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Italien/Frankreich 2019

Erst vor Kurzem sorgte die Neubeschreibung einer in der Südalpenregion endemischen Schlangenart, namentlich der Piemont-Viper (Vipera walser), für Aufsehen in der herpetologischen Fachwelt. Zu etwa gleicher Zeit wurden aus den französischen Alpen im Raum des Mont Blanc-Massivs vermehrt Funde relativ einheitlich gefärbter Aspisvipern (Vipera aspis) (Concolor-Variante) einer breiteren Öffentlichkeit (und damit auch uns) bekannt. Da beide Regionen darüber hinaus nicht nur für eine reichhaltige Herpetofauna, sondern auch für eine artenreiche Entomofauna bekannt sind, beschlossen wir einen fünftägigen Kurztrip (16.-20.08.) in diese und umgebende Gebiete zu unternehmen. Hauptziel waren die beiden oben genannten Arten. Mit kurzer Unterbrechung fuhren wir im Anschluss weiter in den Süden Italiens und besuchten dort den in der Toskana liegenden Vulkansee Lago di Bolsena und die apenninischen Abruzzen (Nationalpark Gran Sasso), die Heimat der Wiesenotter (Vipera ursinii) sind (25.08.-02.09.).

Piemontesische Alpen (1. + 2. Tag) - Wundersame Begegnungen

Wir (Dominik, Ines und Thomas) starteten am 16.08.2019 morgens in Richtung unseres ersten Ziels in den Ausläufern der piemontesischen Alpen. Wir erlaubten uns nur einen kurzen Zwischenstopp an einem kleinen Castello im südwestlichen Graubünden südlich von Mesocco. Bereits hier konnten wir erste Westliche Smaragdeidechsen (Lacerta bilineata) und Mauereidechsen (Podarcis muralis) beobachten. An einem auch hier invasiven Schmetterlingsflieder saugte ein Segelfalter (Iphiclides podalirius) sowie mehrere Exemplare der Spanischen Flagge (Euplagia quadripunctaria). Am frühen Nachmittag erreichten wir unser erstes Hauptziel. Da wir es kaum erwarten konnten, endlich ins Gelände zu kommen, fuhren wir ohne Zwischenstopp an unserer Unterkunft direkt zum Habitat. Der steile, von einzelnen Mauern und Steinhäufen durchsetzte Trockenhang erstreckte sich vor uns in den Strahlen der Nachmittagssonne, die gerade erst durch die in dieser Höhenlage häufig dichte Wolkendecke gedrungen war. Gleich zu Beginn fiel der ungeheure Individuen- und Artenreichtum an Heuschrecken auf, die bei jedem Schritt zu allen Seiten davon sprangen. Die häufigste Art war eindeutig der Gebirgsgrashüpfer (Stauroderus scalaris), der die Luft mit seinem markanten Gesang erfüllte. Daneben waren aber auch Warzenbeißer (Decticus verrucivorus), Westliche Beißschrecke (Platycleis albopunctata), Alpen-Strauchschrecke (Pholidoptera aptera) und Buntbäuchiger Grashüpfer (Omocestus rufipes) vertreten. Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit zeigten sich noch einige Tagfalter; verschiedene Arten aus der Gattung Erebia dominierten dabei. Es fanden sich aber auch Schwalbenschwanz (Papilio machaon), Großer Perlmutterfalter (Speyeria aglaja) oder Komma-Dickkopffalter (Hesperia comma). Dominik sah bereits nach wenigen Minuten eine erste Aspisviper, die sich jedoch bei seiner Annäherung schnell verkroch. Nur kurze Zeit später fand auch Thomas seine erste Viper, die unter eine im Gelände liegende Metallplanke flüchtete. Nachdem wir diese gedreht hatten, war die Freude groß: Es handelte sich um ein Weibchen der Piemont-Viper (Vipera walser). Noch während wir unseren Fund bewunderten, waren wir plötzlich nicht mehr zu dritt, sondern zu fünft. Christian aus Dänemark und Julius aus Deutschland waren ebenfalls auf der Suche nach der Piemont-Viper und froh darüber, dass wir nun die erste gefunden hatten. An diesem und am Folgetag sollten sich unsere Wege immer wieder kreuzen, nicht nur im Gelände, sondern auch abends in der Unterkunft und beim Abendessen, was für alle eine unterhaltsame und willkommene Abwechslung war. An diesem Nachmittag konnten wir neben der allgegenwärtigen Mauereidechse (Podarcis muralis) nur noch eine weitere Aspisviper finden, da die Sonne bereits tief stand. Wir beschlossen also den Abend in unserer Unterkunft bei sehr herpetomanischen Gesprächen ausklingen zu lassen und erwarteten mit Spannung den kommenden Tag.

