Melitaea parthenoides (Westlicher Scheckenfalter) (Keferstein, 1851)

 

Verbreitung in Deutschland: Melitaea parthenoides ist eine atlanto-mediterrane Art und kommt in Deutschland aktuell nur noch in Rheinland-Pfalz (Vom Aussterben bedroht), Bayern (Stark gefährdet) und Baden-Württemberg (Stark gefährdet) vor. In Hessen ist die Art ausgestorben (Settele et al. 2005). Bundesweit gilt sie als stark gefährdet (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Verbreitungsschwerpunkte des Westlichen Scheckenfalters sind der Hegau mit angrenzender Baaralb und Alb-Wutach-Gebiet sowie der Kaiserstuhl (Ebert & Rennwald 1991a). Darüber hinaus existieren kleinere Vorkommen im württembergischen Allgäu, am südlichen Oberrhein und im Hochrheingebiet im Grenzbereich zur Schweiz. Die ehemaligen Vorkommen am nördlichen Oberrhein, im Albvorland (Schönbuch und Spitzberg), im Südschwarzwald, auf der östlichen Schwäbischen Alb und in weiten Teilen Oberschwabens (nördliches Oberschwaben, Bodenseebecken) sind erloschen.

Habitatansprüche: M. parthenoides besiedelt Magerrasen und einschürige Magerwiesen. In Oberschwaben kommt die Art außerdem in streugenutzten Niedermooren vor. Neben einer Generation, die vornehmlich in Oberschwaben ausgebildet wird, tritt etwa auf der Hegau-Alb oder am Kaiserstuhl eine zweite Generation auf. Die Raupe frisst an Wegerich-Arten (Plantago spp.) (Ebert & Rennwald 1991a). Die im württembergischen Allgäu besiedelten Standorte zeichnen sich meist dadurch aus, dass es sich um wechseltrockene, magere Streuwiesen handelt, die strukturell und mikroklimatisch Halbtrockenrasen ähneln. Die Art ist dort sehr häufig mit dem Goldenen Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) vergesellschaftet. Entscheidend ist hier ein warmes Mikroklima in niedrigwüchsiger Vegetation, das durch regelmäßige Mahd und Verhinderung von Nährstoffeinträgen erhalten werden kann.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet (Ebert et al. 2005). M. parthenoides ist in ganz Deutschland rückläufig und aufgrund der Verfilzung von Magerrasen-Standorten sowie dem Verlust der Feuchtstandorte (Eutrophierung, Nutzungsaufgabe, Trockenlegung) stark gefährdet. Da Baden-Württemberg die stärksten Populationen der Art innerhalb Deutschlands beherbergt, hat das Land eine besondere Schutzverantwortung für den Erhalt des Westlichen Scheckenfalters. Zum Schutz der Art muss eine extensive Bewirtschaftung der Magerwiesen (Extensivmahd) und Magerrasen (Wanderschäferei) sowie der Feuchtstandorte (Streumahd) aufrecht erhalten werden.

Eignung als Indikatorart: M. parthenoides ist ein guter Indikator für extensiv genutztes Magergrünland (feucht oder trocken).

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991a): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1, Tagfalter 1. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 552 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

Die in der Tabelle dargestellten Melitaea-Arten sind häufig anhand von Fotos kaum zu unterscheiden. Jedoch gelingt es durch Kombination von Merkmalen und durch Kenntnis von Verbreitung und Lebensraumansprüchen die Arten zumindest in Südwest-Deutschland einigermaßen sicher zu trennen. Recht einfach ist M. diamina von den anderen Arten zu unterscheiden, sie ist fast immer sehr dunkel gefärbt und fliegt verstärkt in feuchteren Habitaten. Ebenfalls gut zu unterscheiden ist M. parthenoides, die sich in ihrer baden-württembergischen Verbreitung nur teilweise mit den anderen Arten überschneidet, fuchsrote Palpen und eine hellrote Flügeloberseite besitzt. M. britomartis zeigt einen charakteristischen flatternden Flug, ist meist die kleinste Melitaea-Art und besitzt auf der Hinterflügel-Unterseite eine meist gut zu erkennende schwarz gefärbte Binde. Am schwierigsten ist die Unterscheidung zwischen M. aurelia und M. athalia. In eher mesophilen Habitaten ist im Normalfall nur mit M. athalia zu rechnen, die allerdings auch auf den von M. aurelia besiedelten Halbtrockenrasen fliegen kann. Im männlichen Geschlecht sind beide Arten kaum zu unterscheiden, auch wenn M. aurelia tendenziell kleiner ist. Im weiblichen Geschlecht dagegen besitzt M. aurelia fuchsrote Palpen und ist deshalb meist gut zu identifizieren (Online).

