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Erebia ligea

Erebia aethiops (Graubindiger Mohrenfalter) (Esper 1777)

 

Verbreitung in Deutschland: E. aethiops ist in Deutschland vor allem im Süden verbreitet, vereinzelte Vorkommen erstrecken sich jedoch bis nach Norddeutschland. Aus Schleswig-Holstein und aus der Hansestadt Hamburg sind keine Nachweise der Art bekannt geworden. Bundesweit gilt die Art aktuell als gefährdet (Reinhardt & Bolz 2011).

Mecklenburg-Vorpommern: Ausgestorben. Ehemals in diluvialen Sandlandschaften verbreitet (Retzlaff & Kinkler 2004).

Niedersachsen: Stark gefährdet. Sehr lokale und individuenarme Populationen im Leine-Weserbergland, vielleicht auch noch am Südharzrand. Früher bis in den Hildesheimer Raum verbreitet (Retzlaff & Kinkler 2004, CDL Niedersachsen 2009).

Sachsen-Anhalt: Stark gefährdet. Im Süden Sachsen-Anhalts angrenzend an die Thüringer Populationen verbreitet (Kinkler 2005).

Brandenburg/Berlin: Verschollen. Ehemals im östlichen Berliner Raum verbreitet, aktuell jedoch verschollen. Die letzten Nachweise datieren von 1979 (Gelbrecht et al. 1995, Weidemann 1995).

Sachsen: Stark gefährdet. Nur acht bekannte Randvorkommen (Klausnitzer & Reinhardt 2006).

Thüringen: Gefährdet. Aktuell in Nordwest- und Mittelthüringen, im Mittleren Saaletal sowie in der Vorderrhön bis ca. 500 m NN verbreitet (Thust et al. 2006).

Hessen: Stark gefährdet. Im 19. Jahrhundert an trockenen, lichten Standorten überall verbreitet, heute nur noch wenige Vorkommen in den Mittelgebirgen in Nord- und Osthessen (Brockmann 1989). In Nordhessen zwischen dem Diemeltal und Kassel aktuell wohl nicht mehr vorkommend (Retzlaff & Kinkler 2004).

Nordrhein-Westfalen: Vom Aussterben bedroht. Während Anfang der 1980er-Jahre noch 19 Fundstellen in NRW und Rheinland-Pfalz bekannt waren (Stamm 1981), existieren aktuell nur noch zwei Vorkommen bei Warburg und Nettersheim (Urfttal) (Fartmann 2004, Kinkler 2005, Leopold 2006).

Rheinland-Pfalz: Vom Aussterben bedroht. Im Pfälzer Wald vereinzelt auf frischen Wiesen oberhalb 400 m NN, nur noch zwei Fundorte bekannt (Kraus 1993, Weidemann 1995). Eine Fundstelle im Nordpfälzer Bergland, eine andere Teilpopulation in einer ehemaligen Tongrube im Rheinhessischen Tafel- und Hügelland. Im Haardt-Gebirge in den 1980er-Jahren erloschen (Schulte et al. 2007).

Saarland: In den 1960er-Jahren ausgestorben (Kinkler 2005).

Bayern: Vorwarnliste. Im Alpenbereich die häufigste Erebia-Art, die aber im Vorland stellenweise bereits gefährdet ist (Weidemann 1995, Stettmer et al. 2007). Daneben tritt E. aethiops in Bayern auf der Frankenalb, im Steigerwald und auf der Mainfränkischen Platte auf. Angrenzend an Baden-Württemberg existieren wenige Nachweise angrenzend an die Schwäbische Alb auf der Fränkischen Alb, im Unteren Illertal, auf der Adelegg und im Westallgäuer Hügelland (Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 2001).

