Rana arvalis (Moorfrosch) (Nilsson, 1842)

 

Verbreitung in Deutschland: Der Moorfrosch ist eine östlich verbreitete Art, die in Deutschland hauptsächlich in der norddeutschen Tiefebene und in den östlichen Mittelgebirgen anzutreffen ist. In den     (süd-)westlichen Bundesländern kommt die Art in der Oberrheinebene von Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und des Elsass vor. Diese Populationen sind etwa 190 km von den nächstgelegenen in Nordrhein-Westfalen entfernt und bilden die südwestliche Verbreitungsgrenze der Art (Laufer & Pieh 2007).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Rana arvalis kommt in Baden-Württemberg in zwei disjunkten Teilarealen (Oberrheinebene und Oberschwaben) vor. Die besten Populationen existieren noch am nördlichen Oberrhein. Am südlichen Oberrhein, von wo nur Einzelnachweise bekannt geworden sind, ist die Art möglicherweise bereits erloschen. In Oberschwaben wurden, abgesehen von Einzelnachweisen, Populationen aus vier großflächigen Moorkomplexen bekannt. Aus dem Federseegebiet liegen die letzten Nachweise jedoch mittlerweile über 20 Jahre zurück. Aktuell sind dagegen die Populationen der Blitzenreuter Seenplatte, des Fetzach-Taufachmooses und des Wurzacher Rieds. Im baden-württembergisch-bayerischen Grenzgebiet des Donaumooses kam die Art in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch vor, ist aber heutzutage erloschen (Laufer & Pieh 2007).

Habitatansprüche: Besiedelt werden großflächige Moorkomplexe mit hohem Grundwasserstand. Dies sind in der Oberrheinebene die Überschwemmungszonen des Rheins mit angrenzenden Auwäldern, Feuchtwiesen und -weiden sowie verschiedenen Stillgewässern (z. B. Altwässer, Weiher, Gräben). In Oberschwaben werden die Übergangsbereiche vom Nieder- zum Hochmoor mit zahlreichen Gräben, Torfstichen und Kleingewässern besiedelt. Zur Fortpflanzung werden bevorzugt besonnte Weiher, Teiche und Kleingewässer genutzt, die häufig aufgrund der (Auen-)Dynamik einen stark schwankenden Wasserstand aufweisen (Laufer & Pieh 2007).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Vom Aussterben bedroht. Der Moorfrosch gehört zu den am stärksten gefährdeten Amphibienarten in Baden-Württemberg. Am Oberrhein sind die Vorkommen durch die Rheinkorrekturen und die dadurch verloren gegangenen Überschwemmungsauen stark zurückgegangen. In Oberschwaben führen Verschilfung, Eutrophierung und Versauerung der Moore zu weiteren Lebensraumeinbußen. Zusätzlich gehen auch Landlebensräume wie extensiv genutzte Feuchtwiesen durch Trockenlegung und Intensivierung verloren. Zum Schutz der Art müsste die Hochwasserdynamik am Oberrhein wieder hergestellt werden, in Oberschwaben trotz Prozessschutz die Lebensräume offen gehalten und vor Verschilfung und Verlandung bewahrt werden. Auch die Anlage von neuen Gewässern im Aktionsradius der Art kann sich positiv auf ihr Fortbestehen auswirken (Laufer & Pieh 2007). Als FFH-Art des Anhangs IV der FFH-Richtlinie genießt der Moorfrosch europäischen Schutz.

Eignung als Indikatorart: Rana arvalis ist ein sehr guter Indikator für großflächige (Nieder-)Moorkomplexe mit hohem Grundwasserstand.

Quellen für diese Seite:

Laufer, H. & A. Pieh (2007): Moorfrosch - Rana arvalis (Nilsson, 1842). In: Laufer, H.; Fritz, K. & P. Sowig (Hrsg.): Die Reptilien und Amphibien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag (Stuttgart), 397-414.

 

 

Moorfrosch (Rana arvalis) aus Oberschwaben (Bad Wurzach), Juni 2013.

 

 

Weiterer, eher dunkel gefärbter Moorfrosch aus Oberschwaben (Bad Wurzach), Juni 2013.

 

 

Landlebensraum von R. arvalis in Oberschwaben (Bad Wurzach), feuchter und lichter Moorwald.

 

 

Schematische Verbreitung von R. arvalis in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Pelobates fuscus, Rana dalmatina

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