Melitaea aurelia (Ehrenpreis-Scheckenfalter) (Nickerl, 1850)
Verbreitung in Deutschland: Melitaea aurelia ist vor allem im südlichen Deutschland verbreitet und fehlt aktuell in Brandenburg und Schleswig-Holstein. In vielen nördlichen Bundesländern (Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen) ist die Art vom Aussterben bedroht.
Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Ehrenpreis-Scheckenfalter ist vor allem auf der Schwäbischen Alb (bis zur Baar- und Hegaualb) und im Tauberland verbreitet. Die (ehemaligen) Vorkommen in den nördlichen Oberen Gäuen und im Kraichgau können aktuell wohl nicht mehr bestätigt werden.
Habitatansprüche: Ähnlich wie Melitaea britomartis ist auch M. aurelia eine Magerrasen-Art, die vornehmlich auf den Kalk-Magerrasen der Alb und des Tauberlandes anzutreffen ist. Die Raupe frisst vornehmlich an Wegerich-Arten (Plantago ssp.), jedoch auch am namensgebenden Ehrenpreis (Veronica ssp.).
Gefährdung/Schutz: RL BW: Gefährdet. Die Art reagiert empfindlich auf das Brachfallen der Magerrasen mit anschließender Verfilzung und Sukzession. Deshalb ist M. aurelia aktuell in Baden-Württemberg gefährdet, zum Schutz der Art muss eine extensive Bewirtschaftung (Wanderschäferei) der Magerrasen-Standorte aufrecht erhalten werden.
Eignung als Indikatorart: M. aurelia ist ein guter Indikator für intakte, extensiv genutzte Kalk-Magerrasen.
Die in der Tabelle dargestellten Melitaea-Arten sind häufig anhand von Fotos kaum zu unterscheiden. Jedoch gelingt es durch Kombination von Merkmalen und durch Kenntnis von Verbreitung und Lebensraumansprüchen die Arten zumindest in Südwest-Deutschland einigermaßen sicher zu trennen. Recht einfach ist M. diamina von den anderen Arten zu unterscheiden, sie ist fast immer sehr dunkel gefärbt und fliegt verstärkt in feuchteren Habitaten. Ebenfalls gut zu unterscheiden ist M. parthenoides, die sich in ihrer baden-württembergischen Verbreitung nur teilweise mit den anderen Arten überschneidet, fuchsrote Palpen und eine hellrote Flügeloberseite besitzt. M. britomartis zeigt einen charakteristischen flatternden Flug, ist meist die kleinste Melitaea-Art und besitzt auf der Hinterflügel-Unterseite eine meist gut zu erkennende schwarz gefärbte Binde. Am schwierigsten ist die Unterscheidung zwischen M. aurelia und M. athalia. In eher mesophilen Habitaten ist im Normalfall nur mit M. athalia zu rechnen, die allerdings auch auf den von M. aurelia besiedelten Halbtrockenrasen fliegen kann. Im männlichen Geschlecht sind beide Arten kaum zu unterscheiden, auch wenn M. aurelia tendenziell kleiner ist. Im weiblichen Geschlecht dagegen besitzt M. aurelia fuchsrote Palpen und ist deshalb meist gut zu identifizieren.
| Art | Bevorzugtes Habitat | Allgemeine Unterschiede | Männchen | Weibchen |
| Melitaea athalia | Lichtwaldsituationen, Saumbereiche, Magerwiesen, Halbtrockenrasen | Recht große Art | Palpen schwarz | Palpen schwarz |
| Melitaea aurelia | Offene Halbtrockenrasen | Recht kleine Art | Palpen dunkel mit einigen rötlichen Haaren | Palpen fuchsrot |
| Melitaea britomartis | Halbtrockenrasen | Sehr kleine Art, flatternder Flug, stark geschwärzter Randstreifen zwischen Marginallinien | Palpen schwarz | Palpen schwarz |
| Melitaea parthenoides | Magerwiesen, Halbtrockenrasen | Recht große Art, viel Rot auf den Flügeloberseiten mit charakteristischer Zeichnung | Palpen fuchsrot | Palpen fuchsrot |
| Melitaea diamina | Feuchtwiesen, Lichtwaldsituationen, versaumte Halbtrockenrasen | Recht große Art, sehr dunkle Flügelober- und -unterseite | Palpen meist dunkel | Palpen meist dunkel |
Die folgende Bildübersicht kann ebenfalls bei der Artbestimmung hilfreich sein. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass gerade die Flügeloberseiten einiger Arten (z.B. Melitaea athalia) sehr variabel sein können und deshalb nur in wenigen Fällen (M. diamina, M. parthenoides) zur Artbestimmung hinzu gezogen werden können. Auch die Flügelunterseiten können nur bei einem Teil der Arten (M. britomartis, M. diamina) entscheidende Merkmale liefern.
| Art | Flügeloberseite | Flügelunterseite |
| Melitaea athalia |
![]() |
![]() |
| Melitaea aurelia |
![]() |
![]() |
| Melitaea britomartis |
![]() |
![]() |
| Melitaea parthenoides |
![]() |
![]() |
| Melitaea diamina |
![]() |
![]() |
Melitaea aurelia auf einer Magerbrache in Südfrankreich, August 2009.

Flügeloberseite eines Männchens von M. aurelia am Rande der Schwäbischen Alb (Eningen unter Achalm), Mai 2011.

Weibchen von M. aurelia auf einem lückigen Halbtrockenrasen auf der Schwäbischen Alb (Oberstetten), Juli 2011.

Lückiger, mit Felsen durchsetzter Halbtrockenrasen auf der Schwäbischen Alb (Oberstetten), hier fliegt auch M. aurelia.

Schematische Verbreitung von M. aurelia in Baden-Württemberg:
Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen
Grauer Bereich: Eventuell erloschene Vorkommen