Verbreitung in Baden-Württemberg: E. aethiops war ehemals in zahlreichen Regionen Baden-Württembergs verbreitet. Vom Tauberland im Nordosten hatten die Populationen über die Kocher-Jagst-Region und die Keuperwaldberge direkten Kontakt mit den Hauptvorkommen auf der Schwäbischen Alb. Von der Schwäbischen Alb ostwärts war die Art über die Fränkische Alb bis weit nach Bayern hinein verbreitet (Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 2001). Von Nordwesten Baden-Württembergs ausgehend zog sich ein weiteres Verbreitungsband vom Kraichgau bis in das Albvorland und weiter in die Oberen Gäue. Von dort aus hatten die Populationen wiederum Kontakt mit denjenigen der Albhochfläche und zogen sich über das Baar-Wutach-Gebiet bis zum Schwarzwald-Rand und in den schweizerischen Kanton Schaffhausen (vgl. Herrmann 2009). Ausgehend von der Hegau-Alb war E. aethiops über das Bodenseebecken auch weit in Oberschwaben bis hin zur Adelegg und zum Illertal verbreitet. Von der Adelegg und dem Westallgäuer Hügelland ausgehend erstreckten sich die Vorkommen in das bayerische Alpenvorland bis hin zu den österreichischen Alpen, auch das Illertal wurde auf bayerischer Seite besiedelt (Reichl 1992, Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 2001). Westlich des Schwarzwaldes existierten weitere Populationen am Kaiserstuhl und in der Südlichen Oberrheinebene, die Kontakt mit den Vorkommen im französischen Elsaß hatten (Lafranchis 2000, Treiber 2003). Größere Verbreitungslücken hatten schon historisch Bestand in der Mittleren und großen Teilen der Nördlichen Oberrheinebene sowie in einem großen Gebiet im nördlichen Kraichgau, im Bauland und im Neckarbecken. Auch der Naturraum Schurwald und Welzheimer Wald war nur sehr dünn besiedelt. Ebenfalls kaum besiedelt war der nördliche Teil Oberschwabens, möglicherweise liegen hier auch Kartierungslücken in historischer Zeit vor. Fast gänzlich unbesiedelt blieb der Schwarzwald, der E. aethiops aufgrund seines sauren Untergrunds (und dem damit zusammenhängenden Fehlen der wichtigsten Wirtspflanze Brachypodium pinnatum) und des eher feucht-kühlen Klimas keine geeigneten Lebensbedingungen bietet.

E. aethiops war ehemals in folgenden Waldsystemen Baden-Württembergs verbreitet:

Kalkhaltige Sandkiefernwälder der nördlichen Oberrheinebene bei Mannheim (vor 1930 erloschen)

Auwälder bei Karlsruhe (Durlacher Wald, vor 1930 erloschen)

Waldtäler am Rande des Nordschwarzwaldes (Kraichgau, bis 1980 erloschen)

Lichte Kiefernwälder, versaumende Halbtrockenrasen und magere Böschungen des Tauberlandes und des Kocher- und Jagsttales (teilweise noch aktuell, rückläufig)

Submontane Laubmischwälder der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge (weitgehend erloschen, nur noch eine bekannte Population)

Submontane Laubmischwälder des Mittleren Albvorlandes (teilweise noch aktuell, im Aussterben begriffen)

Versaumende Magerrasen und lichte Kiefernwälder der Oberen Gäulandschaften (aktuell, vor allem im Nordteil rückläufig)

Versaumende Magerrasen, lichte Kiefernwälder und Lichtwaldsysteme der Schwäbischen Alb (aktuell, weite Verbreitung)

Lichte Auwälder im Überschwemmungsbereich der Iller (teilweise noch aktuell, stark rückläufig)

Wechseltrockene bis wechselfeuchte Streuwiesenbrachen und Wegränder in den Wäldern Oberschwabens (teilweise noch aktuell, vom Aussterben bedroht)

Submontane Nadelmischwälder mit Lichtwaldstrukturen Oberschwabens (bis 2000 erloschen)

Montane Waldtäler und Tobel der Adelegg (aktuell)

Ehemalige Auwälder, aktuell lichte Trockenwälder der südlichen Oberrheinebene (teilweise aktuell, rückläufig)

E. aethiops ist aktuell noch am südlichen Oberrhein, im Tauberland, in den Keuperwaldbergen, im Albvorland, auf der Schwäbischen Alb, in den Oberen Gäuen und in Oberschwaben verbreitet. Die ehemaligen Populationen am nördlichen Oberrhein, im Kraichgau und in der Kocher-Jagst-Region sind bereits erloschen. In den Naturräumen Tauberland, Keuperwaldberge, Albvorland und Oberschwaben sind die Vorkommen stark rückläufig und teilweise vom Aussterben bedroht (Schwarze Punkte: Nachweise nach 2000, schwarz gerandete Punkte: Nachweise zwischen 1980 und 2000, weiße Punkte: Nachweise vor 1980).

