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Erebia meolans

Erebia medusa

 

Gesamtverbreitung: Sibirisch-europäisch. Von Zentralfrankreich über große Teile Mittel- und Osteuropas, nördliches Kleinasien, Transkaukasus, Sibirien bis Nordchina.

Regionalverbreitung: E. medusa war und ist auch aktuell noch die am weitesten verbreitete Erebia-Art in Baden-Württemberg. Alle Naturräume werden besiedelt, wobei es aber regional große Unterschiede in der Häufigkeit des Auftretens der Art gibt (Tab. 1). Hauptverbreitungsgebiete sind eindeutig die flächendeckend besiedelte Schwäbische Alb und der Südschwarzwald mit Baaralb, weitere kleinere zusammenhängende Metapopulationen existieren in den Oberen Gäuen, im Tauberland und in Oberschwaben. Im Albvorland, im Bodenseebecken, auf den Kocher-Jagst-Platten und in den Keuperwaldbergen halten sich momentan noch wenige Populationen, die als Relikte ehemaliger größerer Vorkommen in diesen Regionen gelten können. Dagegen ist E. medusa in der Oberrheinebene, im Kraichgau und im Nordschwarzwald bereits erloschen.

In Baden-Württemberg wurden ehemals etwa zwei Drittel aller TK-Blätter von E. medusa besiedelt. Bis zum Jahre 1930 waren in Baden-Württemberg noch fast alle jemals von E. medusa besetzten TK-Blätter aktuell belegt (95 %). Erste leichte Rückgänge zeigten sich dann ab den 1960er-Jahren im Albvorland (7221, 7222), im Kraichgau (6918, 7018, 7019), in der nördlichen Oberrheinebene (6416, 6816) und am Kaiserstuhl (7812, 7912), jedoch war die Art noch weit verbreitet. Ab den 1980er-Jahren verschlechterte sich die Situation in den wärmeren, eher atlantisch geprägten Naturräumen sehr, insgesamt nahm die Präsenz in den TK-Blättern um 22 % ab. Hiervon betroffen waren vor allem die Keuperwaldberge (6824, 6923, 6925), das Kraichgau (6720, 6821, 6822, 7018, 7117, 7118) sowie die südliche Oberrheinebene mit dem Kaiserstuhl (7811, 7911, 8211, 8311). Ab den 1990er-Jahren, die eine Abnahme von 16 % verzeichnen mussten, fehlen Nachweise aus den Keuperwaldbergen (7024, 7025) fast komplett und auch in Oberschwaben (7924, 8022, 8122, 8222, 8223, 8224, 8126) wurden die ersten Rückgänge deutlich. Ab dem Jahre 2000 existieren im Tauberland und in den angrenzenden Tälern von Kocher und Jagst nur noch wenige Nachweise, während das letzte Messtischblatt der Oberrheinebene (8111) unbestätigt bleibt. Im Kraichgau war bis 2003 noch eine größere Population im NSG Ersinger Springenhalde (7017) nachgewiesen, jedoch blieb auch dieser Fundort bei mehrmaliger Kontrolle 2009 und 2010 ohne Nachweis. Auch das Albvorland profitiert in seiner aktuellen Nachweisdichte nur noch von randlich einstrahlenden Vorkommen der Metapopulationen der Oberen Gäue, des Südwestlichen Albvorlandes und der Schwäbischen Alb, so ist das etwa zentral gelegene TK-Blatt 7420 (Schönbuch) schon verweist. Ähnlich kritisch muss die Situation in Oberschwaben gesehen werden, wo nur noch wenige TK-Blätter (7724, 7823, 7923, 7922, 8021, 8124, 8125, 8225) ab dem Jahre 2000 bestätigt sind und einige zudem direkt an die Metapopulationen der Schwäbischen Alb angrenzen. Realistisch betrachtet dürfte die Rasterfrequenz von E. medusa aktuell bei etwa einem Drittel liegen, was bedeuten würde, dass die Populationen in Baden-Württemberg ab den 1930er-Jahren um etwa die Hälfte abgenommen haben. Im Gegensatz zu E. aethiops und E. ligea hat der Rückgang von E. medusa etwas später eingesetzt (ab den 1980er-Jahren), Tempo und Ausmaß dieses Rückgangs sind jedoch durchaus mit dem Verschwinden der beiden anderen Erebia-Arten vergleichbar.