Der folgende Morgen begann alles andere als ausgeschlafen: Die Kirchenglocken, die gefühlt einen halben Meter neben unserem offenen Fenster hingen, läuteten jede halbe Stunde die ganze Nacht hindurch. Trotzdem waren wir pünktlich um 8.30 Uhr auf der Fläche. Genau zu richtigen Zeit, wie sich herausstellte, da die Sonne gerade den Hang erreichte. Und die Suche sollte wieder schnell erfolgreich sein: Dominik fand neben einer Aspisviper schnell ein weiteres Weibchen der Piemont-Viper. Ines konnte ein Jungtier der Aspisviper finden. Auch die dort offenbar relativ häufige Schlingnatter (Coronella austriaca) konnten wir nachweisen. Zum Mittag hin begannen wir mit dem Aufstieg auf das Hochplateau, von dem ebenfalls Nachweise der Piemont-Viper bekannt geworden waren, die zur Zeit ihrer Entdeckung noch zum Südalpentyp der Kreuzotter (Vipera berus) gerechnet wurden. Auf dem Weg dorthin begegneten wir der Waldeidechse (Zootoca vivipara), die im Vergleich zur Mauereidechse die höheren Lagen bevorzugte. Die offene, von Zwergsträuchern dominierte und von Steinen durchsetzte, großflächige Hochebene war bei vergleichsweise kühler Witterung nur schwer zu kartieren, da sich die Verstecke der Vipern überall und nirgends befinden konnten. Bereits auf dem Abstieg konnte Ines an einem viel versprechenden Hang eine weitere Schlingnatter finden. Weitere Nachweise waren uns an diesem Tag nicht vergönnt, sei es aufgrund des schwierigen Geländes oder aufgrund der kühlen Witterung. Wieder am Südhang angekommen, trafen wir auf Christian und Julius mit denen wir den Abend in unserer Unterkunft ausklingen ließen. Auch sie hatten auf der Suche nach der Piemont-Viper kein Glück mehr gehabt.

 

Der Segelfalter (Iphiclides podalirius), hier am invasiven Schmetterlingsflieder saugend, ist südlich der Alpen noch weit verbreitet und häufig.

 

 

Blick auf das Habitat der Piemont-Viper (Vipera walser) in den südlichen Ausläufern der Alpen. Die steilen Hänge sind von Steinhäufen durchzogen und werden extensiv mit Rindern beweidet.

 

Das erste Individuum der Piemont-Viper in situ, ein ausgewachsenes Weibchen, das von unserer Begegnung eher wenig begeistert war.

 

Eine weitere Piemont-Viper in den Strahlen der gerade aufgehenden Sonne. Die Art wirkt im Vergleich zur Kreuzotter eher glatt und glänzend.

 

Einblick in das Habitat der Piemont-Viper: Einzelne Felsen werden zum Sonnen und als Unterschlupf genutzt, die umgebende Vegetation ist relativ langgrasig, wird aber von Rindern sehr extensiv beweidet.

 

Die Aspisviper (Vipera aspis "atra") war in den Steinansammlungen des Hangs häufiger anzutreffen als die Piemont-Viper.

