Melitaea diamina (Baldrian-Scheckenfalter) (Lang, 1789)
Verbreitung in Deutschland: Melitaea diamina ist in ganz Deutschland verbreitet, jedoch vor allem in den nördlichen Bundesländern vom Aussterben bedroht oder zumindest stark gefährdet. Allein im Süden Deutschlands ist die Art häufiger, aber ebenfalls gefährdet.
Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Baldrian-Scheckenfalter kann prinzipiell in ganz Baden-Württemberg angetroffen werden. Allein aus der Mittleren und Nördlichen Oberrheinebene und aus dem nördlichen Kraichgau sind keine neuen Meldungen bekannt. Verbreitungsschwerpunkte der Art sind der südliche Schwarzwald, das südliche Oberschwaben und das Tauberland. Daneben existieren zahlreiche kleinere Vorkommen etwa im nördlichen Schwarzwald, im südlichen Kraichgau, im Albvorland (Rammert), in den Keuperwaldbergen oder auf der Schwäbischen Alb.
Habitatansprüche: Als Verschiedenbiotop-Bewohner ist M. diamina in den Niedermooren Oberschwabens und des Schwarzwaldes anzutreffen, aber auch auf meist versaumten Halbtrockenrasen und in lichten Wäldern mit Pfeifengraslichtungen. Die Raupe frisst an verschiedenen Baldrian-Arten (Valeriana ssp.).
Gefährdung/Schutz: RL BW: Gefährdet. M. diamina ist in Baden-Württemberg aufgrund von Nutzungsintensivierungen, Trockenlegungen und Grundwasserspiegelabsenkungen auf Feuchtstandorten gefährdet. Daneben verliert die Art auch in den Wäldern weitere Habitate durch Aufgabe der Streuwiesennutzung, Hochwaldnutzung und Aufforstungen. Zum Schutz des Baldrian-Scheckenfalters müssen magere Feuchtgebiete erhalten und die Forstwirtschaft extensiviert werden.
Eignung als Indikatorart: M. diamina kann als Indikator magerer Feuchtstandorte gelten.
Die in der Tabelle dargestellten Melitaea-Arten sind häufig anhand von Fotos kaum zu unterscheiden. Jedoch gelingt es durch Kombination von Merkmalen und durch Kenntnis von Verbreitung und Lebensraumansprüchen die Arten zumindest in Südwest-Deutschland einigermaßen sicher zu trennen. Recht einfach ist M. diamina von den anderen Arten zu unterscheiden, sie ist fast immer sehr dunkel gefärbt und fliegt verstärkt in feuchteren Habitaten. Ebenfalls gut zu unterscheiden ist M. parthenoides, die sich in ihrer baden-württembergischen Verbreitung nur teilweise mit den anderen Arten überschneidet, fuchsrote Palpen und eine hellrote Flügeloberseite besitzt. M. britomartis zeigt einen charakteristischen flatternden Flug, ist meist die kleinste Melitaea-Art und besitzt auf der Hinterflügel-Unterseite eine meist gut zu erkennende schwarz gefärbte Binde. Am schwierigsten ist die Unterscheidung zwischen M. aurelia und M. athalia. In eher mesophilen Habitaten ist im Normalfall nur mit M. athalia zu rechnen, die allerdings auch auf den von M. aurelia besiedelten Halbtrockenrasen fliegen kann. Im männlichen Geschlecht sind beide Arten kaum zu unterscheiden, auch wenn M. aurelia tendenziell kleiner ist. Im weiblichen Geschlecht dagegen besitzt M. aurelia fuchsrote Palpen und ist deshalb meist gut zu identifizieren.
| Art | Bevorzugtes Habitat | Allgemeine Unterschiede | Männchen | Weibchen |
| Melitaea athalia | Lichtwaldsituationen, Saumbereiche, Magerwiesen, Halbtrockenrasen | Recht große Art | Palpen schwarz | Palpen schwarz |
| Melitaea aurelia | Offene Halbtrockenrasen | Recht kleine Art | Palpen dunkel mit einigen rötlichen Haaren | Palpen fuchsrot |
| Melitaea britomartis | Halbtrockenrasen | Sehr kleine Art, flatternder Flug, stark geschwärzter Randstreifen zwischen Marginallinien | Palpen schwarz | Palpen schwarz |
| Melitaea parthenoides | Magerwiesen, Halbtrockenrasen | Recht große Art, viel Rot auf den Flügeloberseiten mit charakteristischer Zeichnung | Palpen fuchsrot | Palpen fuchsrot |
| Melitaea diamina | Feuchtwiesen, Lichtwaldsituationen, versaumte Halbtrockenrasen | Recht große Art, sehr dunkle Flügelober- und -unterseite | Palpen meist dunkel | Palpen meist dunkel |
Die folgende Bildübersicht kann ebenfalls bei der Artbestimmung hilfreich sein. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass gerade die Flügeloberseiten einiger Arten (z.B. Melitaea athalia) sehr variabel sein können und deshalb nur in wenigen Fällen (M. diamina, M. parthenoides) zur Artbestimmung hinzu gezogen werden können. Auch die Flügelunterseiten können nur bei einem Teil der Arten (M. britomartis, M. diamina) entscheidende Merkmale liefern.
| Art | Flügeloberseite | Flügelunterseite |
| Melitaea athalia |
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| Melitaea aurelia |
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| Melitaea britomartis |
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| Melitaea parthenoides |
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| Melitaea diamina |
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Melitaea diamina ist oberseits meist recht dunkel gefärbt, hier im Tauberland (Königheim), Juni 2010.

Weiterer Falter von M. diamina aus Schweden (Großraum Uppsala), Juni 2011.

An Kot saugender M. diamina im Tauberland (Königheim), Juni 2010.

Ein weiterer M. diamina in einem Niedermoor Oberschwabens (Kisslegg), Juni 2010.

Habitat von M. diamina im Allgäu (Umgebung Kisslegg), eine magere Feuchtwiese.

Verebnungsfläche an einem Bahndamm im Albvorland (Dusslingen), hier fliegt M. diamina in den feuchteren Bereichen.

Versaumter Halbtrockenrasen im Tauberland (Tauberbischofsheim) als Habitat von M. diamina.

Schematische Verbreitung von M. diamina in Baden-Württemberg:
Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Melitaea britomartis, Melitaea phoebe, Melitaea parthenoides