Satyrium acaciae (Kleiner Schlehen-Zipfelfalter) (Fabricius, 1787)

Verbreitung in Deutschland: Satyrium acaciae kann ausschließlich im südlichen Deutschland (Saarland, Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg) angetroffen werden. Während die Vorkommen in Hessen und in das Saarland nur randlich einstrahlen, ist die Art in Rheinland-Pfalz, Thüringen und Bayern weiter verbreitet, jedoch stark gefährdet. In Baden-Württemberg gilt sie als gefährdet (Settele et al. 2005). Bundesweit steht die Art aktuell auf der Vorwarnliste (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: In Baden-Württemberg kommt der Kleine Schlehen-Zipfelfalter in mehreren disjunkten Teilarealen vor. Anzutreffen ist die Art etwa in der südlichen Oberrheinebene mit Kaiserstuhl, auf der mittleren und östlichen Schwäbischen Alb, im südlichen Kraichgau und im Tauberland. Daneben existieren mehrere kleine, meist isolierte Vorkommen in den Oberen Gäuen, im Albvorland und an den Talhängen von Kocher und Jagst (Ebert & Rennwald 1991b).

Habitatansprüche: S. acaciae besiedelt bevorzugt xerotherme Hangbereiche wie Halbtrockenrasen, Steinriegel oder Weinbergsbrachen mit Vorkommen von besonnten Beständen der Schlehe (Prunus spinosa). Bereichsweise kann die Art auch in wärmegeprägten Nieder- und Mittelwäldern auftreten. Wichtig für die Art sind gut besonnte, häufig krüppelige Vorkommen der Schlehe an trockenheißen (häufig mit Gesteinsuntergrund) Standorten (Ebert & Rennwald 1991b). Die Ansprüche des Kleinen Schlehen-Zipfelfalters an das Mikroklima sind im Vergleich zu den ebenfalls hauptsächlich an Schlehe lebenden Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae) und Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni) deutlich höher. Nur regional in besonders warmen Regionen (z. B. Kaiserstuhl) kann die Art regelmäßig auch höhere Schlehenbüsche und damit kühlere Mikroklimate nutzen (Hermann 2007). Die Eier werden bevorzugt an junge Schlehen oder niedrigwüchsige Stockausschläge abgelegt, die unmittelbar über Schotter, Offenboden oder Fels wachsen. Da die Eier vergleichsweise klein und unscheinbar grau gefärbt sind, sind sie nur schwierig zu entdecken. Jedoch ist das Repertoire infrage kommende Schlehen aufgrund der mikroklimatischen Ansprüche ebenfalls stark eingeschränkt, sodass die Ei-Suche an entsprechenden Standorten durchaus erfolgversprechend ist (Hermann 2007).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Gefährdet (Ebert et al. 2005). S. acaciae ist gefährdet durch die Aufgabe der Nutzung von Grenzertragsstandorten, die zu einer Verfilzung der Grasnarbe mit anschließender Sukzession und Verschattung führt. Hierdurch verliert die Art die für sie wichtigen exponiert stehenden Wirtspflanzen. Zum Schutz des Kleinen Schlehen-Zipfelfalters müssen Magerrasen weiter beweidet und Schlehen-Bestände regelmäßig zurück geschnitten bzw. durch Beweidung kurz gehalten werden.

Eignung als Indikatorart: S. acaciae ist ein guter Indikator für xerotherme Magerrasen mit Schlehen-Vorkommen.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991b): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2, Tagfalter 2. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 535 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Hermann, G. (2007): Tagfalter suchen im Winter/Searching for butterflies in winter: Zipfelfalter, Schillerfalter und Eisvögel/Hairstreaks, Purple Emperors & White Admirals. - Books on Demand, 228 S.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

Satyrium acaciae auf einem Halbtrockenrasen im Tauberland (Tauberbischofsheim), Juli 2010.

 

Nochmals S. acaciae im Tauberland (Tauberbischofsheim), Juli 2010.

 

Ei von S. acaciae in den Oberen Gäuen (Gechingen), März 2018.

 

Detailaufnahme eines Eies des Kleinen Schlehen-Zipfelfalters in den Oberen Gäuen (Gechingen), März 2018.

 

Charakteristisches Larvalhabitat von S. acaciae in den Oberen Gäuen (Gechingen); ein offener Steinriegel mit "Krüppelschlehen".

 

Lebensraum des Kleinen Schlehenzipfelfalters im Tauberland (Tauberbischofsheim), ein saumreicher Halbtrockenrasen.

 

Weiteres Habitat des Kleinen Schlehen-Zipfelfalters in den Oberen Gäuen (Weil der Stadt); Halbtrockenrasen mit eingestreuten, teilweise noch offenen Steinriegeln.

 

Schematische Verbreitung von S. acaciae in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise Stand 2016

Hamearis lucina, Callophrys rubi, Thecla betulae, Favonius quercus, Satyrium acaciae, Satyrium ilicis, Satyrium w-album, Satyrium spini, Satyrium pruni, Lycaena helle, Lycaena phlaeas, Lycaena dispar, Lycaena virgaureae, Lycaena tityrus, Lycaena alciphron, Lycaena hippothoe, Cupido minimus, Cupido osiris, Cupido argiades, Celastrina argiolus, Pseudophilotes baton, Glaucopsyche alexis, Maculinea alcon, Maculinea rebeli, Maculinea arion, Maculinea teleius, Maculinea nausithous, Plebejus argus, Plebejus idas, Plebejus argyrognomon, Aricia agestis, Aricia artaxerxes, Eumedonia eumedon, Agriades optilete, Cyaniris semiargus, Polyommatus damon, Polyommatus dorylas, Polyommatus amandus, Polyommatus thersites, Polyommatus icarus, Polyommatus daphnis, Lysandra coridon, Lysandra bellargus                                                    

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