Ceriagrion tenellum (Zarte Rubinjungfer) (De Villers, 1789)

 

Verbreitung in Deutschland: Die atlanto-mediterrane Art ist in Deutschland zerstreut und in klimatisch begünstigten Regionen verbreitet. Die nördlichsten Funde stammen aus Schleswig-Holstein (Raum Lübeck) und Sachsen-Anhalt (Magdeburg). Weitere Vorkommen liegen in der Rheinebene und in Niedersachsen (Sternberg & Buchwald 1999). In neuerer Zeit sind zum einen einige Neunachweise im deutschen Verbreitungszentrum in Niedersachsen und zum anderen eine leichte Ausbreitung in Richtung Osten zu verzeichnen (Clausnitzer 2015). In Bayern ist Ceriagrion tenellum seit Ende der 1970er-Jahre verschollen (Kuhn 1998). Deutschlandweit wird die Art aktuell nur auf der Vorwarnliste geführt (Ott et al. 2015).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Die Zarte Rubinjungfer ist in Baden-Württemberg ausschließlich im westlichen Bodenseeraum (Hauptvorkommen) und im Oberschwäbischen Hügelland (Nebenvorkommen) verbreitet (Hunger et al. 2006). Insgesamt liegen Bodenständigkeitsnachweise von sieben unterschiedlichen Lokalitäten vor (Sternberg & Buchwald 1999). Aus neuerer Zeit wurden jedoch einige Neubesiedlungen bzw. Neuentdeckungen im Vorkommensgebiet bekannt (Salcher 2007).

Habitatansprüche: C. tenellum ist in Baden-Württemberg eng an Kalkquellmoore und -sümpfe sowie an die Verlandungszonen nährstoffarmer Seen mit Ufervegetation aus Schneidried (Cladietum marisci) gebunden (Hunger et al. 2006). In den Kalkquellmooren und -sümpfen herrschen häufig Kalkschlenken mit Skorpionsmoos-Wasserschlauch-Beständen als Larvalhabitate und Mehlprimel-Kopfriede als umgebende Vegetation vor (Sternberg & Buchwald 1999, Salcher 2007).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Vom Aussterben bedroht (Hunger & Schiel 2006). Die Zarte Rubinjungfer ist aufgrund ihrer Seltenheit in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht. Die bestehenden Vorkommen sind abhängig von Pflegemaßnahmen und reagieren sehr sensibel auf Habitatverschlechterungen. Eines von drei bekannten Vorkommen im Westallgäuer Hügelland ist beispielsweise bereits erloschen.

Eignung als Indikatorart: C. tenellum ist ein sehr guter Indikator für intakte Kalkquellmoore und -sümpfe sowie für Verlandungszonen nährstoffarmer Seen.

Quellen für diese Seite:

Clausnitzer, H.-J. (2015): Ceriagrion tenellum (de Villers, 1789). - Libellula Supplement 14: 54-57.

Hunger, H. & F.-J. Schiel (2006): Rote Liste der Libellen Baden-Württembergs und der Naturräume, Stand November 2005 (Odonata). – Libellula Supplement 7: 3-14.

Hunger, H., F.-J. Schiel & B. Kunz (2006): Verbreitung und Phänologie der Libellen Baden-Württembergs (Odonata). – Libellula Supplement 7: 15-184.

Kuhn, K. (1998): Späte Adonislibelle - Ceriagrion tenellum. In: Kuhn, K. & K. Burbach (Hrsg.): Libellen in Bayern. Ulmer-Verlag, 104-106.

Ott, J.; Conze, K.-J.; Günther, A.; Lohr, M.; Mauersberger, R.; Roland, H.-J. & F. Suhling (2015): Rote Liste und Gesamtartenliste der Libellen Deutschlands mit Analyse der Verantwortlichkeit, dritte Fassung, Stand Anfang 2012 (Odonata). - Libellula Supplement 14, 395-422.

Salcher, M. (2007): Beobachtungen zur Ausbreitungsfähigkeit der Zarten Rubinjungfer (Ceriagrion tenellum) auf dem Bodanrück (Odonata: Coenagrionidae). Mercuriale 7: 8-11.

Sternberg, K. & R. Buchwald (Hrsg.) (1999): Die Libellen Baden-Württembergs – Band 1, Allgemeiner Teil, Kleinlibellen (Zygoptera). – Ulmer-Verlag (Stuttgart), 468 S.

 

 

Männchen von Ceriagrion tenellum aus dem Westallgäuer Hügelland, Juli 2015.

 

 

Weibchen der Zarten Rubinjungfer in der forma intermedium im Westallgäuer Hügelland, Juli 2015

 

 

Aufsicht auf ein Weibchen von C. tenellum in der forma intermedium, Westallgäuer Hügelland, Juli 2015.

 

 

Habitat der Zarten Rubinjungfer im Westallgäuer Hügelland - ein Kalkquellsumpf mit Mehlprimel-Kopfbinsenried und wassergefüllten Schlenken.

 

 

Weiteres Habitat von C. tenellum im Westallgäuer Hügelland - ein hangquelliger Bereich mit permanent durchströmtem Rinnsal.

 

 

Detailblick in das Habitat der Zarten Rubinjungfer, gut zu erkennen sind die nur wenige Zentimeter tiefen, aber relativ permanent wasserführenden Schlenken.

 

 

Aufsicht auf das Mikrohabitat von C. tenellum - lückiges Kopfbinsenried mit dauernassen Quellbereichen.

 

 

Schematische Verbreitung von C. tenellum in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Platycnemis pennipes, Coenagrion hastulatum                                              

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