 

Beeindruckend ist bei der Aspisviper immer wieder die starke Variabilität der einzelnen Individuen, auch dieses Exemplar stammt aus dem Fundgebiet der Piemont-Viper.

 

Die Schlingnatter (Coronella austriaca) fanden wir in mehreren Individuen, dies spricht bei dieser sehr versteckt lebenden Art für eine hohe Dichte im Gebiet.

 

Mauereidechsen (Podarcis muralis) waren im gesamten Gebiet weit verbreitet und mit Abstand die häufigste Reptilienart.

 

Ein weiteres Weibchen der Mauereidechse, das sich gerade in der Häutung befindet.

 

In den höheren Lagen wird neben Rindern auch mit Eseln und Ziegen beweidet. Die Beweidung ist notwendig, damit die Vegetation kurz gehalten wird und die Zwergsträucher nicht zu dominant werden.

 

Die Westliche Beißschrecke (Platycleis albopunctata) war an den schütteren Stellen des Südhangs vertreten.

 

Auch der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) war in dem südexponierten Gelände häufig und ließ bei guter Witterung seinen nähmaschinenartigen Gesang erklingen.

 

Der Gebirgsgrashüpfer (Stauroderus scalaris) war massenhaft am Südhang vertreten, sein Gesang war charakteristisch für die Stimmung im Gelände, sobald die Sonne schien.

 

Der Buntbäuchige Grashüpfer (Omocestus rufipes), hier ein Weibchen, war an Wegböschungen und Offenbodenstellen anzutreffen.

 

In den Tälern nördlich des Lago Maggiore (3. Tag) - Giftiger Variantenreichtum an der Badestelle

Am dritten Tag brachen wir zu einem idyllisch gelegenen Flusstal nördlich des Lago Maggiore auf, von dem Dominik wusste, dass es dort neben den normal gefärbten Aspisvipern auch dunkle bis fast schwarze Tiere gibt. Nach ungezählten Serpentinen und halbstündigem Fußmarsch kaum im Tal angekommen, fand Ines auch schon ein schwarz gefärbtes Individuum, das im Gegensatz zu den "atras" aus dem Berner Oberland auch über hellere Zeichnungselemente verfügte und nicht pechschwarz war. Nur einen Meter entfernt fand sich außerdem ein typisch gefärbtes Tier. Zwei Stunden später sollten an dieser Stelle zahlreiche Badegäste das Ufer des Flusses zum Sonnen und Erfrischen nutzen, von den Vipern war zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu sehen. Im weiteren Verlauf des Flusstals fanden wir noch drei weitere Aspisvipern, die allesamt eher dunkel grau-blau gefärbt waren und sich an der Uferböschung sonnten. Auch eine Schlingnatter und eine Italienische Blindschleiche (Anguis veronensis) nutzten die Morgensonne. Die Eidechsen waren mit der allgegenwärtigen Mauereidechse, aber auch mit einigen Exemplaren der Westlichen Smaragdeidechse vertreten. Der Grasfrosch (Rana temporaria) war das einzige von uns nachgewiesene Amphib. Das Flusstal präsentierte sich auch sonst artenreich mit zahlreichen Schmetterlingsarten wie der Spanischen Flagge (Euplagia quadripunctaria), dem Großen Fuchs (Nymphalis polychloros), dem Trauermantel (Nymphalis antiopa), dem Kaisermantel (Argynnis paphia) und hunderten Bläulingen, die wahrscheinlich großteils dem Ginster-Bläuling (Plebejus idas) zuzurechnen waren. Die Libellen waren mit Gestreifter Quelljungfer (Cordulegaster bidentata), Früher Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii) und Gebänderter Prachtlibelle (Calopteryx splendens) vertreten, an sandigen Stellen des Flussbetts fanden sich vereinzelte Individuen des Dünen-Sandlaufkäfers (Cicindela hybrida). Zum Mittag hin wurde es im Tal immer heißer und trockener, die Vipern hatten sich längst in den Schatten zurückgezogen und wir beschlossen die vierstündige Fahrt zu unserem nächsten Ziel in den französischen Alpen auf uns zu nehmen.

