Lycaena virgaureae (Dukaten-Feuerfalter) (Linnaeus, 1758)

Verbreitung in Deutschland: Lycaena virgaureae ist in weiten Teilen Deutschlands verbreitet, hat seinen Schwerpunkt allerdings im Nordosten. Hier gilt die Art beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern oder in Sachsen-Anhalt noch als ungefährdet (Settele et al. 2005). Auch in Bayern ist der Dukaten-Feuerfalter noch weiter verbreitet und besiedelt vor allem die nordöstlichen Mittelgebirge (Schlumprecht & Bräu 2013). Weitere Verbreitungsschwerpunkte sind der Harz, das Rothaargebirge mit Westerwald, der Pfälzer Wald und mit Abstrichen der Odenwald mit vielen bereits länger nicht mehr bestätigten Nachweisen (Reinhardt et al. 2020). Bundesweit steht die Art aktuell auf der Vorwarnliste (Reinhardt & Bolz 2011).

Verbreitung in Baden-Württemberg: Verbreitungsschwerpunkt der Art war historisch gesehen der Südschwarzwald. Daneben existierten Metapopulationen am nördlichen Oberrhein sowie zerstreute, kleinere Vorkommen im Vorderen Odenwald, auf der östlichen Albhochfläche, im Albvorland oder im Oberen Donautal. Die meisten dieser kleinen Populationen sind bereits seit längerer Zeit erloschen und auch am nördlichen Oberrhein liegen die letzten Nachweise etwa 50 Jahre zurück (Ebert & Rennwald 1991b). Westlich angrenzend existieren allerdings noch aktuelle Nachweise aus dem Bienwald in Rheinland-Pfalz (Eller 2007). Leider hat sich der negative Bestandstrend im Schwarzwald fortgesetzt, sodass die letzten Nachweise aus dem südlichen Schwarzwald mittlerweile bereits von der Jahrtausendwende datieren. Es musste deshalb angenommen werden, dass L. virgaureae nicht mehr in Baden-Württemberg vorkommt und damit als verschollen gelten müsse. Allerdings konnte die Art 2013 wieder im Vorderen Odenwald nachgewiesen werden (G. Hermann, mündl.).

Habitatansprüche: L. virgaureae besiedelt in Baden-Württemberg Lichtungen und Säume sowohl an feuchten als auch an trockenen Standorten (Ebert & Rennwald 1991b). Auch in Bayern ist die Art in Wald-Offenland-Übergangsbereichen, auf Waldlichtungen und -wiesen in feuchtkühler Lage, auf Schneisen und Schlagfluren zu finden (Schlumprecht & Bräu 2013). In Nordost-Deutschland werden auch bodensaure Magerrasen besiedelt (Settele et al. 2005). Zur Eiablage werden verschiedene Ampfer-Arten (Rumex spp.) genutzt. Larvalhabitate sind in Bayern lückig bewachsene Stellen vorwiegend besonnter und durch Fichtennadelstreu versauerter Waldsaumbereiche (Bräu et al. 2005).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Stark gefährdet (Ebert et al. 2005). Die aktuelle Einstufung in die Rote Liste muss in einer aktualisierten Fassung leider revidiert werden. Die Ursachen für das weitgehende Verschwinden der Art sind nicht eindeutig geklärt. Sicherlich sind Wald-Offenland-Ökotone ein Lebensraumtyp, der in den vergangenen Jahrzehnten sehr große Einbußen erlitten hat. Auch in Bayern werden die Hauptursachen für den Rückgang in Habitatverlusten durch Aufforstungen, Verlust von strukturreichen Waldrändern sowie Drainage und Aufgabe der extensiven Nutzung von Feuchtwiesen gesehen (Schlumprecht & Bräu 2013). Ein Blick auf die boreo-montane Verbreitung der Art (vgl. Tolman & Lewington 1997) lässt aber auch einen klimatischen Einfluss auf die Arealregression möglich erscheinen (G. Hermann, schriftl.). Schutzmaßnahmen können aufgrund der unklaren Rückgangsursachen kaum empfohlen werden. Generell ist sicherlich die Förderung von mageren Wald-Offenland-Ökotonen sinnvoll.

