zurück

Anisoptera (Großlibellen)

 

Libellen gelten als gute Bioindikatoren für intakte Feuchtgebietskomplexe, weil einerseits die Larven von der Wasserqualität abhängig sind und andererseits die Imagines hohe Ansprüche an Wasserfläche, Vegetationsstruktur und Temperatur stellen. Viele Libellenarten sind gefährdet und finden nur in ganz bestimmten Gebieten noch geeignete Reproduktionsgewässer wie etwa in Mooren, Verlandungszonen oder natürlichen Flussauen.

Aus Baden-Württemberg wurden bisher 50 Arten nachgewiesen. Während die Große Zangenlibelle (Onychogomphus uncatus) und die Östliche Moosjungfer (Leuccorhinia albifrons) aktuell als erloschen gelten, handelt es sich bei der Schabrackenlibelle (Anax ephippiger) und bei der Westlichen Geisterlibelle (Boyeria irene) um nur sporadisch zufliegende Vermehrungsgäste. Etabliert haben sich dagegen die mediterranen Einwanderer Feuerlibelle (Crocothemis erythraea), Südlicher Blaupfeil (Orthetrum brunneum), Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii) und Südliche Heidelibelle (Sympetrum meridionale). Zu den häufigen und weit verbreiteten Großlibellen in Baden-Württemberg gehören Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta), Große Königslibelle (Anax imperator), Falkenlibelle (Cordulia aenea), Glänzende Smaradglibelle (Somatochlora metallica), Plattbauch (Libellula depressa), Vierfleck (Libellula quadrimaculata), Gewöhnlicher Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum), Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) und Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum). Sie sind an den meisten Stillgewässern anzutreffen und stellen das baden-württembergische Standardarteninventar dar. Unsere Fließgewässer haben in den letzten Jahren durch verbesserte Kläranlagen, strengere gesetzliche Vorgaben, Rückbau von Uferverbauungen und Renaturierungen an Qualität gewonnen, sodass an ihnen regional wieder eine reichhaltige Großlibellen-Biozönose zu beobachten ist. Hierunter finden sich in Baden-Württemberg die Asiatische Keiljungfer (Gomphus flavipes), die Gelbe Keiljungfer (Gomphus simillimus), die Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus), die Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus) und die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia). Weitere Arten stellen höhere Ansprüche an die besiedelten Stillgewässer, z.B. das Vorhandensein größerer Verlandungszonen oder Schilfbereiche, eine gute Besonnung und eine hohe Wasserqualität. Zu diesen Arten sind Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis), Keilfleck-Mosaikjungfer (Aeshna isoceles), Kleine Königslibelle (Anax parthenope), Schilfjäger (Brachytron pratense), Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus), Zweifleck (Epitheca bimaculata), Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis) und Spitzenfleck (Libellula fulva) zu zählen. An oligo- bis mesotrophen (Moor-)Gewässern höherer Lagen finden sich weiterhin eine ganze Reihe, teilweise stark gefährdeter Spezialisten wie Alpen-Mosaikjungfer (Aeshna caerulea), Braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis), Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea), Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae), Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris), Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica), Gefleckte Smaragdlibelle (Somatochlora flavomaculata), Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia), Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis), Nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda) und Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae). An Waldbächen findet sich als einzige Art die Gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentata). Setzen sich diese ins Offenland fort oder entspringen dort, sind dort mit der Zweigestreiften Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) und dem Kleinen Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) zwei weitere Arten zu finden. Auf regelmäßige Überflutungen, stark schwankende Wasserstände und nur temporäre Wasserführung sind die stark gefährdeten Arten Östlicher Blaupfeil (Orthetrum albistylum), Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum), Gefleckte Heidelibelle (Sympetrum flaveolum) und Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum) angewiesen.

 

Rote Liste der Libellen (Stand 2006 nach Hunger & Schiel):