 

Naturräume Baden-Württembergs: Diese Karte soll zur Übersicht der Naturräume in Baden-Württemberg dienen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit und Praktikabilität wurden bereichsweise Naturräume 4. Ordnung zu Großräumen zusammengefasst. Auf diese Weise bleiben für Erebia-Arten interessante Regionen speziell gekennzeichnet (z.B. Tauberland, Obere Gäue Nord, Kaiserstuhl), andere eher uninteressante, da niemals besiedelte bzw. großflächig landwirtschaftlich genutzte Regionen (z. B. im Bereich des Odenwaldes, der Kocher-Jagst-Ebenen, der Keuperwaldberge oder des Neckarbeckens) werden zu Großräumen zusammengefasst.



Tab. 1: Präsenz von Erebia medusa in Baden-Württemberg, aufgeteilt nach Naturräumen und Jahrzehnten, total und prozentual.

Region (Anzahl der TK-Blätter)

Nachweise ∑

Nachweise [%]

ab 1930

ab 1930 [%]

ab 1960

ab 1960 [%]

ab 1980

ab 1980 [%]

ab 1990

ab 1990 [%]

ab 2000

ab 2000 [%]

BW (295)

196

66

186

63

174

59

135

46

114

39

97

33

Odenwald (11) 1 9 1 9 1 9 0 0 0 0 0 0

Tauberland (7)

7

100

7

100

7

100

7

100

6

86

6

86

Kocher-Jagst-, Hohenloher-Haller-Ebenen und Bauland (19) 10 53 10 53 10 53 6 32 6 32 5 26
Keuperwaldberge mit Welzheimer Wald und Schurwald (19) 11 58 11 58 9 47 4 21 2 11 1 5

Kraichgau/Neckarbecken (23)

14 61 14 61 10 43 6 26 5 22 3 13
Obere Gäue Nord (6) 6 100 6 100 6 100 6 100 4 67 4 67
Obere Gäue Süd (7) 6 86 6 86 6 86 5 71 5 71 5 71
Baar-Wutach-Gebiet (12) 9 75 9 75 9 75 8 67 6 50 6 50

Östliches Albvorland (6)

2 33 2 33 2 33 2 33 2 33 1 17
Mittleres Albvorland mit Schönbuch und Glemswald, Filder und Stuttgarter Bucht (10) 9 90 9 90 8 80 8 80 7 70 4 40
Südwestliches Albvorland (2) 2 100 2 100 2 100 1 50 1 50 1 50
Nördliche Oberrheinebene (16) 7 44 3 19 1 6 0 0 0 0 0 0
Mittlere Oberrheinebene (10) 2 20 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Kaiserstuhl (4) 4 100 4 100 3 75 0 0 0 0 0 0
Südliche Oberrheinebene (7) 5 71 4 57 4 57 2 29 1 14 0 0

Nordschwarzwald (15)

3 20 3 20 3 20 2 13 2 13 1 7
Mittlerer Schwarzwald (11) 3 27 3 27 3 27 3 27 3 27 3 27

Südschwarzwald (21)

16 71 14 67 14 67 12 57 9 43 6 29
Östliche Schwäbische Alb (14) 13 93 13 93 13 93 13 93 13 93 11 79
Mittlere Schwäbische Alb (17) 17 100 17 100 17 100 17 100 17 100 17 100
Westliche Schwäbische Alb (11) 10 91 10 91 10 91 10 91 10 91 10 91
Bodenseebecken mit Hegau (14) 12 86 11 79 11 79 7 50 4 29 4 29
Nördliches Oberschwaben (26) 23 88 23 88 21 81 14 54 10 38 8 31
Allgäu mit Adelegg (7) 5 71 5 71 5 71 3 43 2 29 2 29

 


Historische Verbreitung von E. medusa in Baden-Württemberg. E. medusa war in Baden-Württemberg ehemals über weite Landesteile verbreitet. Echte Verbreitungslücken bestanden im nördlichen Schwarzwald, in Bereichen der nördlichen und mittleren Oberrheinebene, im Neckarbecken und im nördlichen Kraichgau. Verbreitungsschwerpunkte waren das Tauberland und die Talhänge von Kocher und Jagst, das südliche Kraichgau, die Oberen Gäue, das Albvorland, die südliche Oberrheinebene mit Kaiserstuhl, die Schwäbische Alb mit Baaralb, der Südschwarzwald, das Bodenseegebiet mit Hegau und Oberschwaben mit Allgäu.