Wenige Tage später waren wir in anderer Besetzung (Paul, André, Samuel, Thomas) nochmals in einem nördlich des Lago Maggiore gelegenen Tal. Auch hier konnten wir in einer Blockhalde mit großen Felsblöcken vier Individuen der Aspisviper finden. Die Tiere waren eher bräunlich gefärbt und zeigten die für "atra" typischen kräftigen, schwarzen Banden.

 

Habitat der Aspisviper in einem naturbelassenen Flusstal nördlich des Lago Maggiore.

 

Sehr dunkel, aber nicht komplett schwarz gefärbtes Individuum der Aspisviper in situ; es sind auch hellere und rötliche Bereiche zu erkennen.

 

Fundstelle des schwarzen und eines normal gefärbten Tieres; wenige Stunden später wurde dieser Bereich als Liegezone an der Badestelle des Flusses genutzt.

 

Weitere, recht dunkel gefärbte V. aspis "atra" in situ, die sich an der Böschung entlang des Flusses sonnte.

 

Weitere dunkel gefärbte Aspisviper in situ, die sich geschützt von einer überhängenden Fichte im Halbschatten sonnte.

 

Auch in diesem Tal war die Schlingnatter anzutreffen; dieses vor der Häutung stehende Tier sonnte sich in der Uferböschung des Flusses.

 

An dieser Weg- und Uferböschung des Flusstales sonnten sich mehrere Aspisvipern und obige Schlingnatter.

 

Die Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata), hier ein geflecktes Weibchen, war in diesem Tal regelmäßig anzutreffen.

 

Weitere, sich sonnende Westliche Smaragdeidechse mit der typischen "bilineata"-Zeichnung.

 

Portrait des oben gezeigten Individuums; an der Haut unterhalb des Vorderbeines saugen mehrere Zecken.

 

Die Mauereidechse findet sich südlich der Alpen eigentlich überall, so auch in diesem Flusstal.

 

Bei diesem Individuum handelt es sich um die Italienische Blindschleiche (Anguis veronensis), die "unsere" Blinschleiche (Anguis fragilis) südlich der Alpen ersetzt.

 

Der Grasfrosch (Rana temporaria) war ebenfalls im Flusstal zu finden.

 

Der Kaisermantel (Argynnis paphia), hier ein Männchen erkenntlich an den Duftschuppenstreifen, ist in den Tälern rund um den Lago Maggiore weit verbreitet und häufig.

 

Dieser Bläuling gehört zur Gattung Plebejus, wahrscheinlich handelt es sich um den Ginster-Bläuling (Plebejus idas).

 

Die Gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentata) war an den Quellbereichen entlang des Flusses anzutreffen.

 

Die Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii) sonnt sich am Ufer des Flusses.

 

 

Der Dünen-Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida) fand sich vereinzelt an sandigen Stellen des Flusstals.

 

Dominik mit offenbar sehr wohlriechender Kappe, die ein Trauermantel (Nymphalis antiopa) zur Aufnahme von Elektrolyten nutzt.

 

Schutthalde in einem weiteren Taleinschnitt nördlich des Lago Maggiore; auch hier fanden sich einige Exemplare der Aspisviper.

 

Kurz vor der Häutung stehendes Weibchen der Aspisviper; klar erkennbar sind die kräftigen schwarzen Flecken, die die Form "atra" häufig kennzeichnen.

 

Ebenfalls vor der Häutung stehendes Männchen mit etwas schmaleren Banden vom gleichen Fundort wie obiges Weibchen.

 

Abendessen im Aostatal mit Paul, Samuel und André.

