Boloria thore (Alpen-Perlmutterfalter) (Hübner, 1806)

 

Verbreitung in Deutschland: Boloria thore ist in Deutschland in ihrer Verbreitung auf den bayerischen Alpenraum und den nördlichsten Ausläufer der Alpen in Baden-Württemberg, die Adelegg, beschränkt (Settele et al. 2005). In Bayern ist die Art in den gesamten Bayerischen Alpen verbreitet und auch im bayerischen Teil der Adelegg weiter verbreitet (Nunner 2013). Bundesweit besteht eine Gefährdung unbekannten Ausmaßes (Status G) der Art (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Alpen-Perlmutterfalter wurde in Baden-Württemberg ausschließlich von der Adelegg bekannt (Ebert & Rennwald 1991a). Hier besiedelt die Art zur Zeit wenige Tobel, die im Rahmen des Artenschutzprogramms (ASP) des Landes Baden-Württemberg betreut werden.

Habitatansprüche: B. thore ist eine Charakterart lichter Wälder der montanen und subalpinen Stufe (Nunner 2013). In Baden-Württemberg werden lichte Bereiche der frisch-feuchten Tobel besiedelt (Ebert & Rennwald 1991a). Hier sind es häufig quellige Standorte mit Wuchsorten der Wirtspflanzen (Viola biflora), die als Larvalhabitate dienen. In Bayern werden auch Lichtwaldbereiche, Waldränder, Lawinenrinnen, Hangrutschungen, Quellsümpfe und Übergangsbereiche vom subalpinen Bergwald zur Zwergstrauch- und Krummholzzone besiedelt (Nunner 2013).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Vom Aussterben bedroht (Ebert et al. 2005). Der Alpen-Perlmutterfalter ist aufgrund seiner klimatischen Einnischung nur in einem kleinen subalpinen Bereich im äußersten Südosten Baden-Württembergs anzutreffen und vom Aussterben bedroht. Nutzungsänderungen in der Waldwirtschaft führen auf der Adelegg dazu, dass die ehemals lichten Wälder und Tobel zuwachsen und geeignete Habitate immer seltener werden. Momentan sind nur drei Tobel besiedelt, die aufgrund von Sturmwürfen aktuell noch relativ licht sind. Ohne waldwirtschaftliche Maßnahmen wäre es nur möglich auf die Wiederkehr derartiger "Katastrophenereignisse" zu vertrauen. Im Rahmen des Artenschutzprogramms wird deshalb versucht durch gezielte Auflichtungen in den Tobelbereichen geeignete Larval- und Imaginalhabitate zu schaffen.

Eignung als Indikatorart: B. thore ist ein guter Indikator für lichte Wälder der montanen bis subalpinen Stufe.

Bestimmung: Der Alpen-Perlmutterfalter ist aufgrund seiner abgedunkelten Flügeloberseite und den zu einem Band verschmolzenen gelben Flecken auf der Flügelunterseite eigentlich unverwechselbar. Da im baden-württembergischen Lebensraum weitere Perlmutterfalter-Arten (B. euphrosyne, B. selene) häufig auftreten, sollte die Bestimmung aufgrund der Seltenheit der Art möglichst mittels Fotobeleg abgesichert werden.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991a): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1, Tagfalter 1. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 552 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Nunner, A. (2013): Alpen-Perlmutterfalter - Boloria thore (Hübner, 1806). In: Bräu, M., Bolz, R., Kolbeck, H., Nunner, A., Voith, J. & W. Wolf (Hrsg.): Tagfalter in Bayern. - Ulmer-Verlag (Stuttgart), 360-361.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

 

Sich sonnendes Weibchen des Alpen-Perlmutterfalters (Boloria thore) auf der Adelegg, charakteristisch ist die abgedunkelte Oberseite, Juli 2013.

 

 

Männchen des Alpen-Perlmutterfalters bei der Nektaraufnahme auf der Adelegg, Juli 2013.

 

 

Weiteres, sich sonnendes Männchen von B. thore auf der Adelegg, Juli 2013.

 

 

Bei diesem nektarsaugenden Weibchen ist die Flügelunterseite etwas zu erkennen, Adelegg, Juli 2013.

 

 

Mäßig lichter und luftfeuchter Tobeleinschnitt mit Hangrutschungsbereichen und mageren Staudenfluren, Habitat des Alpen-Perlmutterfalters auf der Adelegg.

 

 

Durch Sturmwürfe lichter oberer Tobeleinschnitt mit Wuchsorten der Wirtspflanze Viola biflora, Habitat von B. thore auf der Adelegg.

 

 

Weiterer Tobeleinschnitt, der durch Sturmwürfe sehr offen und licht ist, auch hier kommt B. thore vor.

 

 

Derartige Auflichtungen in den Bergwäldern der Adelegg benötigt B. thore sowie zahlreiche weitere Arten.

 

 

Schematische Verbreitung von B. thore in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

 

Boloria selene, Boloria titania                                                  

Übersicht