Melitaea phoebe (Flockenblumen-Scheckenfalter) (Dennis & Schiffermüller, 1775)
Verbreitung in Deutschland: Melitaea phoebe kommt in Deutschland aktuell nur noch in Bayern vor. Die ehemaligen Vorkommen in Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und auch in Baden-Württemberg sind erloschen (Settele et al. 2025). In Thüringen war die Art bis 2007 mit zwei Vorkommen im ehemaligen Grenzstreifen zu Bayern anzutreffen. In Bayern existieren damit die verbliebenen deutschen Populationen auf den Mainfränkischen Platten, im Fränkischen Jura und im Alpenraum (Bittermann & Bolz 2013, Reinhardt et al. 2020). Bundesweit gilt die Art aktuell als stark gefährdet (Musche et al. 2025).
Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Flockenblumen-Scheckenfalter kam ehemals in zwei disjunkten Teilgebieten in Baden-Württemberg vor. Zum einen wurde der Kaiserstuhl im Südwesten und zum anderen das Tauberland im Nordosten besiedelt. Noch Anfang der 1990er-Jahre galten diese Populationen als relativ konstant, die Art wurde nur als stark gefährdet eingestuft (Ebert & Rennwald 1991a). Anscheinend hat seitdem ein starker Rückgang dieser Vorkommen eingesetzt, sodass die letzten Nachweise aus beiden Regionen mittlerweile über 20 Jahre zurück liegen. Da M. phoebe trotz intensiver Nachsuche nicht mehr nachgewiesen werden konnte, muss aktuell davon ausgegangen werden, dass die Art in Baden-Württemberg ausgestorben ist.
Habitatansprüche: M. phoebe ist eine thermophile Art, die bevorzugt an warmen, südexponierten Halbtrockenrasen-Hängen und in aufgelassenen Weinbergen vorkommt (Ebert & Rennwald 1991a, Settele et al. 2005). In den bayerischen Alpen besiedelt die Art steinig-magere Rinderweiden (Reinhardt et al. 2020). Die Raupen bevorzugen hier eine kurzrasige, lückige Vegetation "heißer Standorte" (Settele et al. 2005). Neben der wichtigsten Wirtspflanze, der Flockenblume (Centaurea scabiosa), werden weitere Pflanzen aus der Familie der Disteln (Cirsium arvense, C. aucale, C. vulgare, Carduus defloratus) genutzt (Bolz 2013).
Gefährdung/Schutz: RL BW: Ausgestorben (Steiner & Trusch 2025). Die Art ist in Baden-Württemberg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgestorben. Die Ursachen für diese Arealregression sind bisher nicht hinreichend geklärt. Neben Lebensraumveränderungen (Versaumung, Sukzession) könnten auch klimatische Prozesse eine Rolle spielen, auch wenn dies bei einer südwesteuropäisch verbreiteten Art eher unwahrscheinlich ist.
Eignung als Indikatorart: M. phoebe ist ein sehr guter Indikator für xerotherme Magerrasen in Südhanglage.
Bestimmung: Der Flockenblumen-Scheckenfalter ist aufgrund seiner Größe, der kräftigen orange-roten und kreisrunden Flecken auf der Flügelunterseite sowie der häufig bunt wirkenden Flügeloberseite eigentlich unverwechselbar. Trotzdem treten ab und an Verwechslungen mit anderen Melitaea-Arten auf.
Quellen für diese Seite:
Bittermann, J. & R. Bolz (2013): Flockenblumen-Scheckenfalter Melitaea phoebe ([Denis & Schiffermüller], 1775). In: Bräu, M., Bolz, R., Kolbeck, H., Nunner, A., Voith, J. & W. Wolf (Hrsg.): Tagfalter in Bayern. - Ulmer-Verlag (Stuttgart), 407-409.
Bolz, R. (2013): Larvallebensraum und -biologie des Flockenblumen-Scheckenfalters in Bayern sowie erste Ergebnisse des DNA-Barcodings des Pyrgus alveus-Komplexes. Online
Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991a): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1, Tagfalter 1. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 552 S.
Musche, M., Albrecht, M., Becker, J., Bittermann, J., Blanckenhagen, B. von, Böck, O., Caspari, A., Caspari, S., Dolek, M., Harpke, A., Hermann, G., Joger, H. G., Kolligs, D., Lange, A., Müller, D., Nunner, A., Pollrich, S., Reinelt, T., Rennwald, E., Schmitz, O., Schönborn, C., Schulze, W., Schurian, K., Strätling, R., Wachlin, V. & M. Wiemers (2025): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter und Widderchen (Lepidoptera: Papilionoidea et Zygaenidae) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (11): 94 S.
Reinhardt R., Harpke A., Caspari, S., Dolek, M., Kühn, E., Musche, M., Trusch, R., Wiemers, M. & J. Settele (Hrsg.) (2020): Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands. - Ulmer Verlag (Stuttgart), 428 S.
Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R., Feldmann, R., Hermann, G., Musche, M., Kühn, E. & G. Brehm (2025): Schmetterlinge - Die Tagfalter und Widderchen Deutschlands. - Ulmer Verlag (Stuttgart), 288 S.
Steiner, A. & R. Trusch (2025): Rote Liste und Verzeichnis der Schmetterlinge Baden-Württembergs. – 4. Fassung, Stand 31.12.2023. – Naturschutz-Praxis Artenschutz 18, Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, Karlsruhe, 156 S.
Balzverhalten des Flockenblumen-Scheckenfalters (Melitaea phoebe) in Südfrankreich (Provence), Mai 2013.

Ehemalige Verbreitung von M. phoebe in Baden-Württemberg mit Letztnachweis.

Aglais io, Aglais urticae, Nymphalis c-album, Nymphalis polychloros, Nymphalis antiopa, Araschnia levana, Vanessa atalanta, Vanessa cardui, Limenitis camilla, Limenitis populi, Limenitis reducta, Apatura iris, Apatura ilia, Argynnis paphia, Argynnis niobe, Argynnis adippe, Argynnis aglaja, Issoria lathonia, Melitaea athalia, Melitaea aurelia, Melitaea britomartis, Melitaea diamina, Melitaea phoebe, Melitaea parthenoides, Melitaea didyma, Melitaea cinxia, Boloria eunomia, Boloria selene, Boloria thore, Boloria titania, Boloria dia, Boloria aquilonaris, Boloria euphrosyne, Brenthis daphne, Brenthis ino, Euphydryas aurinia, Euphydryas maturna