Coenonympha glycerion (Rotbraunes Wiesenvögelchen) (Borkhausen, 1788)

 

Verbreitung in Deutschland: Coenonympha glycerion ist noch über weite Bereiche Deutschlands verbreitet, jedoch in fast allen Bundesländern ernsthaft gefährdet. Vor allem in Westdeutschland ist die Art bereichsweise (Hessen, Nordrhein-Westfalen) schon ausgestorben, in weiteren Bundesländern vom Aussterben bedroht. Besser ist es um C. glycerion in den südlichen und östlichen Bundesländern bestellt, wo die Art etwa in Bayern nur auf der Vorwarnliste steht (Settele et al. 2005). Bundesweit steht die Art aktuell auf der Vorwarnliste (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Das Rotbraune Wiesenvögelchen besitzt einen klaren Verbreitungsschwerpunkt auf der Schwäbischen Alb mit Baar- und Hegaualb. Daneben kommt die Art nur noch sporadisch in Oberschwaben und in den Oberen Gäuen bis zum südlichen Kraichgau vor. Im Tauberland ist C. glycerion möglicherweise bereits ausgestorben (Ebert & Rennwald 1991b).

Habitatansprüche: C. glycerion besiedelt als Verschiedenbiotop-Bewohner einerseits Halbtrockenrasen und Wacholderheiden der Schwäbischen Alb und der Gäulandschaften (Hauptvorkommen), andererseits jedoch auch extensiv genutzte, bereichsweise wechseltrockene Streuwiesen in Oberschwaben. Die Populationen in letztgenannten Habitaten sind allerdings seit einigen Jahren stark rückläufig (G. Hermann, mündl.). Die Raupe frisst an verschiedenen Gräsern (Ebert & Rennwald 1991b). Im Illertal ist das Rotbraune Wiesenvögelchen außerdem auf mageren, noch offenen Brennenstandorten der ehemaligen Überschwemmungsaue des nun befestigten Flusses verbreitet.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Gefährdet (Ebert et al. 2005). Die Populationen außerhalb der Schwäbischen Alb (Tauberland, Obere Gäue, Oberschwaben) sind seit Jahren stark rückläufig, weshalb die Art trotz der großen Metapopulationen auf der Schwäbischen Alb als gefährdet gilt. Die von C. glycerion besiedelten Habitate (Wacholderheiden, Streuwiesen, Brennen) müssen weiterhin extensiv genutzt werden, um eine zu starke Verbuschung und Sukzession zu vermeiden.

Eignung als Indikatorart: C. glycerion ist ein guter Indikator für extensiv genutzte Wacholderheiden, Halbtrockenrasen und wechseltrockene Streuwiesen.

Bestimmung: Das Rotbraune Wiesenvögelchen kann mit dem Weißbindigen Wiesenvögelchen (Coenonympha arcania) und vor allem mit dem Großen Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia) verwechselt werden. Bei C. glycerion ist die weiße Binde auf der Hinterflügel-Unterseite unterbrochen und meist ausgeprägter als bei C. tullia. C. glycerion verfügt zudem über eine metallische Randbinde, die C. tullia fehlt.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991b): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2, Tagfalter 2. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 535 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

 

Coenonympha glycerion auf einem Halbtrockenrasen im Baar-Wutach-Gebiet (Untermettingen), Juni 2010.

 

 

C. glycerion von einer Brenne an der Iller in Oberschwaben (Buxheim), Juli 2011.

 

 

Weiteres Rotbraunes Wiesenvögelchen von einer Feuchtwiese im Südschwarzwald (Vöhrenbach), Juli 2011.

 

 

Ruhendes Rotbraunes Wiesenvögelchen an einem Halbtrockenrasen-Hang am südlichen Albtrauf (Untermarchtal), Juni 2014.

 

 

Wacholderheide auf der Schwäbischen Alb (Albstadt-Ebingen), typisches Habitat von C. glycerion.

 

 

Magerrasen im Baar-Wutach-Gebiet (Löffingen), auch hier ist C. glycerion anzutreffen.

 

 

Einer der ganz wenigen Trockenlebensräume von C. glycerion in Oberschwaben (Buxheim), eine halbtrockenrasenartige Brenne an der Iller.

 

 

Habitat von C. glycerion im Südschwarzwald (Vöhrenbach), eine magere, extensiv genutzte Feuchtwiese.

 

 

In diesem von Gebüschsäumen durchzogenen Streuwiesengebiet im nördlichen Oberschwaben (Baltringen) existiert eine gute Population von C. glycerion.

 

 

Schematische Verbreitung von C. glycerion in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Ehemalige Vorkommen (letztes Nachweisdatum)

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Coenonympha arcania, Coenonympha hero                                                 

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