 

 

Habitatansprüche: E. aethiops kann als mesophile Waldart gelten, die primär lichte Waldstrukturen und Übergangsbereiche zum Wald besiedelt. Hierzu zählen in heutiger Zeit verbrachende und verbuschende Magerrasen an Waldrändern, Vorwaldstadien, Lichtwaldbereiche, lichte Kiefernwälder, Bahnböschungen in Wäldern, Sukzessionsfluren, Schneisen, Hochstromleitungen im Wald, brach gefallene Streuwiesen sowie lichte Moor- und Bruchwälder. Wichtig sind hierbei regelmäßig besonnte, streureiche und höherwüchsige Wirtspflanzenvorkommen. In Baden-Württemberg dürfte neben Brachypodium pinnatum zumindest auch Molinia caerulea als Wirtspflanze genutzt werden, weitere Gräser scheinen aufgrund von Beobachtungen aus anderen Ländern (Schweiz, Groß-Britannien) wahrscheinlich. Stark mit B. pinnatum assoziiert sind die E. aethiops-Vorkommen im Tauberland, in den Oberen Gäuen, auf der Schwäbischen Alb mit Baar- und Hegaualb sowie in der Oberrheinebene. Auch das aktuelle Vorkommen im Illertal lebt ziemlich sicher an B. pinnatum, genauso wie die ehemaligen Populationen am Bodensee. Dagegen existiert am letzten Fundort der Art im Schönbuch definitiv keine Fiederzwenke, dafür großflächig M. caerulea-Fazies und auch Calamagrostis epigejos. Dies trifft auch auf zahlreiche weitere ehemals besiedelte Habitate im Albvorland und in Oberschwaben zu. Wahrscheinlich spielt die Wirtspflanzenart eher eine untergeordnete Rolle, wichtiger scheinen Struktur und Ausprägung der Gräserfazies (Streuschicht, Magerkeit, partielle Besonnung, Saumcharakter).

 

Erebia aethiops auf einem saumreichen Halbtrockenrasen auf der Schwäbischen Alb (Münsingen), Juli 2007.

 

 

E. aethiops von der Schwäbischen Alb (Mahlstetten), Juli 2011.

 

 

Paarung von E. aethiops am Rand der Schwäbischen Alb (Laiz), August 2009.

 

 

Weitere Kopula in den Oberen Gäuen (Nagold), Juli 2011.

 

 

Typisches Bild von der Schwäbischen Alb (Veringenstadt): Mehrere E. aethiops an Dost saugend, August 2009.

 

 

Mageres Sukzessionsstadium auf dem Böblinger Standortübungsplatz. Hier befindet sich das letzte Vorkommen von E. aethiops im Schönbuch. Das besiedelte Habitat ist durch seine Größe, seine Lichtheit, die Ausprägung einer deckenden Streu- und Gräserschicht sowie durch seine sehr geringe Eutrophierung mit keiner weiteren Fläche im Schönbuch zu vergleichen und deshalb wohl als letztes Idealhabitat noch besiedelt.

 

 

Das wohl letzte besiedelte Habitat in den Keuperwaldbergen bei Schwäbisch Hall: Das ehemalige Militärgebiet Altspöck, das sich durch großflächige streureiche und magere Offenflächen im Wald auszeichnet, stellt einen absoluten Sonderfall in der Habitatausprägung in dieser Region dar und wahrscheinlich deshalb auch aktuell noch von E. medusa und E. aethiops gut besiedelt.

 

 

Reich strukturierter, magerer Waldrand mit B. pinnatum-Fazies auf der Schwäbischen Alb. Hier kann E. aethiops zahlreich angetroffen werden. Derartige Waldränder existieren im Schönbuch und in Oberschwaben kaum noch, in weiten Bereichen der nördlichen Oberen Gäue und des Tauberlandes (wo die Art aktuell ebenfalls selten ist) dagegen schon noch.

 

 

Hochstromleitung im Wald mit Fichtenanpflanzungen auf der Schwäbischen Alb. Dieses relativ magere und gut besonnte Habitat wird sehr zahlreich von E. aethiops besiedelt. Im Albvorland bleiben strukturell ähnliche Flächen, die sich durch große Teile des nördlichen Schönbuchs ziehen und als Ausbreitungslinien dienen könnten, unbesiedelt.

 

 

Ganz typisches Habitat von E. aethiops auf der Schwäbischen Alb: Verbrachter, teilweise verbuschter Halbtrockenrasen am Waldrand mit unterschiedlichem Sukzessionsgehölz und mageren B. pinnatum-Fazies.

 

 

Bahnböschung am lichten Kiefernwald in den westlichen Oberen Gäuen. In diesen mageren, sonnenexponierten Habitaten ist E. aethiops mit zahlreichen weiteren gefährdeten Arten wie Zygaena carniolica, Zygaena purpuralis oder Psophus stridulus vergesellschaftet.

