Bufo calamita (Kreuzkröte) (Laurenti, 1768)

 

Verbreitung in Deutschland: Bufo calamita ist in ganz Deutschland verbreitet, besiedelt jedoch nur noch bereichsweise in Ostdeutschland Primärlebensräume (Dünenlandschaften, Heiden). Ansonsten ist die Art auf Sekundärlebensräume der kollinen und planaren Stufe angewiesen und fehlt in den höheren Mittelgebirgslagen.

Verbreitung in Baden-Württemberg: Die Kreuzkröte ist zerstreut in Baden-Württemberg verbreitet. Ein Verbreitungsschwerpunkt ist die Oberrheinebene, ein weiterer Oberschwaben mit Bodenseebecken. Von hier aus strahlen die Vorkommen in das Baar-Wutach-Gebiet, die Oberen Gäue und die Schwäbische Alb ein. Nördlich der Alb sind die Vorkommen vereinzelt, isoliert und meist stark gefährdet in Bereichen des Albvorlandes, des Kraichgaus und der Keuperwaldberge. B. calamita fehlt im gesamten Schwarzwald ebenso wie im Tauber- und Bauland.

Habitatansprüche: B. calamita ist eine typische Pionierart, die auf spontan entstehende, temporär Wasser führende und sonnenexponierte Gewässer angewiesen ist. Diese entstanden in früheren Zeiten regelmäßig in den Überschwemmungszonen der größeren Flussauen (Rhein, Neckar, Donau). Auch heute noch ist anhand des Verbreitungsbildes das Vorkommen in diesen Flussauen offensichtlich. Da jedoch natürliche Flussauen in Baden-Württemberg (sowie in fast ganz Deutschland) nicht mehr existieren, musste die Kreuzkröte auf Ersatzlebensräume ausweichen. Diese findet sie in den Abbaustellen; Kiesgruben in Oberschwaben und Sand- und Kiesgruben in der Oberrheinebene. Daneben tritt die Art auch in Steinbrüchen (Albvorland, Obere Gäue) und in offenem und trockenem Ruderalgelände (z.B. Truppenübungsplätze) mit entsprechenden Wasserstellen auf. Auf der Schwäbischen Alb kommt die Art auch heute noch in naturnahen Verhältnissen etwa im Lauter- und Seckachtal vor. Als Laichgewässer benötigt B. calamita unbedingt besonnte, vegetationsarme und prädatorenfreie Flach- und Temporärgewässer.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet. Der hohe Gefährdungsgrad der Kreuzkröte in Baden-Württemberg ergibt sich aus den seit einigen Jahrzehnten beobachteten beständigen Rückgangstendenzen vor allem im württembergischen Landesteil. Da die Primärlebensräume dieser Art weitgehend verloren gegangen sind, ist sie nun auf die menschliche Abbaudynamik in Sekundärlebensräumen angewiesen. Zu häufig werden jedoch immer noch ehemalige Kiesgruben verfüllt oder rekultiviert, sodass diese Habitate ebenso wie bei kompletter Nutzungsaufgabe durch Sukzession verloren gehen. Hier nutzt auch das Ausweisen als Naturschutzgebiet oder Naturdenkmal wenig; wenn keine Nutzung und keine Dynamik mehr existiert, ist die Kreuzkröte die erste Art die verschwindet. Zudem wird die Nutzung auf Truppenübungsplätzen (Panzer) zunehmend aufgegeben, weshalb auch hier keine temporären Kleingewässer mehr entstehen können. Hierdurch ist die Kreuzkröte auf dem Böblinger Standortübungsplatz vom Aussterben bedroht und auch auf dem Münsinger Truppenübungsplatz, wo die Art früher sehr häufig war, mittlerweile stark gefährdet. Langfristig sollte zum Schutz dieser und vieler weiterer teilweise extrem gefährdeter Arten die Dynamik natürlicher Flussauen wieder hergestellt werden. Kurzfristig müssen dagegen Sekundärlebensräume (Kiesgruben, Truppenübungsplätze) durch Abbaubetrieb bzw. Panzerbetrieb oder ähnliches offen gehalten werden, um einer Sukzession vorzubeugen.

Eignung als Indikatorart: Bufo calamita ist als Pionierart ein sehr guter Indikator für ebensolche Lebensräume.

 

 

Bufo calamita in einer Kiesgrube in Oberschwaben (Laupheim), Mai 2009.

 

 

Zwei Kreuzkröten in einer ehemaligen Kiesgrube in Oberschwaben (Baltringen), April 2009.

 

 

Portrait von B. calamita aus Oberschwaben (Baltringen), April 2009.

 

 

Frisch umgewandeltes Jungtier der Kreuzkröte in Oberschwaben (Baltringen), September 2010.

 

 

Kaulquappe kurz vor der Metamorphose in Oberschwaben (Baltringen), September 2010.

 

 

Habitat der Kreuzkröte in Oberschwaben (Baltringen): Ehemalige Kiesgrube mit temporär Wasser führenden Senken.

 

 

Weiteres Habitat aus Oberschwaben (Laupheim): Noch in Betrieb befindliche Kiesgrube. Als Reproduktionsgewässer dient das Flachgewässer im Vordergrund.

 

 

Detailblick auf das Flachgewässer aus voriger Aufnahme: Zeitweise austrocknendes, vollbesonntes Kleingewässer mit sandigen Ufern.

 

 

Lebensraumkomplex von B. calamita auf der Schwäbischen Alb (Wasserstetten): Wacholderheide im Hintergrund als potentieller Landlebensraum, Wagenspuren und Brachegelände im Vordergrund.

 

 

Wasser gefüllte Wagenspuren in der Lauteraue auf der Schwäbischen Alb (Wasserstetten), auch hier reproduziert die Kreuzkröte.

 

 

Schematische Verbreitung von B. calamita in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

 

Bufo bufo, Bufo viridis                                                      

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