Sphingonotus caerulans (Blauflügelige Sandschrecke) (Linnaeus, 1767)

 

Verbreitung in Deutschland: Sphingonotus caerulans ist in Deutschland bis weit in den Nordosten verbreitet. Alleine aus dem Nordwesten liegen überwiegend keine Nachweise vor. Die Art ist vor allem im nördlichen Teil Deutschlands stark rückläufig oder gar schon verschollen.

Verbreitung in Baden-Württemberg: Die ehemals wohl über die Burgundische Pforte ins Rheintal eingewanderte S. caerulans besiedelt die komplette Oberrheinebene mit Schwerpunkten in den Hardtebenen, in der Offenburger Rheinebene und in der Markgräfler Rheinebene. In anderen Landesteilen (Albvorland, Bodenseebecken) sind kleine Bestände in Bahnanlagen bekannt, die möglicherweise über Materialtransport verschleppt wurden.

Habitatansprüche: Die Blauflügelige Sandschrecke ist als Pionierart einzustufen, die sehr vegetationsarme und gleichzeitig sand- oder schotterreiche Habitate besiedelt. Derartige Lebensräume findet sie in Baden-Württemberg entlang von Bahnanlagen, in Kiesgruben, auf Industriebrachen, in Binnendünen oder entlang der Rheindämme. Früher besiedelte die Art auch die mittlerweile fast komplett verschwundenen Schotterbänke des Rheins.

Gefährdung/Schutz: RL BW: Gefährdet. S. caerulans ist in Baden-Württemberg gefährdet, da ihre Primärhabitate (Schotterbänke des Rheins, Binnendünen) in weiten Bereichen schon verschwunden sind. Viele Ersatzhabitate (Kiesgruben, Bracheflächen) wachsen mit der Zeit zu und sind somit nicht mehr für die Art nutzbar. Allein auf den Bahnanlagen findet die Art aktuell noch relativ ungefährdete Ersatzhabitate. Ob diese auf der Dauer ausreichen, um die Bestände von S. caerulans in Baden-Württemberg zu erhalten, ist fraglich. Eine Schaffung der natürlichen Auedynamik an Rhein und Neckar sowie die Offenhaltung der Binnendünenstandorte wären prioritäre Maßnahmen zum Erhalt dieser und vieler weiterer stark gefährdeter Arten (Tetrix ceperoi, Aiolopus thalassinus, Oedipoda caerulescens, Myrmeleotettix maculatus).

Eignung als Indikatorart: S. caerulans ist ein guter Indikator für vegetationsarme Pionierlebensräume sowie für naturnah erhaltene Flussauen mit Schotterbänken.

 

 

Männchen von Sphingonotus caerulans in einer ehemaligen Kiesgrube in der nördlichen Oberrheinebene (Neuthard), September 2010.

 

 

Weibchen von S. caerulans ebenfalls in der ehemaligen Kiesgrube, September 2010.

 

 

Schematische Verbreitung von S. caerulans in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

 

Oedipoda caerulescens, Parapleurus alliaceus

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