 

Aktuelle Verbreitung von E. medusa im Jahre 2000. Im Tauberland bestehen recht individuenarme Metapopulationen. Der letzte Nachweis (2003) aus dem Kraichgau muss aktuell als erloschen gelten. Weitere Metapopulationen bestehen noch in den Nördlichen Oberen Gäuen (Heckengäu), die östlich in die Randbereiche des Mittleren Albvorlandes einstrahlen. Die Schwäbische Alb wird flächendeckend über die Baaralb bis in den Südschwarzwald besiedelt. In Oberschwaben bestehen vor allem im Allgäu noch einige Vorkommen an Bahndämmen und Böschungen.

 

 

Rezente Verbreitung von E. medusa: Dunkel lila gefärbte Regionen werden heute noch besiedelt, hellere Bereiche kennzeichnen das ehemalige Verbreitungsgebiet.

 

 

Habitate: E. medusa ist als mesophile Offenlandart zu bezeichnen, die vor allem mageres Grünland besiedelt. Hierunter fallen extensiv bewirtschaftete Trocken- und Feuchtwiesen (Salbei-Glatthaferwiesen, Streuwiesen, Bergwiesen), Halbtrockenrasen, Böschungen und Dämme, Bracheflächen und Waldlichtungen. Wichtig sind vor allem geringe Eutrophierung und Streureichtum. Deshalb besiedelt die Art fast ausschließlich Habitate, die zumindest kleinflächig Bracheanteile zu bieten haben. In Oberschwaben kommt E. medusa aktuell nur noch entlang von Bahndämmen oder auf Industriebrachen vor während extensiv genutzte Feucht- und Streuwiesen sowie Niedermoore nicht mehr besiedelt werden. Auch im Albvorland tritt die Art ausschließlich entlang von Bahndämmen, an Straßenböschungen oder auf brachgefallenen (Streuobst-)Hängen auf. Im Tauberland fand ich E. medusa auf mehrjährig gemähten Magerwiesen im Verbund mit Halbtrockenrasen, xerothermen Säumen und lichten Kiefernwäldern. In weiten Bereichen der Schwäbischen Alb bis zur Baar- und Hegaualb tritt E. medusa auch regelmäßig auf einmal jährlich gemähten, jedoch streureichen und mageren Wiesen auf. Vielleicht ermöglicht die bessere Klimaeignung auch eine Entwicklung in diesen eher suboptimalen, da streuarmen Habitaten. Auf der Schwäbischen Alb ist E. medusa zudem noch aktuell an zahlreichen mageren Wegrändern und Straßenbegleitflächen als Massenart anzutreffen.

In Baden-Württemberg werden Festuca-Arten (Schwingel) als Wirtspflanzen genutzt, meist handelt es sich hierbei um den Schafschwingel (Festuca ovina), aber auch der Rotschwingel (Festuca rubra) kommt in Betracht. An Xerotherm-Standorten könnte auch Bromus erectus eine Rolle spielen.

 

Erebia medusa auf einer Magerbrache in den Oberen Gäuen (Schafhausen), Mai 2009.

 

 

Flügelunterseite von E. medusa in den Oberen Gäuen (Friolzheim), Mai 2009.

 

 

Weiterer E. medusa von einem Magerwiesenkomplex im Albvorland (Breitenholz), Mai 2011.

 

 

Jungraupe von E. medusa aus der Zucht, Juli 2011.

 

 

Magere, mit einzelnen Büschen durchsetzte Wiesenbrache in den Oberen Gäuen. Hier ist E. medusa noch zahlreich anzutreffen.

