Limenitis camilla (Kleiner Eisvogel) (Linnaeus, 1764)

 

Verbreitung in Deutschland: Limenitis camilla ist zwar in ganz Deutschland verbreitet, in den meisten Bundesländern jedoch mehr oder weniger stark gefährdet. Vor allem im Norden Deutschlands sind die Vorkommen sehr lokal und bedroht (Settele et al. 2005). Bundesweit steht die Art aktuell auf der Vorwarnliste (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Prinzipiell kann der Kleine Eisvogel in ganz Baden-Württemberg angetroffen werden. Hierbei bestehen jedoch große naturräumliche Unterschiede. Vor allem am südlichen Oberrhein, im Albvorland, in der Kocher-Jagst-Region, am Albtrauf sowie in weiten Bereichen der Schwäbischen Alb selbst und in Oberschwaben kann die Art regelmäßig bis häufig angetroffen werden. Im Schwarzwald und in großen Teilen des Kraichgaus und Baulandes sind nur isolierte Vorkommen bekannt (Ebert & Rennwald 1991a).

Habitatansprüche: L. camilla tritt fast immer an eher schattigen bis halbschattigen bzw. wechselschattigen Standorten in meist feuchten Laub(misch)wäldern auf. Zudem kann man die Art auch in versaumten Halbtrockenrasen oder an Waldrändern antreffen. Die Larve lebt an Roter Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), Wald-Geißblatt (Lonicera periclymemum) und Schneebeere (Symphoricarpos rivularis) (Ebert & Rennwald 1991a).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Ungefährdet (Ebert et al. 2005). Der Kleine Eisvogel ist in vielen Wäldern Baden-Württembergs noch regelmäßig anzutreffen. Trotzdem sind in einigen Regionen (Oberrheinebene, Oberschwaben) eindeutige Rückgangstendenzen erkennbar, sodass die in weiten Teilen Deutschlands schon gefährdete Art unter genauer Beobachtung stehen sollte.

Eignung als Indikatorart: L. camilla kann als Indikator lichter, luftfeuchter Wälder dienen.

Bestimmung: Der Kleine Eisvogel kann mit dem Blauschwarzen Eisvogel (Limenitis reducta) verwechselt werden. Von ihm unterscheidet er sich durch die doppelte Fleckenreihe auf der Hinterflügel-Unterseite und durch den nur schwach ausgeprägten weißen Fleck an der Basis der Vorderflügel-Oberseite. Die Hibernacula beider Arten können kaum unterschieden werden, allerdings ist bei Hibernacula an luftfeuchten, schattigen Standorten immer von L. camilla auszugehen, an sonnigen Standorten jedoch keinesfalls immer von L. reducta. Auch die Raupen können (im Hibernaculum) anhand der Anzahl, Form und Färbung der Bedornung bestimmt werden (Hermann 2007).

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991a): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1, Tagfalter 1. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 552 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Hermann, G. (2007): Tagfalter suchen im Winter - Searching for Butterflies in Winter. - Books on Demand (Norderstedt), 224 S.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

 

Limenitis camilla auf einem wechselschattigen Weg zwischen Magerrasen und Wald im Tauberland (Tauberbischofsheim), Juni 2010.

 

 

Ein weiterer Kleiner Eisvogel im Tauberland (Tauberbischofsheim), Juni 2010.

 

 

Flügelunterseite von L. camilla auf der Mittleren Schwäbischen Alb, Juli 2013.

 

 

Unterseite von L. camilla in einem Wohngebiet im Albvorland (Dettenhausen), Juni 2008.

 

 

L. camilla saugend auf einem Weg im Tauberland (Tauberbischofsheim), Juni 2010.

 

 

Stark abgeflogener Kleiner Eisvogel auf einer Sturmwurffläche im Albvorland (Ammerbuch), Juli 2009.

 

 

L. camilla saugt auch gerne an Kot wie hier im Albvorland (NSG Schaichtal), Juni 2008.

 

 

Hibernaculum des Kleinen Eisvogel in einem Tal auf der Schwäbischen Alb (Kreenheinstetten), April 2017.

 

 

Taleinschnitt auf der Mittleren Schwäbischen Alb mit zahlreichen Heckenkirschen; Habitat von L. camilla.

 

 

Larvalhabitat des Kleinen Eisvogels in einem luftfeuchten, wechselschattigen Taleinschnitt auf der Schwäbischen Alb (Kreenheinstetten).

 

 

Schematische Verbreitung von L. camilla in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Vanessa cardui, Limenitis populi, Limenitis reducta

Übersicht