 

 

Die lichten Kiefernwälder bei Gültlingen in den Oberen Gäulandschaften stellen aktuell die östlichsten Populationen von E. aethiops in diesem Naturraum dar. Auch weiter östlich im wärmeren und atlantisch geprägten Heckengäu existieren zahlreiche ähnlich strukturierte Kiefernwälder auf ehemaligen Magerrasen. Diese bleiben jedoch alle unbesiedelt.

 

 

Auwald-Brenne im Illertal: Hier herrschen magere, trocken-warme und sehr lichte Verhältnisse. In den Saumbereichen bestehen Fazies von B. pinnatum und C. epgejos. Die Flächen nehmen zur Zeit nur noch wenige Hektar ein und sind deshalb stark von Sukzession bedroht. Angrenzende magere, mit B. pinnatum bewachsene Wegsäume und Uferböschungen entlang der Iller wurden nicht (mehr) besiedelt.

 

 

Magere Wegsäume und Böschungen verzahnt mit Halbtrockenrasen und lichten Kiefernwäldern gibt es noch zahlreich im Tauberland. Nur an dieser einen Stelle bei Tauberbischofsheim (NSG Stammberg) konnte ich 2010 noch zwei Falter nachweisen.

 

 

Waldfahrstraße im Tauberland bei Külsheim mit breiten Saumbereichen und angrenzenden lichten Kiefernwäldern. Hier fliegt E. aethiops noch recht zahlreich und deutlich besser als in den angrenzenden Halbtrockenrasen.

 

 

Blütenreiche Wegsäume im Tauberland zwischen den Naturschutzgebieten Haigergrund und Langenfeld. Auch hier konnten einige Falter von E. aethiops angetroffen werden. Wahrscheinlich dienen die streu- und an B. pinnatum reichen Wegsäume auch als Larvalhabitate.

 

 

Lichter, als Mittelwald gepflegter Trockenwald in der südlichen Oberrheinebene (NSG Grißheimer Trockenaue). Hier tritt E. aethiops trotz des suboptimalen Klimas (sehr warm, jedoch auch subkontinental) noch regelmäßig auf. Der Lebensraum kann als Idealhabitat für den Waldteufel und zahlreiche weitere Lichtwaldarten (Lopinga achine, Satyrium ilicis, Satyrium spini) gelten.

 

 

Weiteres von E. aethiops besiedeltes Habitat am südlichen Oberrhein bei Hartheim. Hier fliegt die Art sowohl an den offenen Saumbereichen wie auch im lichten und gräserreichen Waldesinnern. Ein Falter von E. aethiops ist im Vordergrund auf einer Dost-Blüte erkennbar.

 

 

Abbruchkante mit reichlich B. sylvaticum-Bewuchs in Oberschwaben bei Wangen i. A. Hier konnten noch vereinzelte Falter von E. aethiops festgestellt werden.

 

 

Das zweite durchaus noch besser besiedelte Habitat bei Wangen i. A. ist ein größerer Kahlschlag am Steilhang des Argentals. Hier konnten 2011 immerhin 15 Falter gezählt werden, als Wirtspflanze ist auch hier das am Hang reichlich vertretene B. sylvaticum wahrscheinlich.

 

 

Habitat am Tobeleingang auf der Adelegg, hier können E. aethiops und E. ligea zusammen angetroffen werden, wobei E. ligea jedoch deutlich häufiger ist.

 

 

Rückgangsursachen: Als Waldsaum- und Lichtwaldart leidet E. aethiops stark unter der Entsaumung und Hochwaldnutzung der Wälder. Aus diesem Grund können die Rückgänge in einigen Regionen auch aufgrund von Habitatverlusten erfolgt sein. Trotzdem ist die Art etwa auch im Tauberland und in den nördlichen Oberen Gäuen stark rückläufig sowie im Jagsttal ausgestorben, obwohl in diesen Regionen noch ausreichend geeignete Habitate zu Verfügung stehen. Deshalb ist auch bei E. aethiops ein klimatisch bedingter Rückgang anzunehmen. Die Art scheint jedoch etwas weniger sensibel zu sein als E. medusa und vor allem E. ligea.

