Pyrgus alveus (Sonnenröschen-Würfel-Dickkopffalter) (Hübner, 1803)

 

Verbreitung in Deutschland: Pyrgus alveus ist vor allem im südlichen Deutschland (Bayern und Baden-Württemberg) verbreitet. Aus zahlreichen nördlicheren Bundesländern ist die Art sporadisch nachgewiesen, so gilt sie in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz als vom Aussterben bedroht (Settele et al. 2005). Bundesweit gilt die Art aktuell als stark gefährdet (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der genaue Artstatus von P. alveus ist auch heute noch sehr umstritten. Es gilt als wahrscheinlich, dass das ehemalige Taxon Pyrgus trebevicensis als auch das noch valide Taxon Pyrgus accretus jeweils zu P. alveus gerechnet werden müssen (Wagner 2005). P. trebevicensis wird häufig Unterartstatus zugesprochen. Folgt man dieser Auffassung, so ist P. a. alveus vornehmlich auf der Schwäbischen Alb verbreitet, während sich P. a. trebevicensis im Baar-Wutach-Gebiet anschließt. P. accretus kommt am Kaiserstuhl vor. Ehemals war P. alveus auch in den Oberen Gäuen (z.B. Heckengäu) verbreitet, hier gilt er als ausgestorben (Ebert & Rennwald 1991b).

Habitatansprüche: Der Sonnenröschen-Würfel-Dickkopffalter benötigt kurzrasige, lückige und xerotherme Halbtrockenrasen mit reichlich Offenbodenstellen. Hier frisst die Raupe an Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) (Ebert & Rennwald 1991b). Larvalhabitate sind meist magere Flächen mit vielen Sonnenröschen, besonders in südlicher Exposition. Im Vergleich mit dem Spätsommer-Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus cirsii) und dem Schwarzbraunen Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus serratulae) ist P. alveus weit weniger anspruchsvoll, was Exposition und Xerothermie der Habitate anbelangt (Wagner 2006).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet (Ebert et al. 2005). P. alveus ist zwar auf der Schwäbischen Alb noch weit verbreitet und an geeigneten Standorten hin und wieder anzutreffen, jedoch ist auch diese Art durch Extensivierung bzw. Aufgabe der Beweidung stark gefährdet. Die aktuell noch weite Verbreitung hängt mit den im Vergleich zu P. cirsii oder P. serratulae etwas geringeren Ansprüchen bezüglich der Offen- und Lückigheit der Habitate zusammen (Wagner 2005). Trotzdem wird auch diese Art verschwinden, wenn die Wanderschäferei aufgegeben wird. Hierdurch sollten die Halbtrockenrasen kurzrasig und offen gehalten werden. Für P. alveus wird eine frühe Beweidung Anfang Mai und eine intensive Beweidung ab August empfohlen (Wagner 2006).

Eignung als Indikatorart: P. alveus ist ein sehr guter Indikator für lückige, offene Halbtrockenrasen.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991b): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2, Tagfalter 2. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 535 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

Wagner, W. (2005): Neue Erkenntnisse zur Ökologie der Dickkopffalter der Gattung Pyrgus in Baden-Württemberg. In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 48-66.

Wagner, W. (2006): Die Gattung Pyrgus in Mitteleuropa und ihre Ökologie - Larvalhabitate, Nährpflanzen und Entwicklungszyklus. - In: Fartmann, T. & G. Hermann (2006): Larvalökologie von Tagfaltern und Widderchen in Mitteleuropa. - Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde. Heft 68 (3/4): 83-122.

 

 

Pyrgus alveus (trebevicensis) aus dem Baar-Wutach-Gebiet (Löffingen), Juni 2010.

 

 

Weiterer frischer P. alveus auf einer Wacholderheide auf der Schwäbischen Alb (Ingstetten), Juni 2016.

 

 

Flügelunterseite von P. alveus von der Schwäbischen Alb (Albstadt-Ebingen), Juli 2010.

 

 

Habitat von P. alveus auf der Schwäbischen Alb (Oberstetten), lückige und felsige Halbtrockenrasen.

 

 

Weiteres Habitat von der Schwäbischen Alb (Albstadt-Ebingen), bereichsweise verfilzter, bereichsweise offener Halbtrockenrasen.

 

 

Weiteres Habitat im Baar-Wutach-Gebiet (Löffingen), ein recht niedrigwüchsiger Halbtrockenrasen.

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Schematische Verbreitung von P. alveus in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Ehemalige Vorkommen (letztes Nachweisdatum)

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Spialia sertorius, Pyrgus armoricanus                                                   

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