Boloria aquilonaris (Hochmoor-Perlmutterfalter) (Stichel, 1908)

 

Verbreitung in Deutschland: Boloria aquilonaris ist in fast ganz Deutschland verbreitet, jedoch in allen Bundesländern zumindest stark gefährdet (Settele et al. 2005). Bundesweit gilt die Art aktuell als stark gefährdet (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Hochmoor-Perlmutterfalter kommt in Baden-Württemberg in zwei disjunkten Arealen vor. Zum einen wird Oberschwaben besiedelt, hier ist die Art vor allem im Westallgäuer Hügelland verbreitet, zum anderen kommt die Art auch in den Hochmooren des Mittleren und Südlichen Schwarzwaldes vor. Die ehemaligen Vorkommen im Baar-Wutach-Gebiet können aktuell nicht mehr bestätigt werden (Ebert & Rennwald 1991a).

Habitatansprüche: B. aquilonaris ist ein Spezialist der offenen Hoch- und Übergangsmoore. Hier befindet sich auch das Larvalhabitat, in dem sich die Raupe von der Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) ernährt. Die Imagines nutzen aufgrund der Blütenarmut im Hochmoor auch angrenzende Streu- und Feuchtwiesen als Nektarquelle (Ebert & Rennwald 1991a). Der Hochmoor-Perlmutterfalter ist nicht ganz so eng an Hochmoore gebunden wie etwa der Hochmoor-Gelbling (Colias palaeno) oder der Hochmoor-Bläuling (Plebejus optilete), sondern ist auch in der Lage in Richtung Zwischenmoor tendierende Niedermoore und Streuwiesen mit Vorkommen der Moosbeere zu besiedeln.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet (Ebert et al. 2005). Der Hochmoor-Perlmutterfalter ist aufgrund seiner engen ökologischen Nische in Baden-Württemberg stark gefährdet. In der Vergangenheit fielen zahlreiche Hochmoore dem Torfabbau und der Trockenlegung zum Opfer, auch heute noch werden vor allem angrenzende Feuchtwiesen drainagiert, sodass in der Folge auch den benachbarten Hochmooren das Wasser entzogen wird. Auch die zunehmende Verwaldung von Hochmoor-Standorten als Folge eines gestörten Wasserhaushalts führt zu empfindlichen Lebensraumverlusten. Zum Schutz dieses und zahlreicher weiterer Hochmoor-Spezialisten müssen alle noch erhalten gebliebenen Hochmoore unter Schutz gestellt und die Hochmoor-Bereiche offen gehalten werden (Ebert & Rennwald 1991a).

Eignung als Indikatorart: B. aquilonaris ist ein sehr guter Indikator für offene Hoch- und Übergangsmoore.

Bestimmung: Der Hochmoor-Perlmutterfalter sieht dem Magerrasen-Perlmutterfalter (Boloria dia) etwas ähnlich, fliegt aber in komplett anderen Lebensräumen und ist größer als dieser. Charakteristisch ist die Färbung und violette Übergießung der Flügelunterseite, oberseits kann die Art bei flüchtiger Bestimmung schnell mit weiteren zeitgleich fliegenden Arten (z.B. Braunfleckiger Perlmutterfalter - Boloria selene) verwechselt werden.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991a): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1, Tagfalter 1. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 552 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

 

Flügeloberseite eines frisch geschlüpften Boloria aquilonaris im Südschwarzwald (Hinterzarten), Mai 2011.

 

 

Weiterer Hochmoor-Perlmutterfalter aus Oberschwaben (Isny), Juli 2013.

 

 

Flügelunterseite von B. aquilonaris aus dem Südschwarzwald (Hinterzarten), Mai 2011.

 

 

Der Hochmoor-Perlmutterfalter als Opfer der Krabbenspinne Misumena vatia in Oberschwaben (Immenried), Juli 2016.

 

 

Eiablage von B. aquilonaris in einem streugenutzten Zwischenmoor im württembergischen Allgäu (Isny), Juni 2016.

 

 

Habitat des Hochmoor-Perlmutterfalters, offenes Hochmoor im Südschwarzwald (Hinterzarten).

 

 

Auch anmoorige Streuwiesen - wie hier in Oberschwaben (Isny) - können als Entwicklungshabitat von B. aquilonaris dienen.

 

 

Weiteres streugenutztes Zwischenmoor im Allgäu (Isny) als Habitat des Hochmoor-Perlmutterfalters.

 

 

Habitat des Hochmoor-Perlmutterfalters im württembergischen Allgäu (Waldburg), ein nährstoffarmer Zwischenmoorbereich.

 

 

Schematische Verbreitung von B. aquilonaris in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Schwarze Punke: Eigene Nachweise

 

Boloria dia, Boloria euphrosyne                                                   

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