Albvorland (Schönbuch): E. aethiops zeigt sich im Schönbuch extrem anspruchsvoll und kommt hier ausschließlich noch auf einer streu- und gräserreichen Lichtwaldfläche auf dem Böblinger Standortübungsplatz vor. Dieses Habitat ist strukturell eindeutig als Ausnahmefall zu verwerten und mit anderen Offenflächen im Schönbuch nicht zu vergleichen. Die Besonderheit der Fläche liegt in ihrer Lichtheit, in der fast vollständigen Deckung des Bodens mit Gräsern (M. caerulea und C. epigejos) und Streu sowie in ihrer Magerkeit. Viele nun wieder für E. aethiops geeignet erscheinende Habitate sind erst zur Jahrtausendwende mit dem Sturm "Lothar" entstanden. Allerdings zeigten die Untersuchungen, dass derartige Sturmwurfflächen ausschließlich auf der Schwäbischen Alb besiedelt werden konnten. Allgemein sind sowohl lichte Waldbereiche, Offenstellen im Wald als auch saumreiche, magere innere und äußere Waldsäume mit gutem Wirtspflanzenangebot im Schönbuch zurück gegangen, weshalb ein klimatisch bedingtes Verschwinden in diesem Naturraum nicht belegt werden kann, auch wenn es möglich erscheint.

Obere Gäue: Dieser Naturraum wird (wie von E. ligea auch) im Norden kaum mehr besiedelt während die Vorkommen im klimatisch besser geeigneten Süden (z.B. Baar-Hochmulde) deutlich zunehmen. Überraschend ist etwa das Fehlen von E. aethiops im Heckengäu, wo zahlreiche saumreiche Halbtrockenrasen und lichte Kiefernwälder existieren. Das nord-östlichste Vorkommen besteht aktuell bei Gültlingen im Habitatkomplex von lichtem Kiefernwald und Halbtrockenrasen. Trotz großflächig gutem Habitatangebot in diesem Raum ist E. aethiops hier extrem selten. 2009 konnten hier nur drei Falter, 2010 überhaupt kein Falter und 2011 nur etwa fünf Individuen nachgewiesen werden. Diese seltene Auftreten sowie das vollständige Fehlen im Heckengäu lassen auf klimatische Einflüsse schließen. Auch weiter südlich bei Nagold und Horb scheint sich die Art auf mesophilere und luftfeuchtere Stellen in den lichten Kiefernwäldern und Halbtrockenrasen zurück zu ziehen, erste Rückgangstendenzen sind auch in diesem Raum schon erkennbar. Dagegen ist E. aethiops etwa auf der Baar keinesfalls selten und besiedelt hier (etwa im NSG Kreuzbuck bei Löffingen) gar Offenlandhabitate mit Saumstrukturen entlang von Hecken.

Schwäbische Alb: Zahlreiche besiedelbare, miteinander verknüpfte Habitate. Wenig Eutrophierung, gute B. pinnatum-Bestände. Ideale klimatische Eignung durch niedrige Wintertemperaturen (konstante Schneedecke). Absoluter Verbreitungsschwerpunkt, kaum ein Rückgang erkennbar.

Oberschwaben: Habitate kleinräumig und isoliert, Wälder häufig sehr dunkel und stark eutrophiert. Geeignet erscheinende Habitate noch in den Moor- und Sumpfwäldern der Naturschutzgebiete sowie auf Streuwiesen-Brachen. Hier ist M. caerulea sehr häufig. Rückgang in vielen Waldgebieten mit Sicherheit auch stark von Habitatqualität abhängig. Vorkommen nur im klimatisch besser geeigneten Ostteil (Adelegg, Westallgäuer Hügelland, Illertal). Im Illertal existieren großflächig noch geeignete Waldbereiche auf bayerischer Seite, die Vorkommen bei Wangen i. A. sind sehr klein und isoliert, weshalb hier Habitatschwund als Hauptursache für den Rückgang anzunehmen ist.

Tauberland: Zahlreiche geeignete Habitate (lichte Kiefernwälder, Saumbereiche, verbrachte Halbtrockenrasen) vorhanden, jedoch nur wenige meist individuenarme Vorkommen nachgewiesen. Ein klimatischer Einfluss ist in diesem eigentlich gut geeigneten Naturraum sehr wahrscheinlich.

Oberrheinebene: Das NSG Grißheimer Trockenaue und umgebende Trockenwälder sind klar als Sonderfall anzusehen. Alle anderen Populationen (Rhein-Auwälder, Mooswald bei Freiburg, Kaiserstuhl, Hardtwald bei Karlsruhe) sind seit langem erloschen. Habitateignung häufig auch nur mäßig, klimatische Eignung eher suboptimal. Aussterben wahrscheinlich auch klimatisch bedingt.

Quellen für diese Seite:

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Erebia ligea

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