Maniola tithonus (Rotbraunes Ochsenauge) (Linnaeus, 1771)

 

Verbreitung in Deutschland: Maniola tithonus hat ihren Verbreitungsschwerpunkt im Südwesten Deutschlands. Gut besiedelt sind hier Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Baden-Württemberg. In Bayern und Niedersachsen ist die Art stark gefährdet, in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ist sie bereits ausgestorben. Dagegen tritt M. tithonus auch wieder in Ostdeutschland (Brandenburg, Sachsen) auf (Settele et al. 2005). Bundesweit gilt die Art aktuell als ungefährdet (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Das Rotbraune Ochsenauge besiedelt die gesamte Oberrheinebene und stößt von der nördlichen Oberrheinebene ausgehend weiter nach Osten in den Kraichgau vor (Ebert & Rennwald 1991b).

Habitatansprüche: M. tithonus ist eine typische Saumart, die vor allem an feucht-warmen Waldsäumen, Schneisen und Lichtungen anzutreffen ist. Daneben kommt die Art auch in buschreichen Magerrasen und entlang von Hecken- und Gebüschgesellschaften im Offenland vor. Die Larve frisst an verschiedenen Gräsern (Ebert & Rennwald 1991b).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Ungefährdet (Ebert et al. 2005). Zwar ist das Rotbraune Ochsenauge in seiner Verbreitung eindeutig auf die klimabegünstigten Regionen der Oberrheinebene und des Kraichgaus beschränkt und fehlt deshalb im größten Teil Baden-Württembergs, jedoch ist die Art dort durchaus häufig anzutreffen. Im Gegensatz zu vielen anderen Waldsaum-Arten scheint M. tithonus weniger empfindlich auf Eutrophierung zu reagieren, weshalb die Art teilweise noch weiter verbreitet ist. Sie dürfte jedoch auch unter dem aktuell praktizierten naturnahen Waldbau leiden, da sie abhängig von offenen Strukturen (breite Waldwegsäume, Kahlschläge) innerhalb der Wälder ist.

Eignung als Indikatorart: M. tithonus kann als schwacher Indikator naturnaher und strukturreicher Saumstrukturen in warmem Lokalklima gelten.

Bestimmung: Das Rotbraune Ochsenauge kann bei flüchtiger Betrachtung mit dem Großen Ochsenauge (Maniola jurtina) verwechselt werden. Im Gegensatz zu diesem verfügt es jedoch über einen doppelt gekernten Fleck auf der Vorderflügel-Unterseite, außerdem ist die Art kleiner.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991b): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2, Tagfalter 2. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 535 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

 

Maniola tithonus an einer Gebüschstruktur am Magerrasen im Kraichgau (Oberöwisheim), Juli 2010.

 

 

Weiterer Falter von M. tithonus am südlichen Oberrhein (Grißheim), Juli 2011.

 

 

Männchen des Rotbraunen Ochsenauges auf seiner Sitzwarte am südlichen Oberrhein (Grißheim), Juli 2011.

 

 

Sich sonnender M. tithonus im Kraichgau (Oberöwisheim), Juli 2010.

 

 

Habitat von M. tithonus im Kraichgau (Oberöwisheim): Gebüsche mit angrenzenden Magerwiesen.

 

 

Breite und lichte Wald- und Wegränder sind die bevorzugten Habitate von M. tithonus am südlichen Oberrhein (Zienken).

 

 

Schematische Verbreitung von M. tithonus in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Maniola jurtina, Pararge aegeria                                                    

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