Wissenschaftlicher Name Deutscher Name RL BW OR SW NT SA OS RL 1999
Aeshna affinis Südliche Mosaikjungfer 2 2 - 2 1 2 1
Aeshna caerulea Alpen-Mosaikjungfer 1 - 1 - - - 1
Aeshna cyanea Blaugrüne Mosaikjungfer X X X X X X X
Aeshna grandis Braune Mosaikjungfer V V 3 3 3 V 3
Aeshna isoceles Keilfleck-Mosaikjungfer 2 2 - G 2 2 1
Aeshna juncea Torf-Mosaikjungfer 3 - 3 2r 3 3 2
Aeshna mixta Herbst-Mosaikjungfer X X Xr X Xr X X
Aeshna subarctica elisabethae Hochmoor-Mosaikjungfer 2 - 2 - - 1 1
Anax ephippiger Schabrackenlibelle Vg Vg - - Vg Vg Vg
Anax imperator Große Königslibelle X X X X X X X
Anax parthenope Kleine Königslibelle X X - X X X 2!
Boyeria irene Westliche Geisterlibelle D - - - - D -
Brachytron pratense Schilfjäger V V - 2 0r V 2
Gomphus flavipes Asiatische Keiljungfer 2r 2r - - - - 1
Gomphus pulchellus Westliche Keiljungfer X X Xr X X X 3
Gomphus simillimus Gelbe Keiljungfer R R - R - - gR
Gomphus vulgatissimus Gemeine Keiljungfer X X 3r X - 0 3!
Onychogomphus forcipatus Kleine Zangenlibelle X X X X - 2 3!
Onychogomphus uncatus Große Zangenlibelle 0 - - 0 - - gR
Ophiogomphus cecilia Grüne Flussjungfer 3 3 0 2 D 2 1
Cordulegaster bidentata Gestreifte Quelljungfer X - X X 2r 3 2
Cordulegaster boltonii Zweigestreifte Quelljungfer X V X X - V 3
Cordulia aenea Falkenlibelle X X X X X X X
Epitheca bimaculata Zweifleck 1 1 - - - 1 1
Somatochlora alpestris Alpen-Smaragdlibelle 1 - 1 - - - 1
Somatochlora arctica Arktische Smaragdlibelle 2 - 1 - - 2 1
Somatochlora flavomaculata Gefleckte Smaragdlibelle 3 2 - 2 1 3 3
Somatochlora metallica Glänzende Smaragdlibelle X X X X X X X
Crocothemis erythraea Feuerlibelle X X - X X X 2!
Leucorrhinia albifrons Östliche Moosjungfer 0 0 - - - 0 0#
Leucorrhinia caudalis Zierliche Moosjungfer 1 1 - - - 0 1
Leucorrhinia dubia Kleine Moosjungfer 3 - 3 D 2 3 2
Leucorrhinia pectoralis Große Moosjungfer 1 1 - 1 0 1 1
Leucorrhinia rubicunda Nordische Moosjungfer 1 - - - - 1 1
Libellula depressa Plattbauch X X X X X X X
Libellula fulva Spitzenfleck V V 1r D 1r 3 2
Libellula quadrimaculata Vierfleck X X X X X X X
Orthetrum albistylum Östlicher Blaupfeil D D - D - D 1
Orthetrum brunneum Südlicher Blaupfeil X X X X X X 3
Orthetrum cancellatum Gewöhnlicher Blaupfeil X X X X X X X
Orthetrum coerulescens Kleiner Blaupfeil 3 3 2 2 - 3 2
Sympetrum danae Schwarze Heidelibelle 3 2r 3 3 2 3 3
Sympetrum depressiusculum Sumpf-Heidelibelle 1 1 - 0 - 1 1
Sympetrum flaveolum Gefleckte Heidelibelle 2 2 1 2 2 2 1
Sympetrum fonscolombii Frühe Heidelibelle X X - X X X 1
Sympetrum meridionale Südliche Heidelibelle D D - D D D Vg
Sympetrum pedemontanum Gebänderte Heidelibelle 2 2 1 1 D 0 2
Sympetrum sanguineum Blutrote Heidelibelle X X X X X X X
Sympetrum striolatum Große Heidelibelle X X X X X X X
Sympetrum vulgatum Gemeine Heidelibelle X X X X X X X

Zeichenerklärung: OR = Oberrheinebene, SW = Schwarzwald, NT = Neckar-Tauberland, SA = Schwäbische Alb, OS = Oberschwaben, 0 = ausgestorben, 1 = vom Aussterben bedroht, 2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet, V = Vorwarnliste, N = ungefährdet, D = Kenntnislücke, G = Gefährdung anzunehmen, r = nur randlich einstrahlend, - = nicht vorkommend, ( ) = keine sicheren, bodenständigen Vorkommen, ! = besondere Verantwortung, gR= geographische Restriktion, Vg = Vermehrungsgast, * = nicht sicher nachgewiesen, # = wahrscheinlich (ehemals) bodenständig, jedoch ohne belegbaren Nachweis.

 

 

Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) ist die häufigste Aeshnide in Baden-Württemberg.

 

 

Die Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta) ist erst spät im Jahr anzutreffen und wird deshalb oft übersehen. Auch sie ist weit verbreitet und häufig.

 

 

Die Keilfleck-Mosaikjungfer (Aeshna isoceles) ist eine stark gefährdete Charakterart naturnaher Gewässer mit ausgeprägten Verlandungszonen.

 

 

Der Große Königslibelle (Anax imperator) ist eine der eindrucksvollsten einheimischen Libellen. Dieses Männchen sucht Zuflucht im Gras bei einsetzendem Regen.

 

 

Die Gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentata) entwickelt sich in Quellsümpfen und -bächen. Sie wurde lange Zeit als gefährdet eingeschätzt, bis verbesserte Nachweismethoden ihre weite Verbreitung belegten.

 

 

Die Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) ist in Baden-Württemberg vor allem in Oberschwaben und im Schwarzwald verbreitet.

 

 

Die Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus) ist die einzige Gomphide Baden-Württembergs, die sich primär an stehenden Gewässern entwickelt. Auch sie kann als die häufigste ihrer Gattung gelten.

