blattfraß und Blatttüte, Grenzgebiet Bayern/Baden-Württemberg, April 2014.

 

 

Übersichtsaufnahme der Struktur des Larvalhabitats von C. flocciferus, offen, in lückiger Vegetation und über Rohboden stehende Pflanzen des Heilziests.

 

 

Mirkohabitat an der Larvenfundstelle, lückige Krautschicht mit Offenbodenstellen, Grenzgebiet Bayern/Baden-Württemberg.

 

 

Besiedeltes Habitat im Westallgäuer Hügelland, eine magere und schwachwüchsige Streuwiese mit guten Heilziest-Beständen.

 

 

Weiteres Habitat von C. flocciferus im bayerisch-baden-württembergischen Grenzgebiet.

 

 

Detailblick ins Habitat des Heilziest-Dickkopffalter, lückige, schwachwüchsige Vegetationsstrukturen mit freistehenden Ziest-Beständen.

 

 

Schematische Verbreitung von C. flocciferus in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Ehemalige Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Carcharodus alceae                                                   

Übersicht