 

 

Typisches von E. medusa genutztes Habitat in den Oberen Gäuen: Extensiv schafbeweidete, leicht verbuschte, nicht zu kurzrasige und streureiche Magerrasen wie hier bei Heimsheim.

 

 

Bahndamm im Grenzbereich zwischen Oberen Gäuen und Albvorland bei Herrenberg-Haslach, hier fliegt E. medusa noch regelmäßig zusammen mit M. britomartis. Der Damm zeichnet sich durch streureiche und magere Hangbereiche aus.

 

 

Mageres, sonnenexponiertes Grünland auf der Schwäbischen Alb. Direkt in Straßennähe finden sich hier noch höchstens extensiv genutzte, streureiche Wiesenflächen, die von E. medusa besiedelt werden. E. medusa gehört in solchen Habitaten auf der Alb zu den häufigsten Schmetterlingsarten. Derartige Habitate sind in Oberschwaben und im Albvorland fast immer intensiv landwirtschaftlich genutzt und entsprechend eutrophiert.

 

 

Magerer, schütter bewachsener Hang direkt am Wegesrand auf der Schwäbischen Alb. Auch hier fliegt E. medusa zahlreich. Auf der Schwäbischen Alb sind solche Strukturen regelmäßig anzutreffen, in anderen Naturräumen (Albvorland, Oberschwaben) erscheinen sie nur ganz isoliert.

 

 

Einschürige Bergwiese auf der Westalb. In den höheren Lagen (Schwäbische Alb, Baaralb, Südschwarzwald) ist E. medusa auch regelmäßig auf diesen mageren Einmähdern anzutreffen.

 

 

Typisches Habitat auf der Schwäbischen Alb: Verbrachter, aktuell nicht mehr schafbeweideter und deshalb streureicher Halbtrockenrasen mit vereinzelten Schlehen- und Wacholderbüschen. Hier tritt E. medusa meist sehr zahlreich auf.

 

 

NSG Schopflocher Moor auf der Schwäbischen Alb. In dieser Feuchtbrache, die reichlich mit Festuca cf. ovina bestanden ist, fliegt E. medusa zahlreich zusammen mit B. eunomia.

 

 

Draufsicht auf die Larvalhabitat-Struktur von E. medusa im Feuchthabitat bei Schopfloch: Streureicher Untergrund und kräftige Festuca-Horste, hier wurden auch mehrfach Eiablagen beobachtet.

 

 

Weiterer Einblick in das Larvalhabitat von E. medusa im Feuchtlebensraum. Hier ist eine Feuchtbrache im Baar-Wutach-Gebiet Habitat von E. medusa zusammen mit L. helle und C. tullia.

 

 

Ehemaliges Militärgebiet Altspöck in den Keuperwaldbergen bei Schwäbisch Hall zur Flugzeit. In diesen streureichen Offenstellen im Wald konnte E. medusa 2011 noch in großer Anzahl angetroffen werden. Leider stellt dieses Habitat in Zeiten der Hochwaldnutzung eine absolute Seltenheit in unseren Wäldern dar.

 

 

Relativ unspektakulär sieht auch diese Verkehrsnebenfläche am Rande des Schönbuchs aus. Hier siedelt eines der letzten E. medusa-Vorkommen in diesem Naturraum. Das magere Habitat zeichnet sich durch extremen Streureichtum aus, der wahrscheinlich durch einmal jährliches Mulchen der Fläche zustande kommt. Die Population dieses Habitats könnte noch Kontakt mit den Vorkommen der östlichen Ausläufer der Oberen Gäue haben. Doch wie lange könnte eine solche Population noch bestehen, wäre sie komplett isoliert?

 

 

Ehemalige, aktuell brachgefallene Streuobstwiese am Südhang bei Holzgerlingen (Albvorland). Hier konnte ich im Mai 2010 ganze zwei Falter nachweisen. Auf der Alb würden in einem derartigen Habitat sicherlich mehrere Dutzend Falter fliegen.

 

 

Diese ehemalige magere und streureiche Deponie bei Sindelfingen wird von E. medusa aktuell noch genutzt, in einigen Jahren dürfte allerdings auch dieser Lebensraum aufgrund von Verbuschung nicht mehr besiedelbar sein.

