Pyrgus serratulae (Schwarzbrauner Würfel-Dickkopffalter) (Rambur, 1840)

 

Verbreitung in Deutschland: Pyrgus serratulae ist in Deutschland bis etwa zur Mitte verbreitet. Die nördlichen Populationen sind jedoch alle entweder ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Etwas besser ist die Situation im südlichen Deutschland, wo die Art in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg stark gefährdet und in Bayern gefährdet ist (Settele et al. 2005). Bundesweit gilt die Art aktuell als stark gefährdet (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Schwarzbraune Würfel-Dickkopffalter ist wahrscheinlich nur noch auf der Schwäbischen Alb anzutreffen. Mit Sicherheit kam die Art ehemals auch in den Oberen Gäuen vor, möglicherweise auch am Kaiserstuhl und im Kraichgau (Ebert & Rennwald 1991b). Auf der Schwäbischen Alb liegen die Verbreitungsschwerpunkte auf der östlichen und mittleren Albhochfläche, während von der Südwestalb nur wenige Nachweise bekannt geworden sind. Die Art kommt dafür wieder weiter westlich auf der Baar vor.

Habitatansprüche: P. serratulae benötigt lückig bewachsene, trockene Halbtrockenrasen in montaner Lage. Offenbar hat die Art neben einem hohen Wärmeanspruch bezüglich des Mikroklimas der Larvalhabitate auch einen recht großen Flächenanspruch. Die Raupe lebt an Fingerkraut-Arten (Potentilla spp.), die über lückigem Offenboden und in niedrigwüchsiger Vegetation stehen (Wagner 2005). Im Vergleich mit dem Spätsommer-Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus cirsii) sind die Bestände etwas weniger xerotherm. Allerdings werden ebenfalls nur frei wachsende, nicht zu sehr von höherwüchsigen Arten durchsetzte Potentilla-Pflanzen, die meist direkt der an solchen Stellen gut entwickelten Moosschicht aufliegen, belegt (Wagner 2006).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet (Ebert et al. 2005). In der Seltenheit steht diese Art zwischen P. cirsii und P. alveus. Allerdings sind die Rückgangstendenzen der letzten Jahre alarmierend, sodass möglicherweise auch die Alb-Populationen ihre Metapopulationsstrukturen aufgeben müssen. Dieser Rückgang ist bedingt durch nachlassende Schafbeweidung und damit einhergehender Verfilzung und Sukzession. Hierdurch gehen die mikroklimatisch günstigen Larvalhabitate verloren. Zum Schutz der Art müssen zahlreiche Halbtrockenrasen der Alb wieder intensiv und scharf beweidet werden, um die benötigte Vegetationsstruktur zu schaffen (Wagner 2005). Vorgeschlagen werden eine intensivere Beweidung ab August und eine frühe Beweidung in der zweiten Aprilhälfte. Möglichst nicht beweidet werden sollte ab Anfang Mai bis Ende Juni, nur extensiv sollte im Juli beweidet werden (Wagner 2006).

Eignung als Indikatorart: P. serratulae ist ein sehr guter Indikator für lückige, felsige und kurzrasige Halbtrockenrasen.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991b): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2, Tagfalter 2. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 535 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

Wagner, W. (2005): Neue Erkenntnisse zur Ökologie der Dickkopffalter der Gattung Pyrgus in Baden-Württemberg. In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 48-66.

Wagner, W. (2006): Die Gattung Pyrgus in Mitteleuropa und ihre Ökologie - Larvalhabitate, Nährpflanzen und Entwicklungszyklus. - In: Fartmann, T. & G. Hermann (2006): Larvalökologie von Tagfaltern und Widderchen in Mitteleuropa. - Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde. Heft 68 (3/4): 83-122.

 

 

Frisch geschlüpfter Pyrgus serratulae auf einem Halbtrockenrasen auf der Schwäbischen Alb (Oberstetten), Juni 2009.

 

 

Weiterer Schwarzbrauner Würfel-Dickkopffalter auf einem Halbtrockenrasen auf der Schwäbischen Alb (Ödenwaldstetten), Juni 2016.

 

 

Flügelunterseite von P. serratulae auf einem Halbtrockenrasen auf der Schwäbischen Alb (Ödenwaldstetten), Juni 2016.

 

 

Habitat des Schwarzbraunen Würfel-Dickkopffalters auf der Schwäbischen Alb (Oberstetten), eine Wacholderheide mit kleinflächigen Offenbodenbereichen.

 

 

Weiteres Habitat von P. serratulae auf der Schwäbischen Alb (Ödenwaldstetten), ein relativ kurzrasiger und blütenreicher Halbtrockenrasen.

 

 

Schematische Verbreitung von P. serratulae in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Ehemalige Vorkommen (letztes Nachweisdatum)

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Pyrgus malvae, Pyrgus onopordi, Erynnis tages                                                   

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