Lestes barbarus (Südliche Binsenjungfer) (Fabricius, 1798)

 

Verbreitung in Deutschland: Lestes barbarus kann in ganz Deutschland, jedoch meist weit verstreut und vereinzelt, angetroffen werden. Galt die Art früher noch im Süden Deutschlands häufiger als im Norden (Sternberg & Buchwald 1999), liegen aus neuerer Zeit die meisten Nachweise aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg vor (Brauner 2015). Deutschlandweit gilt die Art als ungefährdet (Ott et al. 2015).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Lange Zeit wurde die Südliche Binsenjungfer ausschließlich für einen unsteten Vermehrungsgast in Deutschland bzw. in Baden-Württemberg gehalten. Mittlerweile scheint jedoch klar, dass diese Art schon immer zur einheimischen Fauna gehörte und nur durch den Rückgang an geeigneten Habitaten bei uns selten geworden ist. Heutzutage ist L. barbarus vor allem in der Oberrheinebene, in Oberschwaben und im Neckar-Tauberland anzutreffen. Auch auf der Schwäbischen Alb existieren bodenständige Vorkommen. Allgemein sind die Vorkommen jedoch weit verstreut und meist individuenarm, was allerdings auch mit der unsteten Lebensweise der Art zusammenhängen kann (Hunger et al. 2006).

Habitatansprüche: L. barbarus ist eine charakteristische Art von temporären Flachgewässern, seichten Gewässerbereichen und Grabensystemen. Die Gewässer zeichnen sich meist durch einen hohen Besonnungsgrad, einen ausgeprägten Verlandungsgürtel und stark schwankende Wasserstände aus (Sternberg & Buchwald 1999).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet (Hunger & Schiel 2006). Die Südliche Binsenjungfer ist wahrscheinlich schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts und der damit einhergehenden Trockenlegung von Sümpfen, Nasswiesen und Überschwemmungszonen rückläufig. Diese Entwicklung hält bis heute an und ist nur durch die großräumige Neuanlage und Pflege von Flachgewässern mit temporärem Charakter zu stoppen. Die meisten Populationen von L. barbarus sind individuenarm und räumlich begrenzt, weshalb die Einschätzung als stark gefährdet gerechtfertigt ist.

Eignung als Indikatorart: L. barbarus ist ein sehr guter Indikator für temporäre Flachgewässer.

Quellen für diese Seite:

Brauner, O. (2015): Lestes barbarus (Fabricius, 1798). - Libellula Supplement 14: 26-29.

Hunger, H. & F.-J. Schiel (2006): Rote Liste der Libellen Baden-Württembergs und der Naturräume, Stand November 2005 (Odonata). – Libellula Supplement 7: 3-14.

Hunger, H., F.-J. Schiel & B. Kunz (2006): Verbreitung und Phänologie der Libellen Baden-Württembergs (Odonata). – Libellula Supplement 7: 15-184.

Ott, J.; Conze, K.-J.; Günther, A.; Lohr, M.; Mauersberger, R.; Roland, H.-J. & F. Suhling (2015): Rote Liste und Gesamtartenliste der Libellen Deutschlands mit Analyse der Verantwortlichkeit, dritte Fassung, Stand Anfang 2012 (Odonata). - Libellula Supplement 14, 395-422.

Sternberg, K. & R. Buchwald (Hrsg.) (1999): Die Libellen Baden-Württembergs – Band 1, Allgemeiner Teil, Kleinlibellen (Zygoptera). – Ulmer-Verlag (Stuttgart), 468 S.

 

 

Männchen von Lestes barbarus an einem gut besonnten Stillgewässer in den Oberen Gäuen (Gärtringen-Rohrau), September 2010.

 

 

Habitat von L. barbarus in den Oberen Gäuen (Gärtringen-Rohrau), ein besonntes Flachgewässer in der offenen Wiesenlandschaft.

 

 

Schematische Verbreitung von L. barbarus in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Verbreitungslücke

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Calopteryx virgo, Lestes dryas                                                   

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