Melitaea diamina (Baldrian-Scheckenfalter) (Lang, 1789)

 

Verbreitung in Deutschland: Melitaea diamina ist in ganz Deutschland verbreitet, jedoch vor allem in den nördlichen Bundesländern meist vom Aussterben bedroht oder zumindest stark gefährdet. Allein im Süden Deutschlands ist die Art häufiger, aber ebenfalls gefährdet (Settele et al. 2005). Bundesweit gilt M. diamina aktuell als gefährdet (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Baldrian-Scheckenfalter kann prinzipiell in ganz Baden-Württemberg angetroffen werden. Allein aus der Mittleren und Nördlichen Oberrheinebene und aus dem nördlichen Kraichgau sind keine neueren Meldungen bekannt. Verbreitungsschwerpunkte sind der südliche Schwarzwald, das südliche Oberschwaben, die Schwäbische Alb und das Tauberland. Daneben existieren zahlreiche kleinere Vorkommen etwa im nördlichen Schwarzwald, im südlichen Kraichgau, im Albvorland oder in den Keuperwaldbergen (Ebert & Rennwald 1991a).

Habitatansprüche: Als Verschiedenbiotop-Bewohner ist M. diamina in den Niedermooren Oberschwabens und des Schwarzwaldes anzutreffen, aber auch auf meist versaumten Halbtrockenrasen und in lichten Wäldern mit Pfeifengraslichtungen und Quellaustritten. Feuchtere Kahlschläge und Sturmwurflichtungen sind ebenfalls Lebensräume der Art. Die Raupe frisst an verschiedenen Baldrian-Arten (Valeriana spp.) (Ebert & Rennwald 1991a). In den oberschwäbischen Streuwiesen ist M. diamina eindeutig die häufigste Melitaea-Art.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Gefährdet (Ebert et al. 2005). M. diamina ist in Baden-Württemberg aufgrund von Nutzungsintensivierungen, Trockenlegungen und Grundwasserspiegelabsenkungen auf Feuchtstandorten gefährdet. Daneben verliert die Art auch in den Wäldern weitere Habitate durch Aufgabe der Streuwiesennutzung, Hochwaldnutzung und Aufforstungen. Zum Schutz des Baldrian-Scheckenfalters müssen magere Feuchtgebiete erhalten und lichte Wälder durch Zulassen dynamischer Prozesse im Wald (Kahlschläge, Nieder- und Mittelwaldnutzung) geschaffen werden.  

Eignung als Indikatorart: M. diamina kann als Indikator magerer Feuchtstandorte und lichter Wälder gelten.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991a): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1, Tagfalter 1. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 552 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

Die in der Tabelle dargestellten Melitaea-Arten sind häufig anhand von Fotos kaum zu unterscheiden. Jedoch gelingt es durch Kombination von Merkmalen und durch Kenntnis von Verbreitung und Lebensraumansprüchen die Arten zumindest in Südwest-Deutschland einigermaßen sicher zu trennen. Recht einfach ist M. diamina von den anderen Arten zu unterscheiden, sie ist fast immer sehr dunkel gefärbt und fliegt verstärkt in feuchteren Habitaten. Ebenfalls gut zu unterscheiden ist M. parthenoides, die sich in ihrer baden-württembergischen Verbreitung nur teilweise mit den anderen Arten überschneidet, fuchsrote Palpen und eine hellrote Flügeloberseite besitzt. M. britomartis zeigt einen charakteristischen flatternden Flug, ist meist die kleinste Melitaea-Art und besitzt auf der Hinterflügel-Unterseite eine meist gut zu erkennende schwarz gefärbte Binde. Am schwierigsten ist die Unterscheidung zwischen M. aurelia und M. athalia. In eher mesophilen Habitaten ist im Normalfall nur mit M. athalia zu rechnen, die allerdings auch auf den von M. aurelia besiedelten Halbtrockenrasen fliegen kann. Im männlichen Geschlecht sind beide Arten kaum zu unterscheiden, auch wenn M. aurelia tendenziell kleiner ist. Im weiblichen Geschlecht dagegen besitzt M. aurelia fuchsrote Palpen und ist deshalb meist gut zu identifizieren (Online).