Art Bevorzugtes Habitat Allgemeine Unterschiede Männchen Weibchen
Melitaea athalia Lichtwaldsituationen, Saumbereiche, Magerwiesen, Halbtrockenrasen Recht große Art Palpen schwarz Palpen schwarz
Melitaea aurelia Offene Halbtrockenrasen Recht kleine Art Palpen dunkel mit einigen rötlichen Haaren Palpen fuchsrot
Melitaea britomartis Halbtrockenrasen Sehr kleine Art, flatternder Flug, stark geschwärzter Randstreifen zwischen Marginallinien Palpen schwarz Palpen schwarz
Melitaea parthenoides Magerwiesen, Halbtrockenrasen Recht große Art, viel Rot auf den Flügeloberseiten mit charakteristischer Zeichnung Palpen fuchsrot Palpen fuchsrot
Melitaea diamina Feuchtwiesen, Lichtwaldsituationen, versaumte Halbtrockenrasen Recht große Art, sehr dunkle Flügelober- und -unterseite Palpen meist dunkel Palpen meist dunkel

 

Die folgende Bildübersicht kann ebenfalls bei der Artbestimmung hilfreich sein. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass gerade die Flügeloberseiten einiger Arten (z.B. Melitaea athalia) sehr variabel sein können und deshalb nur in wenigen Fällen (M. diamina, M. parthenoides) zur Artbestimmung hinzu gezogen werden können. Auch die Flügelunterseiten können nur bei einem Teil der Arten (M. britomartis, M. diamina) entscheidende Merkmale liefern.

Art Flügeloberseite Flügelunterseite
Melitaea athalia                                                                                            
Melitaea aurelia
Melitaea britomartis
Melitaea parthenoides
Melitaea diamina

 

 

Melitaea parthenoides am Kaiserstuhl (NSG Badberg) im Mai 2010.

 

 

Weiteres Männchen des Westlichen Scheckenfalters aus Oberschwaben (Leupolz), Juni 2013.

 

 

Flügelunterseite von M. parthenoides am Kaiserstuhl (NSG Badberg), Juni 2010.

 

 

Weiterer M. parthenoides am Kaiserstuhl (NSG Badberg), Mai 2010.

 

 

Raupennest von M. parthenoides auf einem Magerrasen auf der Baar-Alb (Bonndorf), Oktober 2010.

 

 

Überwinterte Raupe des Westlichen Scheckenfalters in Oberschwaben (Leupolz), April 2016.

 

 

Nochmals dieselbe Raupe an Spitzwegerich (Plantago lanceolata) fressend; Oberschwaben (Leupolz), April 2016.

 

 

Ältere Larve des Westlichen Scheckenfalters in einem Hangquellmoor in Oberschwaben (Leupolz), Mai 2016.

 

 

Kümmrige, gut besonnte Pflanzen des Spitzwegerichs (Plantago lanceolata) dienen als Nahrung des Westlichen Scheckenfalters in Oberschwaben (Leupolz), April 2016.

 

 

Blick aus dem Larvalhabitat (Kopfbinsenried mit trockenen Kuppen) in die umgebende Fläche in Oberschwaben (Leupolz), April 2016.

 

 

Habitat von M. parthenoides am Kaiserstuhl (NSG Badberg), extensiv genutzte Magerhänge.

 

 

Extensiv genutzte Magerwiese auf der Hegau-Alb (Welschingen), Habitat von M. parthenoides.

 

 

Habitat von M. parthenoides in Oberschwaben (Leupolz); die extensiv genutzte Streuwiese wird zu den Hangschultern hin deutlich trockener, fast halbtrockenrasenartig.

 

 

Schematische Verbreitung von M. parthenoides in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Erloschene Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Melitaea phoebe, Melitaea didyma

Übersicht