Favonius (Neozephyrus) quercus (Blauer Eichen-Zipfelfalter) (Linnaeus, 1758)

Verbreitung in Deutschland: Favonius quercus ist in ganz Deutschland verbreitet und überall dort häufig, wo auch Eichen anzutreffen (Settele et al. 2005). Die Gefährdungseinschätzung mancher Bundesländer könnte daher am fehlenden Kenntnisstand zu dieser Art liegen. Sie ist, wie fast alle Zipfelfalter, als Ei deutlich einfacher nachweisbar als als Falter (Hermann 2007). Die Eisuche ergab etwa im Saarland, dass die Art ohne größere Verbreitungslücken im gesamten Bundesland angetroffen werden kann (Caspari 2006). Bundesweit gilt F. quercus aktuell als ungefährdet (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Blaue Eichen-Zipfelfalter ist in fast ganz Baden-Württemberg verbreitet. Allein in Bereichen des mittleren und nördlichen Schwarzwaldes existieren wohl natürliche Vorkommenslücken. Besonders häufig ist die Art in der Oberrheinebene, im Albvorland und am Albtrauf anzutreffen (Ebert & Rennwald 1991b).

Habitatansprüche: Prinzipiell kann die Art überall dort auftreten, wo auch nur vereinzelte Eichen stehen. Da sich die Falter häufig in den Wipfelregionen aufhalten, sind sie auch in den heute geschlossenen Hochwäldern anzutreffen. Bevorzugte Habitate sind eichenreiche Laub(misch)wälder, aber auch in Parks und Gärten innerhalb von Städten ist F. quercus anzutreffen. Die Raupe ernährt sich ausschließlich von den Blüten und Blättern von Eichen, wobei Stiel-Eiche (Quercus rubor) und Trauben-Eichen (Quercus petraea) mit Abstand die wichtigsten Wirtspflanzen darstellen (Ebert & Rennwald 1991b). Die Eier werden bevorzugt an größeren Eichen in südexponierter (Waldrand-)Lage an der Unterseite der apikalen Blütenknopsen der Haupt- oder Seitentriebe abgelegt (Hermann 2007).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Ungefährdet (Ebert et al. 2005). Der Blaue Eichen-Zipfelfalter ist aktuell noch überall häufig und weit verbreitet. Eine echte Gefährdung ist derzeit nicht auszumachen.

Eignung als Indikatorart: F. quercus besitzt aktuell kein Indikatorpotential.

Quellen für diese Seite:

Caspari, S. (2006): Der Blaue Eichen-Zipfelfalter (Neozephyrus quercus) - häufigster Tagfalter des Saarlandes? In: Fartmann, T. & G. Hermann (Hrsg.): Larvalökologie von Tagfaltern und Widderchen in Mitteleuropa. - Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde 68 (3/4), 233-242.

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991b): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2, Tagfalter 2. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 535 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Hermann, G. (2007): Tagfalter suchen im Winter/Searching for butterflies in winter: Zipfelfalter, Schillerfalter und Eisvögel/Hairstreaks, Purple Emperors & White Admirals. - Books on Demand, 228 S.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

 

Favonius quercus am Fuße einer Eiche im Albvorland (NSG Schaichtal), Juni 2008.

 

Detailansicht eines Eies des Blauen Eichen-Zipfelfalters im Albvorland (Dettenhausen), Februar 2018.

 

Ei von N. quercus an der apikalen Knospe eines Eichenzweiges im Albvorland (Dettenhausen), Februar 2018.

 

Eiablage-Habitat des Blauen Eichen-Zipfelfalters im Albvorland (Dettenhausen); westexponierter Waldsaum mit eingestreuten Eichen.

 

Frei stehende und gut besonnte Eichen am südexponierten Waldsaum als Habitat von F. quercus im Albvorland (NSG Schaichtal).

 

Steppenheidewald mit Flaumeichen (Quercus pubescens), ebenfalls Habitat des Blauen Eichen-Zipfelfalters am nördlichen Albtrauf (NSG Filsenberg).

 

Schematische Verbreitung von F. quercus in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Grauer Bereich: Verbreitungslücke

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise Stand 2016

Hamearis lucina, Callophrys rubi, Thecla betulae, Favonius quercus, Satyrium acaciae, Satyrium ilicis, Satyrium w-album, Satyrium spini, Satyrium pruni, Lycaena helle, Lycaena phlaeas, Lycaena dispar, Lycaena virgaureae, Lycaena tityrus, Lycaena alciphron, Lycaena hippothoe, Cupido minimus, Cupido osiris, Cupido argiades, Celastrina argiolus, Pseudophilotes baton, Glaucopsyche alexis, Maculinea alcon, Maculinea rebeli, Maculinea arion, Maculinea teleius, Maculinea nausithous, Plebejus argus, Plebejus idas, Plebejus argyrognomon, Aricia agestis, Aricia artaxerxes, Eumedonia eumedon, Agriades optilete, Cyaniris semiargus, Polyommatus damon, Polyommatus dorylas, Polyommatus amandus, Polyommatus thersites, Polyommatus icarus, Polyommatus daphnis, Lysandra coridon, Lysandra bellargus                                                     

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