Ruspolia nitidula (Schiefkopfschrecke) (Scopoli, 1786)
Verbreitung in Deutschland: Ruspolia nitidula kommt in Deutschland ausschließlich am Bodensee vor. Die nächstgelegenen Vorkommen bestehen im österreichisch-bayerischen Grenzgebiet und in der reliktär in der Schweiz. Wahrscheinlich wirkt die Alpenkette als eine nur schwer überwindbare Barriere für die Schiefkopfschrecke.
Verbreitung in Baden-Württemberg: Das Vorkommen von R. nitidula in Deutschland ist seit Ende der 1950er-Jahre bekannt. Nachdem lange Zeit davon ausgegangen worden war, dass die Art im Bodenseebecken ausgestorben sei, wurde sie 2005 wieder im NSG Eriskircher Ried nachgewiesen. Hier konnte sich durch Artenschutzmaßnahmen bis heute eine recht individuenreiche Population entwickeln.
Habitatansprüche: R. nitidula ist an Feuchtlebensräume gebunden. Hierbei spielen vor allem Pfeifengraswiesen eine wichtige Rolle, die jedoch erst sehr spät im Jahr gemäht werden dürfen. Imagines sind auch häufiger im weiteren Umfeld der Feuchthabitate in trockeneren Streuobstwiesen zu finden. Eine Verbrachung der Habitate in Form von Hochstaudenfluren oder Seggenriedern wird nur in geringem Außmaß toleriert.
Gefährdung/Schutz: RL BW: Vom Aussterben bedroht. Die Schiefkopfschrecke benötigt neben dem Vorhandensein von mageren Feuchthabitaten in ausreichender Verknüpfung und Größe im Bodenseegebiet auch ein exakt auf ihre Ansprüche abgestimmtes Pflegekonzept. Hierbei spielt vor allem der späte Mahdzeitpunkt (September) eine wichtige Rolle, der es den Larvalstadien von R. nitidula ermöglicht ihre Entwicklung abzuschließen.
Eignung als Indikatorart: R. nitidula ist ein ausgezeichneter Indikator für großflächige, intakte und nur sehr extensiv genutzte Feuchthabitate.
Ruspolia nitidula am Rande von Wasser führenden Gräben in Südwest-Frankreich (Camargue), August 2010.

Schematische Verbreitung von R. nitidula in Baden-Württemberg:
Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Conocephalus fuscus, Conocephalus dorsalis, Tettigonia cantans