Limenitis reducta (Blauschwarzer Eisvogel) (Staudinger, 1901)

 

Verbreitung in Deutschland: Limenitis reducta ist bzw. war ausschließlich im südlichen Deutschland verbreitet. Ehemals existierten Vorkommen in Rheinland-Pfalz, Hessen, dem Saarland, Bayern und Baden-Württemberg. Aktuell ist die Art wahrscheinlich nur noch in Baden-Württemberg anzutreffen, während sie in allen anderen Bundesländern ausgestorben ist.

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Blauschwarze Eisvogel besaß bis vor einigen Jahren in Baden-Württemberg zwei voneinander räumlich getrennte Vorkommensschwerpunkte. Am Kaiserstuhl und südlichen Oberrhein ist die Art wohl etwa zu Beginn der 1980er-Jahre ausgestorben. Deshalb existieren heutzutage nur noch Vorkommen auf der Schwäbischen Alb, die sich von der Baar- und Hegaualb bis hin zur Ostalb erstrecken. Keinesfalls jedoch ist L. reducta hier flächendeckend verbreitet, sondern auf wenige meist wohl isolierte Populationen beschränkt. Das noch in Ebert & Rennwald (1991) dokumentierte Vorkommen im NSG Schaichtal ist höchstwahrscheinlich auf eine Fundortverwechselung des Belegfotos zurück zu führen. Jedenfalls bestehen im ganzen Schönbuch aktuell keinerlei geeignete Habitate für L. reducta.

Habitatansprüche: Die xerothermophile Art besiedelt in Baden-Württemberg Steppenheide-Wälder, verbuschte Halbtrockenrasen, offene Sturmwurfflächen und lichte Waldsysteme. Außerdem ist L. reducta an besonnten, strukturreichen Waldrändern und manchmal auf Waldlichtungen anzutreffen. Die Larve lebt vornehmlich an Roter Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), die im Gegensatz zu den von Limenitis camilla besetzten Büschen, vollsonnig stehen müssen.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet. Wahrscheinlich muss auch der Blauschwarze Eisvogel bald in die Gefährdungskategorie "Vom Aussterben bedroht" eingestuft werden. Jedenfalls werden Nachweise von der Schwäbischen Alb immer spärlicher, in Zeiten der Hochwaldnutzung und Nutzungsaufgabe von Grenzertragsstandorten findet die anspruchsvolle Art zunehmend weniger geeignete Habitate. Da sich in Baden-Württemberg aktuell die letzten deutschen Vorkommen dieser Art finden, hat das Bundesland eine besondere Verantwortung für den Schutz für L. reducta.

Eignung als Indikatorart: L. reducta ist ein sehr guter Indikator für xerotherme Waldlückensysteme, Steppenheide-Wälder und verbuschende Magerrasen in Waldnähe.

 

 

Limenitis reducta am Wegesrand im Mosaik zwischen Halbtrockenrasen-Böschungen und Sturmwurfflächen auf der Schwäbischen Alb (Gammertingen), Juli 2009.

 

 

Hibernaculum von L. reducta auf einer Sturmwurffläche auf der Schwäbischen Alb (Engstingen), März 2010.

 

 

L. reducta im Auwald an einem Seeufer in Südfrankreich (Lac de la Ste. Croix), August 2007.

 

 

Flügelunterseite des selben Exemplars, August 2007.

 

 

Schematische Verbreitung von L. reducta in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

 

Limenitis camilla, Limenitis populi, Apatura iris

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