Eignung als Indikatorart: L. virgaureae kann als Indikator für magere Übergangsbereiche vom Wald zum Offenland in eher kühlem und kontinental geprägtem Großklima gelten.

Bestimmung: Aufgrund der weißen Flecken auf der Hinterflügelunterseite und der rot-orangenen Färbung der Flügeloberseiten der Männchen eigentlich unverwechselbar. Nachweise dieser stark zurückgegangenen Art sollten trotzdem unbedingt mittels Fotobeleg abgesichert werden.

Quellen für diese Seite:

Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991b): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2, Tagfalter 2. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 535 S.

Ebert, G., Hofmann, A., Meineke, J.-U., Steiner, A., R. trusch (2005): Rote Liste der Schmetterlinge (Macrolepidoptera) Baden-Württembergs (3. Fassung). In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 110-133.

Eller, O. (2007): Dukaten-Feuerfalter - Lycaena virgaureae (Linnaeus, 1758). In: Schulte, T., Eller, O., Niehuis, M. & E. Rennwald (2007): Die Tagfalter der Pfalz, Band 1. - Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz, Beiheft 37: 206-213.

Reinhardt, R. & R. Bolz (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands - Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). -  Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 167-194.

Reinhardt R., Harpke A., Caspari, S., Dolek, M., Kühn, E., Musche, M., Trusch, R., Wiemers, M. & J. Settele (Hrsg.) (2020): Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands. - Ulmer Verlag (Stuttgart), 428 S.

Schlumprecht, H. & M. Bräu (2013): Dukatenfeuerfalter Lycaena virgaureae (Linnaeus, 1758). In: Bräu, M., Bolz, R., Kolbeck, H., Nunner, A., Voith, J. & W. Wolf (Hrsg.): Tagfalter in Bayern. - Ulmer-Verlag (Stuttgart), 196-198.

Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R. & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag (Stuttgart), 256 S.

Tolman, T. & R. Lewington (1997): Butterflies of Europe. - Princeton University Press (Princeton and Oxford), 320 S.

 

Flügelunterseite des Dukaten-Feuerfalters (Lycaena virgaureae) im Vorderen Odenwald (Mudau-Ernsttal), Juli 2019.

 

Flügeloberseite eines Männchens des Dukaten-Feuerfalters (Lycaena virgaureae) im Vorderen Odenwald (Mudau-Ernsttal), Juli 2019.

 

Waldlichtungen mit Ackerkratzdistel-Beständen bilden zumindest das Nektarhabitat des Dukaten-Feuerfalters im Vorderen Odenwald (Mudau-Ernsttal).

 

Habitat des Dukaten-Feuerfalters in den Schweizer Alpen.

 

Schematische Verbreitung von L. virgaureae in Baden-Württemberg:

Schwarzer Punkt: Eigener Nachweis

Blauer Bereich: Aktuelle Vorkommen

Grauer Bereich: Ehemalige Vorkommen

Hamearis lucina, Callophrys rubi, Thecla betulae, Favonius quercus, Satyrium acaciae, Satyrium ilicis, Satyrium w-album, Satyrium spini, Satyrium pruni, Lycaena helle, Lycaena phlaeas, Lycaena dispar, Lycaena virgaureae, Lycaena tityrus, Lycaena alciphron, Lycaena hippothoe, Cupido minimus, Cupido osiris, Cupido argiades, Celastrina argiolus, Pseudophilotes baton, Glaucopsyche alexis, Phengaris alcon, Phengaris rebeli, Phengaris arion, Phengaris teleius, Phengaris nausithous, Plebejus argus, Plebejus idas, Plebejus argyrognomon, Aricia agestis, Aricia artaxerxes, Eumedonia eumedon, Agriades optilete, Cyaniris semiargus, Polyommatus damon, Polyommatus dorylas, Polyommatus amandus, Polyommatus thersites, Polyommatus icarus, Polyommatus daphnis, Lysandra coridon, Lysandra bellargus                                                     

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