Thymelicus sylvestris (Braunkolbiger Braun-Dickkopffalter) (Poda, 1761)

Verbreitung in Deutschland: Thymelicus sylvestris ist in ganz Deutschland verbreitet und wird mit Ausnahme der Stadtstaaten und Baden-Württembergs noch nicht auf den landesweiten Roten Listen geführt (Settele et al. 2025). Größere Verbreitungslücken existieren in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und im nördlichen Nordrhein-Westfalen (Reinhardt et al. 2020). Bundesweit gilt die Art aktuell als ungefährdet, wobei der kurzfristige Bestandstrend deutlich negativ ist (Musche et al. 2025).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Braunkolbige Braun-Dickkopffalter war in Baden-Württemberg ohne größere Verbreitungslücken flächendeckend anzutreffen und in der Regel häufig (Ebert & Rennwald 1991b). Dies hat sich jedoch während der vergangenen Jahre deutlich geändert, sodass die Art regional (z. B. Kraichgau, Neckarbecken, Oberrheinebene) selten geworden ist.

Habitatansprüche: T. sylvestris besiedelt im Gegensatz zum Schwarzkolbigen Braun-Dickkopffalter (Thymelicus lineolus) eher feuchtere Habitate, die ebenfalls saumreich sind. Dies können Brachen und Wiesen am Waldrand, Schneisen und Wegränder, aber auch lichte Wälder sein. In vielen Fällen kommen aber beide Arten gemeinsam vor. Die Raupen fressen ebenfalls an verschiedenen Grasarten (Ebert & Rennwald 1991b).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Gefährdet (Steiner & Trusch 2025). Die Gefährdungsursachen sind dieselben wie bei der Schwesterart: Flächendeckende Sukzessions- und Eutrophierungsprozesse in den ehemals mageren Rand- und Böschungsbereichen führen zur Gefährdung dieser einst häufigen Art. Dieser Entwicklung kann durch Wiederaufnahme der Nutzung auf derartigen Standorten entgegengewirkt werden. Gehölze müssen entfernt und nährstoffreiche Bereiche ausgehagert werden. Im Übergangsbereich zu intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen können Niederhecken als Schutz vor Eintrag von Nährstoffen und Pestiziden wirken..

Eignung als Indikatorart: Aufgrund seiner Häufigkeit kann T. sylvestris nicht als Indikatorart dienen.

Bestimmung: Die einzige Möglichkeit zur sicheren Unterscheidung vom Schwarzkolbigen Braun-Dickkopffalter ist die braun gefärbte Unterseite der Fühlerkolben.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991b): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2, Tagfalter 2. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 535 S.

Musche, M., Albrecht, M., Becker, J., Bittermann, J., Blanckenhagen, B. von, Böck, O., Caspari, A., Caspari, S., Dolek, M., Harpke, A., Hermann, G., Joger, H. G., Kolligs, D., Lange, A., Müller, D., Nunner, A., Pollrich, S., Reinelt, T., Rennwald, E., Schmitz, O., Schönborn, C., Schulze, W., Schurian, K., Strätling, R., Wachlin, V. & M. Wiemers (2025): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter und Widderchen (Lepidoptera: Papilionoidea et Zygaenidae) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (11): 94 S.

Reinhardt R., Harpke A., Caspari, S., Dolek, M., Kühn, E., Musche, M., Trusch, R., Wiemers, M. & J. Settele (Hrsg.) (2020): Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands. - Ulmer Verlag (Stuttgart), 428 S.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R., Feldmann, R., Hermann, G., Musche, M., Kühn, E. & G. Brehm (2025): Schmetterlinge - Die Tagfalter und Widderchen Deutschlands.  - Ulmer Verlag (Stuttgart), 288 S.

Steiner, A. & R. Trusch (2025): Rote Liste und Verzeichnis der Schmetterlinge Baden-Württembergs. – 4. Fassung, Stand 31.12.2023. – Naturschutz-Praxis Artenschutz 18, Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, Karlsruhe, 156 S.

 

Braunkolbiger Braun-Dickkopffalter (Thymelicus sylvestris) auf einer Erddeponie im Albvorland (Dettenhausen), Juli 2008.

 

Frontalansicht von T. sylvestris in den Oberen Gäuen (Magstadt), gut sichtbar sind die hellbraunen Fühlerkolben.

 

Kopula des Braunkolbigen Braun-Dickopffalters auf einer Sturmwurffläche im Schönbuch (Bebenhausen), Juli 2017.

 

Charakteristisches Habitat von T. sylvestris im Albvorland (Schönbuch), in Sukzession begriffene Sturmwurfflächen.

 

Ruderalisierte Brache auf einem Steinbruchgelände in den Oberen Gäuen (Magstadt), Habitat des Braunkolbigen Braun-Dickkopffalters.

 

Schematische Verbreitung von T. sylvestris in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise Stand 2022

Thymelicus acteon, Thymelicus lineolus, Thymelicus sylvestris, Ochlodes sylvanus, Hesperia comma, Carterocephalus palaemon, Spialia sertorius, Pyrgus alveus, Pyrgus armoricanus, Pyrgus cirsii, Pyrgus carthami, Pyrgus malvae, Pyrgus onopordi, Pyrgus serratulae, Erynnis tages, Carcharodus alceae, Carcharodus flocciferus                                                  

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