Melitaea parthenoides (Westlicher Scheckenfalter) (Keferstein, 1851)

 

Verbreitung in Deutschland: Melitaea parthenoides kommt in Deutschland aktuell nur noch in Rheinland-Pfalz (Vom Aussterben bedroht), Bayern (Stark gefährdet) und Baden-Württemberg (Stark gefährdet) vor. In Hessen ist die Art ausgestorben.

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Westliche Scheckenfalter ist bereichsweise in Oberschwaben (Allgäu) verbreitet, über das Bodenseebecken ziehen sich die Vorkommen dann bis zur Hegau- und Baaralb. Daneben kommt die Art auch am Kaiserstuhl vor. Die ehemaligen Vorkommen im Schönbuch und am Spitzberg sind aktuell erloschen.

Habitatansprüche: M. parthenoides besiedelt Magerrasen und auch einschürige Magerwiesen. In Oberschwaben kommt die Art außerdem in Niedermooren vor. Neben einer Generation, die vornehmlich in Oberschwaben ausgebildet wird, tritt etwa auf der Hegau-Alb oder am Kaiserstuhl auch noch eine zweite Generation auf. Die Raupe frisst an Wegerich-Arten (Plantago ssp.).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet. M. parthenoides ist in ganz Deutschland extrem rückläufig und aufgrund der Verfilzung von Magerrasen-Standorten sowie dem Verlust der Feuchtstandorte (Eutrophierung, Nutzungsaufgabe, Trockenlegung) stark gefährdet. Da Baden-Württemberg die stärksten Populationen der Art innerhalb Deutschlands beherbergt, hat das Land eine besondere Schutzverantwortung für den Westlichen Scheckenfalter. Zum Schutz der Art muss eine extensive Bewirtschaftung der Magerwiesen (einmalige Mahd) und Magerrasen (Wanderschäferei) sowie der Feuchtstandorte (Streumahd) aufrecht erhalten werden.

Eignung als Indikatorart: M. parthenoides ist ein guter Indikator für extensiv genutztes Magergrünland (feucht oder trocken).

 

Die in der Tabelle dargestellten Melitaea-Arten sind häufig anhand von Fotos kaum zu unterscheiden. Jedoch gelingt es durch Kombination von Merkmalen und durch Kenntnis von Verbreitung und Lebensraumansprüchen die Arten zumindest in Südwest-Deutschland einigermaßen sicher zu trennen. Recht einfach ist M. diamina von den anderen Arten zu unterscheiden, sie ist fast immer sehr dunkel gefärbt und fliegt verstärkt in feuchteren Habitaten. Ebenfalls gut zu unterscheiden ist M. parthenoides, die sich in ihrer baden-württembergischen Verbreitung nur teilweise mit den anderen Arten überschneidet, fuchsrote Palpen und eine hellrote Flügeloberseite besitzt. M. britomartis zeigt einen charakteristischen flatternden Flug, ist meist die kleinste Melitaea-Art und besitzt auf der Hinterflügel-Unterseite eine meist gut zu erkennende schwarz gefärbte Binde. Am schwierigsten ist die Unterscheidung zwischen M. aurelia und M. athalia. In eher mesophilen Habitaten ist im Normalfall nur mit M. athalia zu rechnen, die allerdings auch auf den von M. aurelia besiedelten Halbtrockenrasen fliegen kann. Im männlichen Geschlecht sind beide Arten kaum zu unterscheiden, auch wenn M. aurelia tendenziell kleiner ist. Im weiblichen Geschlecht dagegen besitzt M. aurelia fuchsrote Palpen und ist deshalb meist gut zu identifizieren.

Art Bevorzugtes Habitat Allgemeine Unterschiede Männchen Weibchen
Melitaea athalia Lichtwaldsituationen, Saumbereiche, Magerwiesen, Halbtrockenrasen Recht große Art Palpen schwarz Palpen schwarz
Melitaea aurelia Offene Halbtrockenrasen Recht kleine Art Palpen dunkel mit einigen rötlichen Haaren Palpen fuchsrot
Melitaea britomartis Halbtrockenrasen Sehr kleine Art, flatternder Flug, stark geschwärzter Randstreifen zwischen Marginallinien Palpen schwarz Palpen schwarz
Melitaea parthenoides Magerwiesen, Halbtrockenrasen Recht große Art, viel Rot auf den Flügeloberseiten mit charakteristischer Zeichnung Palpen fuchsrot Palpen fuchsrot
Melitaea diamina Feuchtwiesen, Lichtwaldsituationen, versaumte Halbtrockenrasen Recht große Art, sehr dunkle Flügelober- und -unterseite Palpen meist dunkel Palpen meist dunkel

 

Die folgende Bildübersicht kann ebenfalls bei der Artbestimmung hilfreich sein. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass gerade die Flügeloberseiten einiger Arten (z.B. Melitaea athalia) sehr variabel sein können und deshalb nur in wenigen Fällen (M. diamina, M. parthenoides) zur Artbestimmung hinzu gezogen werden können. Auch die Flügelunterseiten können nur bei einem Teil der Arten (M. britomartis, M. diamina) entscheidende Merkmale liefern.

Art Flügeloberseite Flügelunterseite
Melitaea athalia                                                                                            
Melitaea aurelia
Melitaea britomartis
Melitaea parthenoides
Melitaea diamina

 

 

Melitaea parthenoides am Kaiserstuhl (NSG Badberg) im Mai 2010.

 

 

Flügelunterseite von M. parthenoides am Kaiserstuhl (NSG Badberg), Juni 2010.

 

 

Weiterer M. parthenoides am Kaiserstuhl (NSG Badberg), Mai 2010.

 

 

Raupennest von M. parthenoides auf einem Magerrasen auf der Baar-Alb (Bonndorf), Oktober 2010.

 

 

Habitat von M. parthenoides am Kaiserstuhl (NSG Badberg), extensiv genutzte Magerhänge.

 

 

Extensiv genutzte Magerwiese auf der Hegau-Alb (Welschingen), Habitat von M. parthenoides.

 

 

Schematische Verbreitung von M. parthenoides in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

 

Melitaea diamina, Melitaea didyma

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