 

 

 

Eines der letzten verbliebenen Habitate von E. medusa am Schönbuch-Südwesthang. Auch hier fliegt die Art auf brachen, ehemals bewirtschafteten Streuobst- und Salbei-Glatthaferwiesen.

 

 

Im Übergangsbereich vom Mittleren zum Südwestlichen Albvorland tritt E. medusa, wie hier im NSG Rappenberghalde bei Rottenburg, wieder vermehrt in Erscheinung. Auch in diesem Biotopkomplex aus Salbei-Glatthaferwiesen, Halbtrockenrasen und Brachestrukturen erreicht die Art in den winkligen, kaum mehr genutzten Bereichen ihr Abundanzmaximum.

 

 

Magere Verkehrsnebenfläche und Bahnböschung (im Hintergrund). Derartige Habitate werden derzeit in Oberschwaben, wie hier bei Kisslegg, fast ausschließlich genutzt.

 

 

Magere Industriebrache in Oberschwaben bei Pfullendorf. Auf dieser prinzipiell idealen Fläche konnten 2010 nur wenige Falter beobachtet werden.

 

 

Aufgelassene Kiesgrube im Westallgäuer Hügelland bei Leutkirch: Die gesamte Sohle der Kiesgrube ist mit streureichen Festuca-Fazies überwachsen, hier konnten immerhin noch zehn Falter von E. medusa nachgewiesen werden.

 

 

Larvalhabitat-Struktur in der Kiesgrube bei Leutkirch. Gut zu erkennen ist die dicke Streuschicht und die Dominanz von Festuca.

 

 

Bahndamm im Westallgäuer Hügelland bei Gebrazhofen. An diesen eher mesophilen, jedoch streureichen und meist südexponierten Bahndämmen kann E. medusa auch aktuell noch in geringer Individuenzahl angetroffen werden.

 

 

Besiedlungstechnisch hochinteressant ist diese extensiv genutzte Feuchtwiese im Hegau bei Welschingen (NSG Hauwiesen). Zahlreiche derartige Habitate wurden ehemals in Oberschwaben besiedelt, jedoch alle, mit dieser Ausnahme, waren verweist. Auf diese Feuchtwiese konnte noch ein vereinzelter E. medusa nachgewiesen werden. Die relative Isoliertheit des Gebietes und die Vegetationsstruktur sprechen deutlich dafür, dass die Art auf derartigen Wiesen ehemals bodenständig war.

 

 

Einblick in die Vegetationsstruktur des NSG Hauwiesen: Festuca ist in dieser mageren Wiese gut vertreten. Wie viele andere extensiv genutzte Feucht- und Streuwiesen ist auch diese recht streureich und muss daher für E. medusa als recht geeignet gelten.

 

 

Flugstelle von E. medusa im Tauberland. Auch hier lebt die Art auf eher verfilzten, streureichen Magerrasen. In diesem recht warmen Naturraum erreicht die Art ebenfalls nur geringe Individuendichten.

 

 

Streureiche Magerbrache bei Lauda-Königshofen im Tauberland. Nur in diesem Bereich konnten vereinzelte Falter von E. medusa angetroffen werden, im angrenzenden Halbtrockenrasen (Muckenwinkel) fehlte die Art.

 

 

Larvalhabitat-Struktur bei Lauda-Königshofen. Eindeutig zu erkennen sind wieder die prägenden Elemente Streuschicht und Festuca-Horste.

 

 

Auf den streureichen und mageren Streuobstwiesen und Halbtrockenrasen der Jagsttal-Hänge fliegt E. medusa noch vereinzelt und individuenarm wie hier bei Mulfingen.

 

 

Eine magere, streureiche und mit Schlüsselblumen durchsetzte Wiese bei Löffingen im Baar-Wutach-Gebiet: Hier fliegen im Frühjahr neben E. medusa auch H. lucina und C. minimus.

 

 

Ein Paradies für Schmetterlinge, auch für E. medusa, ist der Hohenhewen im Hegau. Auf dieser mageren Hochwiese tritt beispielsweise auch Melitaea parthenoides massenhaft auf.

