Plebejus optilete (Hochmoor-Bläuling) (Knoch, 1781)

 

Verbreitung in Deutschland: Plebejus optilete ist über die Hochmoor-Standorte in ganz Deutschland verbreitet. Allein aus Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und aus dem Saarland liegen keinerlei Hinweise auf ein Vorkommen der Art vor. Ausgestorben ist der Hochmoor-Bläuling außerdem in Nordrhein-Westfalen. In allen anderen Bundesländern ist er zumindest stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Verbreitungsschwerpunkte liegen im norddeutschen Tiefland (Mecklenburg-Vorpommern) sowie in den Mittelgebirgen und im Alpenvorland Süddeutschlands (Bayern und Baden-Württemberg) (Settele et al. 2005). Bundesweit gilt die Art aktuell als stark gefährdet (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Hochmoor-Bläuling war und ist ausschließlich in Oberschwaben sowie im Südschwarzwald und der angrenzenden Baar verbreitet. In diesen beiden disjunkten Arealen beschränkt sich die Verbreitung auf die wenigen größeren Hochmoor-Komplexe (Ebert & Rennwald 1991b).

Habitatansprüche: P. optilete benötigt in Süddeutschland größere Hochmoore mit reichlichem Vorkommen der Wirtspflanze Moosbeere (Vaccinium uliginosum). Die Standorte müssen zumindest teilweise offen, intakt und nicht komplett mit Moor-Sukzessionswald bewachsen sein (Ebert & Rennwald 1991b). Im Vergleich zum Hochmoor-Gelbling (Colias palaeno) toleriert P. optilete eine etwas höhere Deckung mit Gehölzen, verschwindet aber auch bei zu starker Gehölzdominanz. Gleichzeitig muss der Wasserhaushalt der Hochmoore intakt sein, Moorheide-Stadien werden kaum besiedelt. Im Vergleich zum Hochmoor-Perlmutterfalter (Boloria aquilonaris) ist der Hochmoor-Bläuling deutlich stärker an echte Hochmoore gebunden.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet (Ebert et al. 2005). Der Hochmoor-Bläuling hat in den letzten Jahrzehnten bis Jahrhunderten massiv an Lebensraum eingebüßt. Durch Abtorfung, Trockenlegung, Eutrophierung und Sukzession gingen zahlreiche Hochmoore verloren. Umso wichtiger ist es nun die letzten größeren Hochmoor-Komplexe Baden-Württembergs zu erhalten und somit neben P. optilete zahlreiche weitere Hochmoor-Spezialisten zu schützen. Einige teilentwässerte Hochmoorkomplexe ließen sich durch wohldosierte Wiedervernässungen möglicherweise wieder entwickeln, sodass ein Hochmoorwachstum einsetzt und die Standorte von alleine offen bleiben. Diese Bereiche könnten dann auch wieder vom Hochmoor-Bläuling besiedelt werden. In anderen Gebieten sollte der mittlerweile flächendeckende Moorwald zurückgedrängt werden.

Eignung als Indikatorart: P. optilete ist ein sehr guter Indikator für intakte Hochmoore.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991b): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2, Tagfalter 2. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 535 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

 

Hochmoor-Bläuling (Plebejus optilete) auf seiner Wirtspflanze im württembergischen Allgäu (Isny), Juni 2016.

 

 

P. optilete auf seiner Wirtspflanze im Südschwarzwald (Hinterzarten), Juli 2011.

 

 

Offenes Hochmoor im Südschwarzwald (Hinterzarten) mit guten Beständen der Moosbeere als Habitat von P. optilete.

 

 

Habitat des Hochmoor-Bläulings im württembergischen Allgäu (NSG Rimpacher Moos); lichter Moorwald mit guten Rauschbeeren-Beständen.

 

 

Schematische Verbreitung von P. optilete in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Ehemalige Vorkommen (letztes Nachweisdatum)

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Pseudophilotes baton, Plebejus argus                                                      

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