Alytes obstetricans (Geburtshelferkröte) (Laurenti, 1768)

 

Verbreitung in Deutschland: Alytes obstetricans ist vor allem im westlichen Deutschland verbreitet und erreicht hier ihre östliche Verbreitungsgrenze. Gut besiedelt sind das südliche Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz. Weiter östlich werden noch Thüringen und Bayern angeschnitten.

Verbreitung in Baden-Württemberg: Die Geburtshelferkröte ist in Baden-Württemberg im Südschwarzwald, in der Vorbergzone des Schwarzwaldes um Freiburg, in der südlichen Oberrheinebene, im Hochrhein-Gebiet und vereinzelt im Baar-Wutach-Gebiet verbreitet. Zusätzlich existiert am Märchensee bei Wendelsheim (Albvorland) ein im Jahre 1928 angesiedeltes Vorkommen.

Habitatansprüche: Als Primärgewässer nutzte A. obstetricans ehemals wohl die mit rohbodenreichen Steilufern ausgestatteten Bergbäche im südlichen Schwarzwald, wo die Art früher auch weit verbreitet war. Heutzutage kommt die Art, neben den typischen Sekundärgewässern Steinbruch und Kiesgrube, in strukturreichen, kleinbäuerlich genutzten Landschaften vor. Hier dient ein Mosaik aus extensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen mit Rohbodenflächen, Stein- und Sandhaufen sowie Lesesteinmauern als Landlebensraum während häufig fischfreie Feuerlöschteiche als Reproduktionsgewässer genutzt werden. Dieser im südlichen Schwarzwald ehemals weit verbreitete Lebensraumtyp ist allerdings in der heutigen Zeit stark rückläufig.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet. Die Geburtshelferkröte muss aktuell wohl als die in Baden-Württemberg am stärksten gefährdetet Krötenart gesehen werden. Vor allem der Verlust der kleinbäuerlichen Strukturen, die zahlreiche gut besonnte Tagesverstecke und gleichzeitig Reproduktionsgewässer boten, ist für diese Art tragisch. Häufig werden die Höfe frisch gepflastert oder betoniert, Sand- und Steinhaufen sowie weitere gute Versteckmöglichkeiten werden aus übertriebenem Ordnungssinn entfernt und die Teiche verfüllt, mit Fischen besetzt oder der Sukzession überlassen. Dies führt zum Abbruch der Verbindungen der einzelnen Populationen, sodass die Art nur noch in örtlich isolierten Kleinpopulationen überleben kann. Zum Schutz der Art sollte gebietsweise eine traditionelle, kleinbäuerliche Bewirtschaftungsweise beibehalten werden, auch müssen besiedelte Kiesgruben und Steinbrüche offen und frei von Sukzession gehalten werden. Auf Fischbesatz muss verzichtet werden.

Eignung als Indikatorart: A. obstetricans kann als Indikator einerseits sehr naturnaher Bäche und kleinbäuerlicher Strukturen andererseits genutzt werden.

 

 

Weibliche Alytes obstetricans in einem naturnahe gestalteten Garten in der Vorbergzone (Freiamt), April 2011.

 

 

Männliche Geburtshelferkröte in Rufposition an einer Löss-Böschung in der Vorbergzone (Freiamt), April 2011.

 

 

Weiteres Männchen der Geburtshelferkröte am angesiedelten Vorkommen im Albvorland (Wendelsheim), April 2011.

 

 

Lebensraum und Reproduktionsgewässer der Geburtshelferkröte in der Vorbergzone (Freiamt).

 

 

Typischer Rufplatz und auch Tagesversteck von A. obstetricans am besonnten Waldrand im Albvorland (Wendelsheim).

 

 

Für die Geburtshelferkröte extrem wertvolle Strukturen wie hier Steinhaufen im Albvorland (Wendelsheim).

 

 

Weiterer Rufplatz und Tagesversteck im Albvorland (Wendelsheim), ein Sandhaufen.

 

 

Weiterer Rufplatz der Geburtshelferkröte im Albvorland (Wendelsheim), diesmal an einer rohbodenreichen Böschung im lichten Waldbereich.

 

 

Selbst gegrabene Höhle im Sandhaufen als Tagesversteck der Geburtshelferkröte im Albvorland (Wendelsheim).

 

 

Laichgewässer von A. obstetricans im ehemaligen Steinbruch am Märchensee im Albvorland (Wendelsheim).

 

 

Weiteres Laichgewässer im ehemaligen Steinbruch im Albvorland (Wendelsheim).

 

 

Schematische Verbreitung von A. obstetricans in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

 

Bombina variegata                                                      

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