 

Im Mont Blanc-Massiv (4. Tag) - Wetterkapriolen, schwindende Hoffnung und Happy End

Nach einer unruhigen Nacht in einem kleinen Bergdorf, dessen Hauptstraße deutlich mehr befahren war als das beschauliche Dorf den Eindruck machte, brachen wir am kommenden Morgen bei wechselhafter, kühler Witterung auf in Richtung einer ca. 1.600 m hoch gelegenen Ebene, aus der die concolor-Formen der Aspisviper bekannt geworden waren. Bei etwa 10 °C Lufttemperatur wechselten sich Wind und Niesel ab, die Sonne war nur sehr kurz zu sehen. Trotzdem versuchten wir unser Glück, in der Hoffnung, dass die Tiere die wenigen Sonnenstrahlen nutzen wollten. Im von einer regnerischen Nacht noch nassen Gras fühlten sich allerdings nur einige Grasfrösche und Waldeidechsen wohl. Die aufgrund der Kälte recht bewegungslose Heuschreckenfauna beeindruckte mit Arten wie Großer Höckerschrecke (Arcyptera fusca), Gewöhnlicher Gebirgsschrecke (Podisma pedestris), Sumpfschrecke (Stethophyma grossum), Alpenschrecke (Anonconotus alpinus) und Gebirgs-Beißschrecke (Metrioptera saussuriana). Die Murmeltiere (Marmota marmota) waren im Gegensatz zur Herpeto- und Entomofauna aktiv und neugierig und erfüllten mit ihren Warnpfiffen die Luft. Gegen Mittag zog eine dicke Regenfront auf, die uns dazu zwang, die bis dahin erfolglose Suche abzubrechen und ins Tal zu fahren. Auch dort war das Wetter nur wenig besser und wir verbrachten die Zeit mit der Suche nach einer geöffneten Tankstelle (was sich als schwierig herausstellte) und mit dem Genuss französischen Kaffees. Langsam kämpfte sich die Sonne durch die dicke Wolkendecke und wir versuchten unser Glück an einem südexponierten Trockenhang im Val d'Isère. Gerade angekommen fand Thomas unter einem Blech ein kräftiges Weibchen der Aspisviper, welches über die Störung nur wenig erfreut war. Der Hang stellte sich auch aus entomologischer Sicht mit Berghexe (Chazara briseis), Weißem Waldportier (Brintesia circe), Blauflügeliger und Rotflügeliger Ödlandschrecke (Oedipoda germanica), Italienischer Schönschrecke, Buntbäuchigem und Verkanntem Grashüpfer (Chorthippus mollis) sowie Gottesanbeterin (Mantis religiosa) als sehr artenreich heraus. Da die Sonne nun immer mehr die Oberhand gewann, beschlossen wir bereits nach einer halben Stunde, die Fahrt auf das Hochplateau nochmals auf uns zu nehmen und unsere Chance zu nutzen. Oben angekommen blitzten die ersten Sonnenstrahlen gerade durch die Wolkendecke hindurch und wir begannen mit der Suche. Dominik fand in einer Häuserruine, von der nur noch die Grundmauern übrig waren, ein erstes subadultes Tier mit schwarzem Rückenband und heller Grundfarbe. Nun war also klar, dass die Vipern draußen waren! Kurz darauf fand Thomas in der Spalte eines größeren Felsblocks ein erstes braunes concolor-Weibchen, das sich allerdings schnell verzog. Nach kurzem Warten zeigte sich in der Felsspalte wieder ein Tier, es war dieses Mal jedoch ein normal gefärbtes Männchen, das sich die Höhlung offenbar mit dem Weibchen teilte. Es folgte ein weiteres schwarz-weißes Individuum und darauf wieder eine längere erfolglose Suche in einem von kleineren Felsblöcken durchsetzten Gelände, das uns eigentlich ideal geeignet schien. Auf einem größeren Felsblock fand Thomas dann ein kräftiges, graues concolor-Weibchen, ein traumhaft schönes Tier! Am Ende, es war nun schon nach 18 Uhr, überschlugen sich die Ereignisse: Innerhalb weniger Sekunden fanden wir vier weitere Aspisvipern, darunter auch ein einfarbig gelbliches Tier, das leider unter einen großen Felsblock floh. So war unsere Suche schlussendlich mit insgesamt zehn gefundenen Individuen doch noch sehr erfolgreich. Für den kommenden Tag war leider ein Regentief vorhergesagt, was sich dann auch bestätigte, sodass wir bereits am Morgen die Rückreise antraten.