Art Bevorzugtes Habitat Allgemeine Unterschiede Männchen Weibchen
Melitaea athalia Lichtwaldsituationen, Saumbereiche, Magerwiesen, Halbtrockenrasen Recht große Art Palpen schwarz Palpen schwarz
Melitaea aurelia Offene Halbtrockenrasen Recht kleine Art Palpen dunkel mit einigen rötlichen Haaren Palpen fuchsrot
Melitaea britomartis Halbtrockenrasen Sehr kleine Art, flatternder Flug, stark geschwärzter Randstreifen zwischen Marginallinien Palpen schwarz Palpen schwarz
Melitaea parthenoides Magerwiesen, Halbtrockenrasen Recht große Art, viel Rot auf den Flügeloberseiten mit charakteristischer Zeichnung Palpen fuchsrot Palpen fuchsrot
Melitaea diamina Feuchtwiesen, Lichtwaldsituationen, versaumte Halbtrockenrasen Recht große Art, sehr dunkle Flügelober- und -unterseite Palpen meist dunkel Palpen meist dunkel

 

Die folgende Bildübersicht kann ebenfalls bei der Artbestimmung hilfreich sein. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass gerade die Flügeloberseiten einiger Arten (z.B. Melitaea athalia) sehr variabel sein können und deshalb nur in wenigen Fällen (M. diamina, M. parthenoides) zur Artbestimmung hinzu gezogen werden können. Auch die Flügelunterseiten können nur bei einem Teil der Arten (M. britomartis, M. diamina) entscheidende Merkmale liefern.

Art Flügeloberseite Flügelunterseite
Melitaea athalia                                                                                            
Melitaea aurelia
Melitaea britomartis
Melitaea parthenoides
Melitaea diamina

 

 

Melitaea diamina ist oberseits meist recht dunkel gefärbt, hier im Tauberland (Königheim), Juni 2010.

 

 

Weiterer Falter von M. diamina aus Schweden (Großraum Uppsala), Juni 2011.

 

 

Weiterer M. diamina aus Oberschwaben (Leupolz), Juni 2013.

 

 

An Kot saugender M. diamina im Tauberland (Königheim), Juni 2010.

 

 

Ein weiterer M. diamina in einem Niedermoor Oberschwabens (Kisslegg), Juni 2010.

 

 

Dieses kleine Raupengespinst in einer oberschwäbischen Streuwiese (Siberatsweiler) gehört höchstwahrscheinlich zu M. diamina, August 2014.

 

 

Junge Raupe von M. diamina an Kleinem Baldrian (Valeriana dioica) fressend; Oberschwaben (NSG Rothasweiher-Degermoos), April 2016.

 

 

Erwachsene Raupe des Baldrian-Scheckenfalters an Echtem Baldrian (Valeriana officinalis) fressend, Schwäbische Alb (Oberstetten), Juni 2016.

 

 

Habitat von M. diamina im Allgäu (Umgebung Kisslegg), eine magere Feuchtwiese.

 

 

Großflächiger Streuwiesenkomplex in Oberschwaben (Siberatsweiler) als charakteristischer Lebensraum des Baldrian-Scheckenfalters im Allgäu.

 

 

Luftfeuchte, lichte Tobeleinschnitte mit Baldrian-Vorkommen sind Habitate von M. diamina auf der Adelegg.

 

 

Verebnungsfläche an einem Bahndamm im Albvorland (Dusslingen), hier fliegt M. diamina in den feuchteren Bereichen.

 

 

Versaumter Halbtrockenrasen im Tauberland (Tauberbischofsheim) als Habitat von M. diamina.

 

 

Larvalhabitat von M. diamina auf der Schwäbischen Alb (Oberstetten), ein nordexponierter, frisch entbuschter Magerrasen.

 

 

Detailblick ins Larvalhabitat des Baldrian-Scheckenfalters auf der Schwäbischen Alb (Oberstetten).

 

 

Schematische Verbreitung von M. diamina in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Melitaea britomartis, Melitaea phoebe

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