 

 

Rückgangsursachen: Die Erkenntnisse aus den Kartierungen der letzten drei Jahre, ergänzt durch die Ergebnisse experimenteller Larval-Überwinterungsversuche lässt für E. medusa nur einen Schluss zu: Der Rückgang ist durchaus klimatisch bedingt und nur regional auf Verschlechterungen der Habitatbedingungen zurück zu führen.

Oberrheinebene/Kraichgau: Das weitgehende rezente Fehlen der Art in diesen Regionen ist aktuell dadurch begründet, dass hier kaum noch streureiche und magere Brachen in großflächiger Ausprägung zu Verfügung stehen. Dass E. medusa jedoch auf diese angewiesen ist und nicht mehr in den extensiv genutzten Halbtrockenrasen der südlichen Oberrheinebene, des Kaiserstuhls und des Kraichgaus reproduzieren kann, ist auf die Notwendigkeit einer Streuschicht zur Kompensation der schlechten klimatischen Bedingungen zurück zu führen.

Obere Gäue: Die Metapopulationen des Heckengäus im Bereich der nördlichen Oberen Gäue können aktuell noch aufgrund des großen Angebots extensiv beweideter und bereichsweise streureicher Halbtrockenrasen existieren. Die Tendenzen sind jedoch auch in diesem klimatisch eher ungünstigen Raum rückläufig und es ist keineswegs sicher, dass sich die Art hier wird halten können. Im südlichen Teil der Oberen Gäue entsprechen die klimatischen Bedingungen weitaus besser den Ansprüchen von E. medusa. Dort ist die Art noch weit verbreitet und aktuell keinesfalls selten.

Albvorland: In diesem atlantisch geprägten Naturraum kann sich E. medusa aktuell nur noch in streureichen, meist stark eingenischten Brachen halten. Auf den mageren Tal- und Waldwiesen (die allerdings mittlerweile selten geworden sind) ist die Art genauso vergeblich zu suchen wie auf den Salbei-Glatthaferwiesen und Halbtrockenrasen des Schönbuch-Südwesthangs. Gerade am Schönbuch-Südwesthang und angrenzenden Gebieten wäre ein großzügiges und eng verknüpftes Habitatangebot vorhanden, um eine weitere Verbreitung der Art annehmen zu können.

Schwäbische Alb: Die Schwäbische Alb liegt aktuell noch im klimatischen Optimum von E. medusa. Außerdem existieren zahlreiche streureiche und magere Brachen und Nischen, die fast ausnahmslos von der Art besiedelt sind. Hier kann E. medusa die Synergieeffekte aus guter klimatischer Eignung und Habitatangebot zum Aufbau starker Metapopulationen nutzen.

Oberschwaben: Aktuelle Vorkommen existieren fast ausschließlich (Ausnahme NSG Hauwiesen im Hegau, s.o.) an streureichen Bahndämmen, Verkehrsnebenflächen und in Kiesgruben. Die ehemals aus dem gesamten Naturraum gemeldeten Vorkommen aus Feuchthabitaten (Niedermoore und Streuwiesen) sind heutzutage allesamt erloschen. Dies trifft außerdem auf die ehemals besiedelten Magerwiesen und Halbtrockenrasen des Bodenseegebiets zu, auch hier ist E. medusa mittlerweile komplett verschwunden. Wahrscheinlich bieten die im Vergleich zu den Brachen streuärmeren Feucht- und Trockenwiesen zu wenig Puffer, um eine erfolgreiche Überwinterung der Larvalstadien zu garantieren. Die Streuschicht bietet außerdem auch während des Sommers einen wichtigen Schutz für die austrocknungsempfindlichen Larven.

Tauberland und Jagsttal: Vereinzelte, individuenarme Populationen existieren meist auf streureichen Brachen und Halbtrockenrasen der Talhänge. Aufgrund des guten Habitatangebots und des geringen Isolationsgrades der Habitate in diesen Naturräumen wären bei guter klimatischer Eignung eine weiter Verbreitung und individuenreiche Populationen zu erwarten. Deshalb scheint auch hier die klimatische Entwicklung entscheidend zum Rückgang der Art beizutragen. Wahrscheinlich wird auch E. medusa in dieser Region in absehbarer Zeit verschwinden.

 

Erebia meolans

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