 

Vipernhabitat im Val d'Isère; mit Büschen und Steinriegeln durchsetzte, beweidete Hänge.

 

Dieses große Weibchen der Aspisviper fand sich bei sich gerade erwärmender Witterung unter einem Metallblech.

 

Die Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus) ist an den Südhängen des Val d'Isère und des Aostatals weit verbreitet.

 

Die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) ist südlich der Alpen an xerothermen Stellen fast überall häufig.

 

Auch die Gottesanbeterin (Mantis religiosa), hier ein Männchen, ist südlich der Alpen weit verbreitet und häufig.

 

Hochtal in den französischen Alpen, Habitat der Aspisviper mit hohem Anteil der concolor-Variante; charakteristische Habitatbestandteile sind die großen Felsblöcke im beweideten oder gemähten Grünland.

 

Graues, trächtiges concolor-Weibchen der Aspisviper, das auf einem der großen Felsblöcke ruhte.

 

Das graue Weibchen im Habitat auf dem Felsblock, der von schütterer Vegetation und losen Steinen geprägt ist.

 

Im Vordergrund die Fundstelle des grauen Weibchens, im Hintergrund weitere Habitatteile des großflächigen Hochtals.

 

Sich sonnendes, normal gefärbtes Männchen von V. aspis "atra" aus den französischen Alpen in situ an einer Felsspalte, die gleichzeitig Zuhause eines braunen concolor-Weibchens war.

 

Weiteres, kurz vor der Häutung stehendes Männchen in der normalen Farbvariante.

 

Weiterer Habitatausschnitt im Hochtal; die Steinmauern stellen letzte Reste ehemaliger Gebäude dar, in der Senke zwischen den Mauern fand sich eine subadulte Aspisviper.

 

Die Waldeidechse (Zootoca vivipara) ist an das rauhe Klima dieser Höhenlagen bestens angepasst.

 

Bei nass-kalter Witterung waren vor allem verschiedene Grasfrösche auf dem Hochplateau unterwegs.

 

Grasfrösche können sehr variabel in ihrer Zeichnung sein; dieses Tier zeigt eine ausgeprägte, schwarze Fleckung.

 

Die Alpenschrecke (Anonconotus alpinus) ist nur lokal verbreitet und fehlt in vielen Bereichen des Alpenraumes.

 

Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke (Podisma pedestris) war in felsreichen und kurzrasigen Bereichen der Hochebene anzutreffen.

 

Auch die Große Höckerschrecke (Arcyptera fusca) war vergleichsweise zahlreich vertreten.

 

In den kleinflächigen, von Seggen bestandenen Senken fand sich zu unserer Überraschung auch die feuchtigkeitsliebende Sumpfschrecke (Stethophyma grossum).

 

Die Alpen-Beißschrecke (Metrioptera saussuriana) ist durch ihre dunkle Färbung gekennzeichnet.

 

Ein Murmeltier (Marmota marmota) beobachtet aufmerksam die Umgebung; die Tiere ließen sich durch unsere Anwesenheit nur wenig stören, waren aber immer auf der Hut.

