Boloria titania (Natterwurz-Perlmutterfalter) (Esper, 1793)

Verbreitung in Deutschland: Boloria titania tritt in Deutschland ausnahmslos im Süden auf. Hier besiedelt die Art einige Mittelgebirge und das Voralpenland Bayerns und Baden-Württembergs (Settele et al. 2005). Bundesweit steht die Art aktuell auf der Vorwarnliste (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Natterwurz-Perlmutterfalter kommt aktuell wahrscheinlich nur noch im südlichen bis hin zum mittleren Schwarzwald vor. Die Vorkommen im äußersten Südosten Baden-Württembergs (Adelegg und angrenzende Niedermoore) sind bereits seit längerer Zeit unbestätigt und konnten trotz intensiver Nachsuche nicht mehr nachgewiesen werden. Die ehemaligen Vorkommen im Baar-Wutach-Gebiet (Pfohrener Ried), im Illertal und im Westallgäuer Hügelland sind alle bereits seit längerer Zeit erloschen (Ebert & Rennwald 1991a).

Habitatansprüche: Der Natterwurz-Perlmutterfalter besiedelt feuchte Schonungen innerhalb von Wäldern, außerdem Feucht- und Nasswiesen sowie Niedermoore. Hier lebt die Raupe vor allem an Wiesen-Knöterich (Polygonum bistorta) (Ebert et al. 2005), regional (z. B. im Alpenraum) überwiegt jedoch die Nutzung von Veilchen (Viola spp.). So existieren auf der Adelegg Fundstellen, an denen der Wiesen-Knöterich nicht vorkommt (Ebert & Rennwald 1991a).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet (Ebert et al. 2005). B. titania besitzt mittlerweile in Baden-Württemberg ein recht eng begrenztes Verbreitungsgebiet, alle isolierten Population sind wohl bereits erloschen. Innerhalb des Verbreitungszentrums im Schwarzwald gehen Habitate durch Nutzungsaufgabe und Aufforstung verloren. Zum Schutz der Art müssen diese Grenzertragsstandorte durch sehr extensive (mehrjährige) Nutzung offen gehalten werden.

Eignung als Indikatorart: B. titania ist ein guter Indikator für Feuchthabitate in montaner Lage.

Bestimmung: Der Natterwurz-Perlmutterfalter ist deutlich größer als andere Arten der Gattung Boloria. Weiterhin sind die stark ausgeprägten Dreiecke auf dem Hinterflügel sowie die charakteristische violette Übergießung der Hinterflügel-Unterseite gute Bestimmungsmerkmale.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991a): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1, Tagfalter 1. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 552 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

Boloria titania an Sumpf-Kratzdistel saugend auf einer Feuchtwiese im Südschwarzwald (Furtwangen), Juli 2011.

 

Flügelunterseite von B. titania auf einer Feuchtbrache am Waldrand im Südschwarzwald (Furtwangen), Juli 2011.

 

Jungraupe von B. titania im Südschwarzwald (Vöhrenbach); in diesem Stadium sind die gelben Tentakel noch nicht ausgeprägt, Mai 2018.

 

Sich sonnende Raupe des Natterwurz-Perlmutterfalters im Südschwarzwald (Vöhrenbach), Mai 2018.

 

Weitere Raupe von B. titania im Südschwarzwald (Vöhrenbach), Mai 2018.

 

Typische Fundsituation der Raupe des Natterwurz-Perlmutterfalters im Südschwarzwald (Vöhrenbach); sich sonnend auf einem Blatt des Wiesen-Knöterichs, Mai 2018.

 

Sich sonnende Raupe des Natterwurz-Perlmutterfalters im Larvalhabitat im Südschwarzwald (Vöhrenbach), Mai 2018.

 

Larvalhabitat von B. titania im Südschwarzwald (Vöhrenbach); eine magere Feuchtbrache mit guten Beständen des Wiesen-Knöterichs.

 

(Larval-)Habitat des Natterwurz-Perlmutterfalters im Südschwarzwald (Vöhrenbach), das gerade im Begriff ist, aufgeforstet zu werden.

 

Extensiv genutzte Talwiese mit Brachebereichen im Südschwarzwald (Furtwangen) als Habitat für B. titania.

 

Feuchtbrache am Waldrand, ebenfalls Habitat des Natterwurz-Perlmutterfalters im Südschwarzwald (Furtwangen).

 

Habitat von B. titania im südlichen Schwarzwald (Kappel); magere, extensiv genutzte, sehr artenreiche Feuchtwiesen.

 

Schematische Verbreitung von B. titania in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Ehemals belegte Vorkommen (letztes Nachweisdatum)

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise Stand 2016

Aglais io, Aglais urticae, Nymphalis c-album, Nymphalis polychloros, Nymphalis antiopa, Araschnia levana, Vanessa atalanta, Vanessa cardui, Limentis camilla, Limenitis populi, Limenitis reducta, Apatura iris, Apatura ilia, Argynnis paphia, Argynnis niobe, Argynnis adippe, Argynnis aglaja, Issoria lathonia, Melitaea athalia, Melitaea aurelia, Melitaea britomartis, Melitaea diamina, Melitaea phoebe, Melitaea parthenoides, Melitaea didyma, Melitaea cinxia, Boloria eunomia, Boloria selene, Boloria thore, Boloria titania, Boloria dia, Boloria aquilonaris, Boloria euphrosyne, Brenthis daphne, Brenthis ino, Euphydryas aurinia, Euphydryas maturna                                                   

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