Brintesia circe (Weißbindiger Waldportier) (Fabricius, 1775)

 

Verbreitung in Deutschland: Brintesia circe ist im Süden Deutschlands (Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern) und wieder im Nordosten (Brandenburg) verbreitet. Sie süddeutschen Populationen sind stark gefährdet (Bayern) oder vom Aussterben bedroht (Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg). Die Vorkommen in Brandenburg werden aktuell noch als nicht gefährdet eingestuft.

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der wärmeliebende Weißbindige Waldportier ist wohl ausschließlich am südlichen Oberrhein bodenständig. Einzelne Exemplare werden jedoch auch regelmäßig in den sich nach Osten Richtung Schwarzwald öffnenden Taleinschnitten und im Südschwarzwald beobachtet. Die ehemaligen Vorkommen am nördlichen Oberrhein sind erloschen. Im 19. Jahrhundert kam B. circe, ähnlich wie H. fagi, wohl auch den parkähnlichen, herzöglichen Jagdwäldern bei Stuttgart vor. Bei dem in Ebert & Rennwald (1991) dokumentierten Vorkommen im Albvorland (NSG Schaichtal) handelt es sich (trotz Bildbeleg) sehr wahrscheinlich um eine (Fundort-)Verwechslung.

Habitatansprüche: B. circe besiedelt südexponierte Magerrasen-Hänge, die häufig mit Buschwerk durchsetzt sind. Außerdem ist die Art an xerothermen Waldmänteln, in Steppenheiden und am Kaiserstuhl an extensiv genutzten Rebböschungen der Weinberge anzutreffen. Am südlichen Oberrhein tritt der Weißbindige Waldportier auch in gepflegten Nieder- und Mittelwäldern und entlang der Rheindämme auf. Die Raupe lebt an verschiedenen Süßgräsern (z.B. Bromus erectus) an xerothermen Standorten.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Vom Aussterben bedroht. B. circe benötigt ein Wechselspiel aus offenen Halbtrockenrasen und lichten Übergangsbereichen zum Wald in wärmebegünstigter Lage. Die Art ist gefährdet durch das Zuwachsen geeigneter, waldnaher Standorte. Zum Schutz des Weißbindigen Waldportiers sollten Wälder traditionell als Nieder- und Mittelwälder bewirtschaftet werden, breite Übergangsbereiche zwischen Wald und Offenland geschaffen werden und Weinberge extensiv bewirtschaftet werden. Aufgrund der wenigen Vorkommen der Art in Deutschland hat Baden-Württemberg eine besondere Schutzverantwortung für B. circe.

Eignung als Indikatorart: B. circe ist ein guter Indikator für lichte, magere Übergangsbereiche zwischen Wald und Offenland sowie für gepflegte Nieder- und Mittelwälder.

 

 

Brintesia circe am Kaiserstuhl (NSG Haselschacher Buck), August 2010.

 

 

Weiterer B. circe an einer Lössböschung am Kaiserstuhl (NSG Haselschacher Buck), August 2010.

 

 

B. circe in Südfrankreich (Hâute Provence), wo die Art noch ziemlich häufig ist, August (2010).

 

 

B. circe lässt sich nur selten mit geöffneten Flügeln beobachten, wie hier in Südfrankreich, September 2006.

 

 

Lössböschung am Kaiserstuhl (NSG Haselschacher Buck), hier war B. circe regelmäßig zu beobachten.

 

 

Lückige und steile Böschung am Kaiserstuhl (Totenkopf), unter anderem Habitat von B. circe.

 

 

Habitat von B. circe am südlichen Oberrhein (NSG Grißheimer Trockenaue), lichte Waldbereiche, xerotherme Wegrand- und Flussböschungen.

 

 

Schematische Verbreitung von B. circe in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

 

Hipparchia semele, Chazara briseis                                                  

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