 

Bolsena-See und Umgebung (2. Teil) - Wildfluss und Kulturland

Nach kurzem Zwischenstopp in der Heimat machten wir uns auf den langen Weg zum ca. 100 km nördlich von Rom gelegenen Bolsena-See. Wir bauten unser Zelt an einem idyllisch direkt am See gelegenen, ruhigen Campingplatz auf und begannen die Umgebung zu erforschen. Unser erster Ausflug führte uns in das nahe gelegene Val d'Orcia, wo wir am Morgen eine sich sonnende Aspisviper der Unterart francisciredi fanden. In der Flussaue selbst gelang uns der Nachweis einer Haut der Vierstreifennatter (Elaphe quatuorlineata), leider konnten wir den Inhaber der Haut nicht ausfindig machen. Allgegenwärtig waren die zahlreichen Pionierarten unter den Heuschrecken, etwa Italienische Schönschrecke, Blauflügelige Ödland- und Sandschrecke (Sphingonotus caerulans). Gottesanbeterinnen (M. religiosa sowie Arten aus der Gattung Ameles) waren genauso vertreten wie zahlreiche Tagfalterarten, darunter Schwalbenschwanz, Südliches Ochsenauge (Pyronia cecilia) und Weißbindiger Waldportier.

In der Umgebung des Campingplatzes boten verschiedenste Saumbereiche und Böschungen zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen gute Habitate für mehrere Eidechsenarten. Besonders auffallend waren die hier häufig in einer grünrückigen Variante auftretenden Mauereidechsen der Unterart P. m. nigriventris. Daneben fanden sich zahlreiche Westliche Smaragdeidechsen und die Ruineneidechse (Podarcis siculus). Die Gelbgrüne Zornnatter (Hierophis viridiflavus) konnten wir ebenfalls an einer ostexponierten Böschung am frühen Morgen finden. Ein weiteres, ausgewachsenes Tier floh vor uns innerhalb weniger Sekunden auf eine ca. 8 m hohe Eiche, von der sie sich auch nicht mehr herunter schütteln ließ. In einem verlassenen Gebäude hielt sich ein Individuum einer Höhlenschreckenart auf, die wir als Süditalienische Langbein-Höhlenschrecke (Dolichopoda geniculata) bestimmten. Nach einigen Tagen des Aufenthalts am idyllischen Lago di Bolsena machten wir uns auf den Weg in die Abruzzen, um ein weiteres Highlight unserer Reise zu entdecken...

 

Diese V. a. francisciredi sonnte sich am Morgen an einem Gehölzsaum im Val d'Orcia.

 

Fundstelle von obigem Individuum; ein nach Osten exponierter Gehölzsaum, der am Morgen gut besonnt war.

 

Die Gelbgrüne Zornnatter (Hierophis viridiflavus) ist sehr variabel in ihrer Färbung und Zeichnung; dieses subadulte Tier befindet sich in der Übergangsphase von der Juvenil- zur Adultzeichnung.

 

Fundstelle der subadulten Gelbgrünen Zornnatter; die ostexponierte Straßenböschung ist vegetationsreich, weist aber gleichzeitig lückige Bereiche auf, die als Liegeplätze geeignet sind.

 

Die Männchen der Mauereidechsen um den Lago di Bolsena weisen häufig eine grüne Rückenfärbung auf.

 

Ein Weibchen der Ruineneidechse (Podarcis siculus); die Art war weitaus seltener zu beobachten als die Mauereidechse.

 

Sich sonnendes Weibchen der Westlichen Smaragdeidechse in einer von Altgras durchzogenen, ostexponierten Wegböschung.

 

Die Süditalienische Langbein-Höhlenschrecke (Dolichopoda geniculata) wird nur selten gefunden; in diesem Fall diente ein verlassenes Haus als Lebensstätte dieses Tieres.

