Ruspolia nitidula (Schiefkopfschrecke) (Scopoli, 1786)

 

Verbreitung in Deutschland: Ruspolia nitidula kam in Deutschland ehemals ausschließlich am Bodensee vor (Maas et al. 2002). Die nächstgelegenen Vorkommen bestehen im österreichisch-bayerischen Grenzgebiet und reliktär in der Schweiz. Wahrscheinlich wirkt die Alpenkette als eine nur schwer überwindbare Barriere für die Schiefkopfschrecke. Mittlerweile ist die Art auch in der Oberrheinebene anzutreffen.

Verbreitung in Baden-Württemberg: Das Vorkommen von R. nitidula in Deutschland ist seit Ende der 1950er-Jahre bekannt. Nachdem lange Zeit davon ausgegangen worden war, dass die Art im Bodenseebecken ausgestorben sei, wurde sie 2005 wieder im NSG Eriskircher Ried nachgewiesen (Detzel 1998). Hier konnte sich durch Artenschutzmaßnahmen bis heute eine recht individuenreiche Population entwickeln (Knötsch 2005). Während der letzten Jahre hat sich die Art im südlichen Oberschwaben genauso ausgebreitet wie - ausgehend vom Elsaß - am südlichen Oberrhein. Möglicherweise sind klimatische Ursachen für diese Ausbreitung verantwortlich.

Habitatansprüche: R. nitidula ist an Feuchtlebensräume gebunden. Hierbei spielen vor allem Pfeifengraswiesen eine wichtige Rolle, die jedoch erst sehr spät im Jahr gemäht werden dürfen. Imagines sind auch häufiger im weiteren Umfeld der Feuchthabitate in trockeneren Streuobstwiesen  zu finden. Eine Verbrachung der Habitate in Form von Hochstaudenfluren oder Seggenriedern wird nur in geringem Ausmaß toleriert (Detzel 1998, Maas et al. 2002).

Gefährdung/Schutz: RL BW: Vom Aussterben bedroht (Detzel 1998). Die Schiefkopfschrecke benötigt neben dem Vorhandensein von mageren Feuchthabitaten in ausreichender Verknüpfung und Größe im Bodenseegebiet auch ein exakt auf ihre Ansprüche abgestimmtes Pflegekonzept. Hierbei spielt vor allem der späte Mahdzeitpunkt (September) eine wichtige Rolle, der es den Larvalstadien von R. nitidula ermöglicht ihre Entwicklung abzuschließen. Die aktuelle Ausbreitung dürfte den Gefährdungsgrad der Art deutlich mindern.

Eignung als Indikatorart: R. nitidula ist ein ausgezeichneter Indikator für großflächige, intakte und nur sehr extensiv genutzte Feuchthabitate.

Quellen für diese Seite:

Detzel, P. (1998): Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Eugen Ulmer (Stuttgart), 580 S.

Knötsch, G. (2005): Beobachtungen zur Bestandsentwicklung, Biologie und Okologie eines neu entdeckten Vorkommens der Großen Schiefkopfschrecke Ruspolia nitidula (Scopoli, 1786) in Baden-Wiirttemberg. - Articulata 20 (2): 113-116.

Maas, S.; Detzel, P. & A. Staudt (2002): Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands - Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte. Schriftreihe des Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bonn - Bad Godesberg, 401 S.

 

 

Weibchen der Schiefkopfschrecke in Oberschwaben (Tettnang), August 2013.

 

 

Weiteres Weibchen von R. nitidula in Oberschwaben (Tettnang), August 2013.

 

 

Ruspolia nitidula am Rande von Wasser führenden Gräben in Südwest-Frankreich (Camargue), August 2010.

 

 

Bodenseenahe Streuwiese, Habitat der Schiefkopfschrecke.

 

 

Weiteres Habitat in Oberschwaben (Tettnang); ein Hangquellmoor mit angrenzender Streuwiese.

 

 

Schematische Verbreitung von R. nitidula in Baden-Württemberg:

Dunkelblauer Bereich: Belegte Vorkommen

Schwarze Punkte: Eigene Nachweise

 

Conocephalus dorsalis, Tettigonia cantans

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