Pelophylax lessonae (Kleiner Wasserfrosch) (Camerano, 1882)

Verbreitung in Deutschland: Pelophylax lessonae ist in Deutschland vor allem in den tieferen und wärmeren Lagen verbreitet und fehlt in Schleswig-Holstein und weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns (Sowig et al. 2007). Schwerpunkte der Verbreitung finden sich in Brandenburg, in Sachsen und Thüringen sowie in Nordrhein-Westfalen. Auch im Süden Deutschlands (z. B. bayerisches Alpenvorland) ist die Art weit verbreitet. Größere Verbreitungslücken existieren dagegen offenbar in Niedersachsen, in Hessen, in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Aufgrund der Schwierigkeiten bei der Abgrenzung vom Teichfrosch (Pelophylax esculentus) sind diese Angaben allerdings mit Unsicherheiten behaftet (Online). Bundesweit ist eine Gefährdung für den Wasserfrosch anzunehmen (Kühnel et al. 2009).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Kleine Wasserfrosch ist, soweit bekannt, zerstreut in Baden-Württemberg verbreitet mit eindeutigen Schwerpunkten in der Oberrheinebene und in Oberschwaben mit württembergischem Allgäu. Aber beispielsweise auch aus dem Kraichgau, aus dem Neckarbecken und von der Baar existieren Nachweise. Komplett zu fehlen scheint die Art in den Hochlagen des Schwarzwaldes (Sowig et al. 2007).

Habitatansprüche: Bezüglich der Reproduktionsgewässer ist P. lessonae deutlich anspruchsvoller als P. esculentus. Bevorzugt werden gut besonnte, vegetations- und strukturreiche Tümpel und Weiher. Dies sind am Oberrhein Tümpel, Schluten und kleine Altwässer, in Oberschwaben Flach- und Übergangsmoore und auf der Schwäbischen Alb Hülben. Außerdem werden auch gerne Kleingewässer in Abbaugebieten besiedelt (Sowig et al. 2007). Im württembergischen Allgäu ist der Kleine Wasserfrosch an bewirtschafteten Weihern, die regelmäßig gewintert werden, der häufigste Grünfrosch. Die Art scheint hier auch gut mit Fischbesatz zurecht zu kommen.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Datenlage defizitär. Wie bereits beim Teichfrosch erwähnt, ist aufgrund der schwierigen eindeutigen Identifizierbarkeit des Kleinen Wasserfroschs eine Einstufung in die Rote Liste bisher nicht erfolgt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Art aufgrund ihrer höheren Habitatansprüche deutlich gefährdeter ist als P. esculentus. Allerdings liegen zahlreiche der bekannten Vorkommen in geschützten und gepflegten Gebieten (Sowig et al. 2007). Als FFH-Art des Anhangs IV der FFH-Richtlinie genießt der Kleine Wasserfrosch europäischen Schutz.

Eignung als Indikatorart: Pelophylax lessonae kann als Indikator gut besonnter, vegetationsreicher kleinerer Stillgewässer angesehen werden.

Bestimmung: Die drei Grünfroscharten sind recht schwer voneinander zu unterscheiden. Am besten lässt sich noch der Seefrosch aufgrund seiner Größe, seines kleinen Fersenhöckers und der dunklen Schallblase der Männchen abtrennen. Große Exemplare des Teichfroschs können an den Seefrosch heranreichen, besitzen aber einen größeren Fersenhöcker. Der Kleine Wasserfrosch besitzt den im Verhältnis größten Fersenhöcker, dazu eine meist rein weiße Kehle, zitronengelbe Färbungen um Hüfte und Kopf sowie eine deutlich geringere Adultgröße. Laich und Larven der drei Arten sind kaum voneinander zu unterscheiden. Die Larven sind jedoch aufgrund ihrer Größe und ihrer golden bis kupferrot glänzenden Bauchseite gut von anderen Amphibienlarven zu unterscheiden.

Quellen für diese Seite:

Kühnel, K.-D.; Geiger, A.; Laufer, H.; Podloucky, R. & M. Schlüpmann (2009): Rote Liste und Gesamtartenliste der Lurche (Amphibia) und Kriechtiere (Reptilia) Deutschlands [Stand Dezember 2008]. In: Haupt, H.; Ludwig, G.; Gruttke, H.; Binot-Hafke, M.; Otto, C. & A. Pauly (Red.) (2009): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 1: Wirbeltiere. Bundesamt für Naturschutz: Naturschutz und biologische Vielfalt 70 (1).

Sowig, P.; Plötner, J. & K. Fritz (2007): Kleiner Wasserfrosch - Rana lessonae (Camerano, 1882). In: Laufer, H.; Fritz, K. & P. Sowig (Hrsg.): Die Reptilien und Amphibien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag (Stuttgart), 477-486.

Ruf

 

Kleiner Wasserfrosch (Pelophylax lessonae) an einem Moorgewässer in Oberschwaben (NSG Blinder See), charakteristisch sind die geringe Größe, eine reduzierte schwarze Fleckung bei grasgrüner Rückenfarbe und häufig eine Gelbfärbung am Kopf, Juni 2013.

 

Weiterer Kleiner Wasserfrosch aus dem Albvorland (Ammerbuch), April 2012.

 

Charakteristisch gefärbtes Männchen des Kleinen Wasserfroschs in einem Stillgewässer im württembergischen Allgäu (Ratzenried), Mai 2017.

 

Laich des Kleinen Wasserfroschs im württembergischen Allgäu (NSG Blauensee), Mai 2019.

 

Habitat von P. lessonae in Oberschwaben (NSG Blinder See), ein oligotrophes Moorgewässer.

 

Weiteres Reproduktionsgewässer des Kleinen Wasserfroschs in Oberschwaben (NSG Osterried), ehemaliger kleiner Torfstich.

 

Dieses Gewässer in Oberschwaben (NSG Pfrunger-Burgweiler Ried) beherbergt eine große Population von P. lessonae.

 

Reproduktionsgewässer einer individuenreichen Population von P. lessonae im württembergischen Allgäu (Ratzenried).

 

Gut besonntes, fischfreies Moorgewässer im württembergischen Allgäu (NSG Sigrazhofer Ried) mit großer Population des Kleinen Wasserfrosches.

 

Schematische Verbreitung von P. lessonae in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Verbreitungslücke

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise Stand 2020

 

Salamandra atra, Salamandra salamandra, Ichthyosaura alpestris, Triturus cristatus, Lissotriton helveticus, Lissotriton vulgaris, Alytes obstetricans, Bombina variegata, Bufo bufo, Epidalea calamita, Bufotes viridis, Pelobates fuscus, Hyla arborea, Rana temporaria, Rana dalmatina, Rana arvalis, Pelophylax esculentus, Pelophylax lessonae, Pelophylax ridibundus                                                                                                          

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