 

Gran Sasso Nationalpark (Abruzzen) (2. Teil) - Unendliche Weiten und Weiden

Der Gran Sasso Nationalpark erhebt sich mit dem 2.912 m hohen Corno Grande und den zwischen 1.600 und 2.200 m gelegenen, karstigen Hochebenen des Campo Imperatore am östlichen Rand Zentralitaliens. Die Hochebenen werden von allerlei Weidetieren (Rinder, Pferde, Schafe) in recht hoher Intensität durchzogen, sodass sich eine lückige und kurzrasige Vegetation ausgebildet hat. Charakteristisch sind die Teppiche des hier in einer bodennahen Kriechform auftretenden Wacholders. Heuschrecken der verschiedensten Arten, darunter einige endemische wie die Sattelschrecke Ephippiger ruffoi, die Beißschrecke Platycleis stricta oder die Kurzfühlerschrecke Stenobothrus apenninus sind hier vertreten. Sie dienen unter anderem der in den Höhenlagen vorkommenden Wiesenotter (Vipera ursinii) als Nahrungsgrundlage, wenn Kleinsäuger rar sind. Wir kamen am Mittag bei wechselhafter, gewittriger Witterung auf der Hochebene an und versuchten unser Glück auf der Suche nach der wohl am stärksten gefährdeten Giftschlange Europas. Die schier endlose, von Steinen und Wacholdern durchsetzte Weite machte das Kartieren sehr schwierig, da man sich kaum an bestimmten Strukturen orientieren konnte. Nach dreistündiger erfolgloser Suche mussten wir aufgrund eines aufziehenden Gewitters abbrechen, es blieb nur noch der Folgetag. Nach einer unruhigen, von Hundegebell dominierten Nacht in einem kleinen Pensionszimmer waren wir bei sonniger Witterung bereits um 7.30 Uhr wieder im Gebiet. Es dauerte nur wenige Minuten, da entdeckte Thomas im Windschatten eines kleinen Felsens ein Jungtier der Wiesenotter. Nur kurze Zeit später fanden wir ein ausgewachsenes Weibchen, das sich ebenfalls zwischen Gesteinsbrocken sonnte. Die Freude, diese gefährdete und gleichzeitig schwierig zu findende Schlange vor sich zu haben, war natürlich riesig! Wir suchten noch bis zum Mittag weiter, jedoch war die Sonne sehr kräftig und es wurde schnell zu warm. Die beiden nachgewiesenen Individuen, die auch während des Fotografierens liegen geblieben waren, hatten bereits um 8.30 Uhr ihren Liegeplatz verlassen und waren nicht mehr auffindbar. Gegen Mittag fuhren wir zurück in Richtung Lago di Bolsena und genossen noch einige Tage "echten" Urlaubs, bis wir uns wieder auf den Heimweg nach Deutschland machten.

 

Die Hochebenen der Abruzzen, im Hintergrund mit dem Corno Grande die höchste Erhebung, sind Habitat der stark gefährdeten Wiesenotter (Vipera ursinii).

 

Ein auffällig gezeichnetes Jungtier der Wiesenotter sonnt sich am frühen Morgen im abgestorbenen Gras liegenden in situ.

 

Fundstelle von obigem Individuum; das Tier sonnte sich im Windschatten des kleinen Felsens im Vordergrund.

 

Sich sonnendes Weibchen der Wiesenotter in situ, das es sich in der Vegetation zwischen mehreren Felsen bequem gemacht hatte.

 

Aufsicht auf das Weibchen in situ; gut zu erkennen ist der kurze, stark abgesetzte Schwanz.

 

Fundstelle des Weibchens mit mehreren kleinen Felsen und kurzrasiger Vegetation; das Tier ist bei genauerem Hinsehen in der Vegetation zu erkennen.

 

In den Abruzzen wird man leider dauerhaft von Dutzenden kleiner Fliegen begleitet, die sich im Dung der Weidetiere offenbar vorzüglich vermehren.

 

Die Sattelschrecke Ephippiger ruffoi ist endemisch in den Abruzzen; die Männchen zeigen häufig diese charakteristische Graufärbung.

 

Die Beißschrecke Platycleis stricta kommt ebenfalls nur in den Abruzzen vor.

 

Der zu den Heidegrashüpfern gehörende Stenobothrus apenninus, hier mit Milbe zwischen den Flügeldecken, ist ein weiterer Endemit der italienischen Abruzzen.

 

"Mittagessen" in den Abruzzen im Schatten eines großen Felsens.

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