 

 

Die Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus) unterscheidet sich von voriger Art durch die komplett schwarz gefärbten Beine. Die Art befindet sich in Baden-Württemberg entlang der großen Flüsse in Ausbreitung und kann mittlerweile als ungefährdet eingestuft werden.

 

 

Auch die Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus) hat sich in Baden-Württemberg wieder ausgebreitet und gilt aktuell als ungefährdet.

 

 

Die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) ist eine Art der FFH-Richtlinie und gilt in Baden-Württemberg als gefährdet.

 

 

Die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea), hier das bräunlich gefärbte Weibchen, ist ein Einwanderer aus dem Süden, der mittlerweile auch in Mitteleuropa Fuß gefasst hat.

 

 

Die Falkenlibelle (Cordulia aenea) ist ein gewandter Flieger, den man nur selten in dieser Ruheposition sieht. Auch diese Art ist an den meisten Stillgewässern vertreten.

 

 

Die Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica) ist ein Hochmoorspezialist und in Baden-Württemberg stark gefährdet.

 

 

Die Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica) unterscheidet sich durch den gelben Fleck am Abdomen von der Falkenlibelle. Auch diese Art ist weit verbreitet und meist häufig.

 

 

Die Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) gilt in Baden-Württemberg als vom Aussterben bedroht.

 

 

Die Nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda) kommt nur in wenigen Mooregebieten Oberschwabens vor.

 

 

Die Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) ist die in Baden-Württemberg noch am weitesten verbreitete Leucorrhinia-Art.

 

 

Der Plattbauch (Libellula depressa), hier ein noch nicht voll ausgefärbtes Exemplar, ist eine häufige Libellenart, die keine größeren Ansprüche an ihren Lebensraum stellte solange eine gewisse Besonnung gegeben ist.

 

 

Der Vierfleck (Libellula quadrimaculata) ist ebenso häufig wie der Plattbauch.

 

 

Die seltenste Libellula-Art ist der in der Oberrheinebene und in Oberschwaben vorkommende Spitzenfleck (Libellula fulva), hier ein immatures Tier mit Flügelfehler.

 

 

Der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) trägt seinen Namen zurecht. Er ist ein gewandter Flieger, der an vielen größeren und besonnten Stillgewässern angetroffen werden kann.

 

 

Der Südliche Blaupfeil (Orthetrum brunneum) ist eine Pionierart, die sehr gerne an sommerwarmen Kleingewässern auftritt. Dieses Habitat besiedelt er auch am Bodensee bei Konstanz, wo die Art ebenso verbreitet ist wie in der Oberrheinebene.

 

 

Das Weibchen des Kleinen Blaupfeils (Orthetrum coerulescens) unterscheidet sich von anderen Orthetrum-Arten durch die hellen Streifen auf dem Thorax. Die Art ist in Baden-Württemberg vor allem in der Oberrheinebene und in Oberschwaben verbreitet und gilt als gefährdet.

 

 

Ein frisch geschlüpftes Exemplar der Blutroten Heidelibelle (Sympetrum sanguineum), erkennbar an den durchgehend schwarzen Beinen. Diese Art ist weit verbreitet und überall häufig.

 

 

Die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) im Albvorland. Auch diese Art ist eigentlich überall anzutreffen, sie unterscheidet sich von folgender Art vor allem durch heller gefärbte Thorax-Seiten und eine wenige senkrecht abstehende Legeklappe der Weibchen.

 

 

Die Gewöhnliche Heidelibelle (Sympetrum vulgatum) ist ebenfalls eine häufige Art, nur in den Hochlagen von Schwarzwald und Alb ist sie in Baden-Württemberg weniger abundant.

 

 

Die Südliche Heidelibelle (Sympetrum meridionale) ist mittlerweile auch in der Lage in Baden-Württemberg zu reproduzieren.

 

 

In Baden-Württemberg stark gefährdet und im NSG Schaichtal nur in diesem verflogenen Einzelexemplar beobachtet, die Gefleckte Heidelibelle (Sympetrum flaveolum). Die Art benötigt nur temporär Wasser führende Gräben und Senken, die in der heutigen Agrarlandschaft meist trocken gelegt wurden und somit mit der einst häufigen Art aus der Landschaft verschwanden.

 

 

Die Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum) ist in Baden-Württemberg auf das wärmebegünstigte Rheintal beschränkt. Hier besiedelt sie Altwässer, Überflutungsbereiche und andere seichte, temporär Wasser führende Gewässer. Sie gilt in Baden-Württemberg als stark gefährdet.

 

 

Die Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum) besiedelt in Baden-Württemberg Niedermoore und vegetationsreiche Kleingewässer mit niedrigem Wasserstand. Aktuell existieren nur noch wenige Vorkommen in der Oberrheinebene und in Oberschwaben, deshalb gilt die Art als vom Aussterben bedroht. Dieses Foto entstand auf einer mit Gräben durchzogenen Streuwiese im Wald bei Laimnau.

 

 

Die Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae) ist eine Kälteart, die aktuell stark rückläufig ist. Hier ein Tier aus einem Steinbruch bei Nagold am Schwarwaldrand.

 

 

Die Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii) in der Obelisken-Stellung.

 

zurück