Polyommatus eumedon (Storchschnabel-Bläuling) (Esper, 1780)

 

Verbreitung in Deutschland: Polyommatus eumedon kommt aktuell nur noch in drei Bundesländern im südlichen Deutschland vor. In Rheinland-Pfalz ist die Art vom Aussterben bedroht, in Bayern stark gefährdet und in Baden-Württemberg gefährdet. Ausgestorben ist der Storchschnabel-Bläuling bereits in Niedersachsen, Brandenburg (mit Berlin), Hessen und Nordrhein-Westfalen. Innerhalb Deutschlands gilt P. eumedon aktuell als stark gefährdet.

Verbreitung in Baden-Württemberg: Der Storchschnabel-Bläuling ist vor allem auf der Schwäbischen Alb, in den Oberen Gäuen, im Baar-Wutach-Gebiet und in Oberschwaben verbreitet. Daneben existieren noch kleinere Populationen im Albvorland (Schönbuch) und im Tauberland. In den Keuperwaldbergen gilt die Art als ausgestorben. Weite Teile des übrigen Baden-Württembergs (Oberrheinebene, Kraichgau, Schwarzwald) wurden niemals besiedelt.

Habitatansprüche: P. eumedon kann in recht verschiedenartigen Habitaten mit Storchschnabel-Vorkommen (Geranium sylvaticum, G. palustre oder G. sanguineum) auftreten. Dies sind in Oberschwaben und im Albvorland häufig feuchte Hochstaudenfluren und andere recht magere Feuchtbrachen mit G. sylvaticum oder G. palustre. Auf der Schwäbischen Alb und im Tauberland kann die Art auch an trockenwarmen Säumen von Magerrasen und lichten Kiefernwäldern auftreten, hier wird dann meist G. sanguineum als Wirtspflanze genutzt. Die häufigste Storchschnabel-Art, der Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense), wird nur ausnahmsweise als Wirtspflanze genutzt. Früher kam die Art mit Sicherheit auch in lichten Waldsystemen vor, heutzutage sind derartige Habitate nur noch ansatzweise etwa im Schönbuch vorhanden.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Gefährdet. Die Bestände des Storchschnabel-Bläulings sind außerhalb der Schwäbischen Alb überall rückläufig. Sicherlich verliert die Art vor allem in den intensiv landwirtschaftlich genutzten Regionen (z.B. Oberschwaben) durch Intensivierung, Trockenlegung und Eutrophierung der Feuchtbrachen an Lebensraum. Aufgrund der weiten Verbreitung der Storchschnabel-Arten in Baden-Württemberg (auch außerhalb des Vorkommensgebietes von P. eumedon) könnten jedoch für den Rückgang auch andere (klimatische) Gründe verantwortlich sein. Zum Schutz der Art sollten magere Feuchtbrachen, aber auch trockenwarme Saumbereiche (etwa strukturreiche Waldsäume) erhalten werden.

Eignung als Indikatorart: P. eumedon kann als Indikator magerer Feuchtbrachen mit Storchschnabel-Beständen dienen.

 

 

Aberrativer Polyommatus eumedon auf einer Feuchtbrache im Albvorland (Weil im Schönbuch), Mai 2011.

 

 

P. eumedon an G. sanguineum auf einem Magerrasen im Tauberland (Tauberbischofsheim), Juni 2010.

 

 

Weiterer Storchschnabel-Bläuling aus dem Tauberland (Lauda-Königshofen), Mai 2011.

 

 

P. eumedon mit der üblichen Unterseiten-Zeichnung, hier auf der Schwäbischen Alb (Undingen), Mai 2011.

 

 

Portrait eines aberrativ gezeichneten Tieres von einer Feuchtbrache im Albvorland (Weil im Schönbuch), Mai 2011.

 

 

Weiterer Storchschnabel-Bläuling an seiner Wirtspflanze im Albvorland (Weil im Schönbuch), Juni 2011.

 

 

Storchschnabel-reiche Brache auf der Schwäbischen Alb (Inneringen), hier fliegt P. eumedon zusammen mit Erebia medusa.

 

 

Eher trockene und nur bereichsweise eutrophe Wiesenbrache mit Wiesen-Storchschnabel-Beständen auf der Schwäbischen Alb (Undingen) als Habitat von P. eumedon.

 

 

Feuchte, recht magere Senke entlang eines Dammes mit Sumpf-Storchschnabel-Beständen im Baar-Wutach-Gebiet (NSG Zollhausried), auch hier fliegt der Storchschnabel-Bläuling häufig.

 

 

Recht eutrophe Feuchtbrache im Albvorland (Weil im Schönbuch) als Habitat von P. eumedon.

 

 

Hochstaudenreicher Grabeneinschnitt inmitten von extensiv genutzten Feuchtwiesen im Albvorland (Weil im Schönbuch) als Habitat von P. eumedon.

 

 

Saumreicher Halbtrockenrasen im Tauberland (Königheim), auch hier fliegt der Storchschnabel-Bläuling.

 

 

Schematische Verbreitung von P. eumedon in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

 

Polyommatus dorylas, Polyommatus icarus                                                      

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