Melitaea aurelia (Ehrenpreis-Scheckenfalter) (Nickerl, 1850)

 

Verbreitung in Deutschland: Melitaea aurelia ist vor allem im südlichen Deutschland verbreitet und fehlt aktuell in Brandenburg und Schleswig-Holstein. In vielen nördlichen Bundesländern (Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen) ist die Art vom Aussterben bedroht (Settele et al. 2005). Bundesweit steht die Art aktuell auf der Vorwarnliste (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Ehrenpreis-Scheckenfalter ist vor allem auf der Schwäbischen Alb (bis zur Baar- und Hegaualb) und im Tauberland verbreitet (Ebert & Rennwald 1991a). Die (ehemaligen) Vorkommen in den nördlichen Oberen Gäuen und im Kraichgau können aktuell wohl nicht mehr bestätigt werden (Online).

Habitatansprüche: Ähnlich wie Melitaea britomartis ist auch M. aurelia eine Magerrasen-Art, die primär auf den Kalk-Magerrasen der Alb und des Tauberlandes anzutreffen ist. Die Raupe frisst vornehmlich an Wegerich-Arten (Plantago spp.), jedoch auch am namensgebenden Ehrenpreis (Veronica spp.) (Ebert & Rennwald 1991a). Im Vergleich zu M. britomartis ist der Ehrenpreis-Scheckenfalter etwas anspruchsvoller bezüglich der Habitatwahl und benötigt relativ offene und xerotherme Halbtrockenrasen, weshalb die Art auf der Schwäbischen Alb meist auch deutlich weniger stetig und individuenärmer als der Östliche Scheckenfalter auftritt.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Gefährdet (Ebert et al. 2005). Die Art reagiert empfindlich auf das Brachfallen der Magerrasen mit anschließender Verfilzung und Sukzession. Deshalb ist M. aurelia aktuell in Baden-Württemberg gefährdet. Zum Schutz der Art muss eine extensive Bewirtschaftung (Wanderschäferei) der Magerrasen-Standorte aufrecht erhalten werden.

Eignung als Indikatorart: M. aurelia ist ein guter Indikator für intakte, extensiv genutzte Kalk-Magerrasen.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991a): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1, Tagfalter 1. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 552 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

Die in der Tabelle dargestellten Melitaea-Arten sind häufig anhand von Fotos kaum zu unterscheiden. Jedoch gelingt es durch Kombination von Merkmalen und durch Kenntnis von Verbreitung und Lebensraumansprüchen die Arten zumindest in Südwest-Deutschland einigermaßen sicher zu trennen. Recht einfach ist M. diamina von den anderen Arten zu unterscheiden, sie ist fast immer sehr dunkel gefärbt und fliegt verstärkt in feuchteren Habitaten. Ebenfalls gut zu unterscheiden ist M. parthenoides, die sich in ihrer baden-württembergischen Verbreitung nur teilweise mit den anderen Arten überschneidet, fuchsrote Palpen und eine hellrote Flügeloberseite besitzt. M. britomartis zeigt einen charakteristischen flatternden Flug, ist meist die kleinste Melitaea-Art und besitzt auf der Hinterflügel-Unterseite eine meist gut zu erkennende schwarz gefärbte Binde. Am schwierigsten ist die Unterscheidung zwischen M. aurelia und M. athalia. In eher mesophilen Habitaten ist im Normalfall nur mit M. athalia zu rechnen, die allerdings auch auf den von M. aurelia besiedelten Halbtrockenrasen fliegen kann. Im männlichen Geschlecht sind beide Arten kaum zu unterscheiden, auch wenn M. aurelia tendenziell kleiner ist. Im weiblichen Geschlecht dagegen besitzt M. aurelia fuchsrote Palpen und ist deshalb meist gut zu identifizieren (Online).

Art Bevorzugtes Habitat Allgemeine Unterschiede Männchen Weibchen
Melitaea athalia Lichtwaldsituationen, Saumbereiche, Magerwiesen, Halbtrockenrasen Recht große Art Palpen schwarz Palpen schwarz
Melitaea aurelia Offene Halbtrockenrasen Recht kleine Art Palpen dunkel mit einigen rötlichen Haaren Palpen fuchsrot
Melitaea britomartis Halbtrockenrasen Sehr kleine Art, flatternder Flug, stark geschwärzter Randstreifen zwischen Marginallinien Palpen schwarz Palpen schwarz
Melitaea parthenoides Magerwiesen, Halbtrockenrasen Recht große Art, viel Rot auf den Flügeloberseiten mit charakteristischer Zeichnung Palpen fuchsrot Palpen fuchsrot
Melitaea diamina Feuchtwiesen, Lichtwaldsituationen, versaumte Halbtrockenrasen Recht große Art, sehr dunkle Flügelober- und -unterseite Palpen meist dunkel Palpen meist dunkel

 

Die folgende Bildübersicht kann ebenfalls bei der Artbestimmung hilfreich sein. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass gerade die Flügeloberseiten einiger Arten (z.B. Melitaea athalia) sehr variabel sein können und deshalb nur in wenigen Fällen (M. diamina, M. parthenoides) zur Artbestimmung hinzu gezogen werden können. Auch die Flügelunterseiten können nur bei einem Teil der Arten (M. britomartis, M. diamina) entscheidende Merkmale liefern.

Art Flügeloberseite Flügelunterseite
Melitaea athalia                                                                                            
Melitaea aurelia
Melitaea britomartis
Melitaea parthenoides
Melitaea diamina

 

 

Melitaea aurelia auf einer Magerbrache in Südfrankreich, August 2009.

 

 

Flügeloberseite eines Männchens von M. aurelia am Rande der Schwäbischen Alb (Eningen unter Achalm), Mai 2011.

 

 

Weibchen von M. aurelia auf einem lückigen Halbtrockenrasen auf der Schwäbischen Alb (Oberstetten), Juli 2011.

 

 

Jungraupengespinst von M. aurelia auf der Schwäbischen Alb (Hayingen) an Mittlerem Wegerich, August 2016.

 

 

(Larval-)Habitat des Ehrenpreis-Scheckenfalters auf der Schwäbischen Alb (Hayingen), ein schwachwüchsiger, lückiger Halbtrockenrasen.

 

 

Lückiger, mit Felsen durchsetzter Halbtrockenrasen auf der Schwäbischen Alb (Oberstetten), hier fliegt auch M. aurelia.

 

 

Schematische Verbreitung von M. aurelia in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Erloschene Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Melitaea athalia, Melitaea britomartis

Übersicht